Gemeinwohlökonomie – Von der Vision zur Realität: Vortrag Christian Felber

Am 7.4.2017 hielt Christian Felber  in der Mehrzweckhalle Gratwein-Straßengel vor rund 300 Menschen einen fesselnden Vortrag über die von ihm 2010 gegründete Gemeinwohlökonomie (GWÖ).


Die Gemeinwohl-Ökonomie soll „ein gutes Leben für alle“ sicher stellen und eine Alternative zum derzeit herrschenden globalisierten Kapitalismus sein. Im Kapitalismus ist die Vermehrung des Kapitals das oberste Ziel des Wirtschaftens. Bei der GWÖ ist es hingegen das Wohl von Mensch und Umwelt. Schon Aristoteles hat gemeint, dass Geld nur ein Mittel, aber niemals Zweck sein soll, um zu wirtschaften. Auch für Thomas von Aquin war das Gemeinwohl das höchste Ziel. In allen Verfassungen steht auch heute ein Passus, dass „die gesamte wirtschaftliche Tätigkeit dem Gemeinwohl dienen soll“ (zB Art 151 der Bayrischen Verfassung). Die Systeme gehören laut Felber daher umgestellt, vom Gewinnstreben & Konkurrenz hin zu Gemeinwohlbeitrag & Kooperation.

 


Bereits 400 Unternehmen (darunter auch drei Banken) weltweit haben freiwillig eine Gemeinwohl-Bilanz erstellt. Nicht der Finanzgewinn ist hier das Ziel, sondern die Mehrung des Gemeinwohls. Bewertet werden ökologische, soziale und andere Aspekte. Wunsch wäre, dass das Ergebnis der Gemeinwohl-Bilanz auf den Produkten draufsteht. So kann der Kunde sehen, ob das Unternehmen Steuern zahlt (oder in Steueroasen ansässig ist), ob er seine Mitarbeiter fair entlohnt, ob er Umweltstandards einhält, etc. Die Unternehmen mit hohen Gemeinwohl-Punkten sollen verschiedene Vorteile genießen können, wie zB Steuervorteile, niedrigere Zölle, günstigere Kredite von der Demokratischen Bank, Vorrang beim öffentlichen Einkauf, Vorrang bei Forschungskooperationen, usw. Ethisch handelnde Betriebe (sogenannte „Fair Player“) sind dann besser gestellt, als nicht-ethisch handelnde („Foul Player“, bisher ist das ja umgekehrt – zahlen weniger Steuern, erhalten mehr Gewinn, …).

 


Vor allem in den Industrieländern leben wir extrem über unsere Verhältnisse und zerstören damit die Lebensgrundlagen aller. Wir müssen daher ein anderes Modell verfolgen und unser Wirtschaften nach ethischen Zielen ausrichten. Wir hoffen, es gelingt!

Ein interessanter Vortrag mit guten Ideen, die im Prinzip leicht umsetzbar klingen, wenn man dabei das Eine verfolgt: das Gemeinwohl oder das gute Leben für alle!

Am 14. Juni 2017 wird Christian Felber übrigens wieder in Graz sein. Dieses Mal zu Gast im Kunsthaus Graz um 19.00 Uhr anlässlich der Fronleichnamsakademie der Katholischen Kirche Steiermark. Thema: „Ökonomie gestalten – welche Wirtschaft(sgeschichte) wollen wir künftig (erzählen)?“ (Anmeldung nötig – mehr dazu in unserem Terminkalender)

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