Tagebuch unseres Ladenmaskottchens

Eveline Markart, unsere Mitarbeiterin und liebevolles Herz im Nachhaltigkeitsladen, schreibt ab sofort Geschichten um und über unser Laden- und Nachhaltigkeitsmaskottchen. Ein kleiner Eisbär, wurde vor ein paar Wochen bei uns abgegeben. Nun wird er Mittelpunkt einer Geschichten-Reihe. Es sind Geschichten, die das Leben schreibt, die entweder im Laden passieren oder auch, die der Laden und unser dortiges Tun in uns bewirken.

Woche 3

Hallo ihr Lieben,

ich wollte euch ja berichten, wie ich Black Friday gelöst habe. Ehrlich gestanden, gar nicht, denn es kam der Lockdown dazwischen. Natürlich war ich dann im Gewissenskonflikt, online zu kaufen. Ihr wisst ja, meine Fellbürste und ein paar Geburtstagsgeschenke, bei Weihnachten bin ich noch gar nicht. Um es kurz zu machen, grüner bin ich in dieser Woche leider nicht geworden.  Ich habe ein Kochbuch  „Österreich vegetarisch“ online als Geburtstagsgeschenk bei Morowa bestellt. Morowa, damit ich wenigstens beim Bestellen in Österreich bleibe. Natürlich habe ich auch die verlockenden Angebote der Onlineshops gesehen. 2 Paar Sneakers zum Preis von einem Paar, minus 20 % …

Wie aus dem Nichts, flogen beim Gustieren der Onlineplattformen Bilder in meinen Kopf.

Mein zweiter Tag im Nachhaltigkeitsladen und jemand öffnet die Kühlschranktüre und sucht nach Essbarem, aufgereihte Behältnisse mit Spenden von gebrauchten Kleidern, Hosen und Schuhen. Ein sehr klammes Gefühl durchfährt meinen Körper.

Ich betrachte die Sachen und bemerke eine bestimmte Hemmschwelle, die gebrauchten Gewänder zu berühren. Ich gehe eine Runde, auch eine zweite und nehme wahr, wie liebevoll diese Ständer und Behältnisse gefüllt sind. Ein junges Mädchen betritt das Geschäft und sucht nach Häferln und Teller. Sie ist Studentin, kommt aus einem anderen Bundesland und wählt in freudiger Manier ihr Geschirr für Frühstück und Abendessen aus. Mit einem freundlichen Lächeln im Gesicht erklärt sie, dass wenn sie wieder auszieht, sie die Sachen wieder bringt und somit ein gutes Gefühl hat, einen nachhaltigen Beitrag geleistet zu haben. Sie wirft einen Geldschein in den Spendentopf und geht. Ganz langsam wird mir die großartige Idee hinter diesen Räumlichkeiten in der Leonhardstraße 38 bewusst. Es geht tatsächlich darum, Abfall zu vermeiden, Gutes solange im Umlauf zu belassen, wie die Lebensdauer eines Produktes es zulässt. Achtsamer mit unserem Besitz umzugehen, weil wir einem anderen auch noch eine Freude damit bereiten wollen, Kinder so früh zu sensibilisieren, dass sie sich von Spielzeug für einen guten Zweck trennen und vielleicht selbst auch etwas im Laden finden, das ihnen richtig Freude bereitet.

Ich greife in eine Box mit Tüchern und versuche Energie zu spüren. Mir stellt es nicht das Fell auf, ich bemerke nur mit meinem Verstand, ob es ein Lieblingstuch von jemanden war oder nicht, weil meine Augen sehen, ob es mehrmals gebraucht wurde oder nicht. Mir fallen natürlich auch Beas Worte ein, die zu bedenken gibt, jedes Mal, wenn wir auf Reisen gehen, schlafen wir ja auch in gebrauchter (und hoffentlich gewaschener) Bettwäsche. Ich reise zwar nicht viel, aber ja, daran denke ich.

Ich brauche eine Zeit, bis ich verstehe, dass wenn wir achtsam sind, uns das holen, was wir wirklich brauchen ist die Energie immer eine gute. Im Nachhaltigkeitsladen von Nachhaltig in Graz gibt es viele abgegebene Sachen mit ganz viel guter Energie. So könnt ihr euch vorstellen, dass ich bis jetzt online noch nichts gekauft habe, außer dem Geburtstagskochbuch. Ob ich im letzten Augenblick wieder was anstelle oder nicht, weiß ich jetzt selber noch nicht.

Ich schicke euch heute liebe Grüße und bin einfach nur froh, dass es euch Leser*innen gibt!

Euer Eisbär

Woche 2

Guten Morgen, Ihr Lieben

Heute bin ich schon ganz früh aufgestanden, weil ich euch gerne mitteilen möchte, dass ich in dieser Woche mein Fell schon ein bisschen grüner machen konnte und ich gestehe, dass ich zuerst nicht wusste wie das überhaupt gehen soll….

Natürlich war es für mich als Eisbär nicht so einfach, mich hier im Laden und der Thematik die Umwelt zu schützen einzudenken. Fern ab meiner Heimat, waren meine Artgenossen irritiert und überlegten , was ich hier gedenke zu tun. Glücklicherweise habe ich aber sofort verstanden, dass es nur die Reaktionen meines Umfeldes waren, die mich anfänglich betroffen gemacht haben und nicht meine neue Aufgabe ein grüner Bär zu werden. Trotzdem hat ein bisschen Image in mir getobt, denn ich hatte Gegenüber, die schon fragten, was ich dort wolle, etwa ein veganer Eisbär werden? Ich habe mir also schon die W-Fragen gestellt, was, warum, wieso, was genau, wie komme ich da wieder raus? Aber woraus genau? Und so habe ich einfach getan, was zu tun war.

Ganz zufällig kam mir dann auf der App „Nachhaltig in Graz“ – Beas Sohn hat diese bedienerfreundlich und übersichtlich gestaltet – der Artikel unter, dass in Graz die gelben Seiten verschickt werden. Ein Grazer hat ein Jahr lang, diese Prospekte gesammelt und stellte fest, dass der Stoß Papiermüll 60 kg wog und 1.20m hoch war. Ganz betroffen über mich selbst, weil ich Prospekte liebe – ich erfahre Angebote, neueste Trends und überhaupt, was in diesen Breiten hipp ist – wurde ich sehr nachdenklich. Sofort nahm ich das Pickerl „Bitte nur adressiertes Werbematerial“ vom Laden kostenlos mit und klebte es schweren Herzens auf mein Postkasterl, so heißt das hier. Schon in dieser Woche bin ich nicht nur stolz auf mich, ich bin auch überglücklich, denn es fällt mir auf, um wieviel weniger Papier ich zum Müll tragen muss.

Na, wenn das nicht ein Schritt in die richtige Richtung ist, weiß ich auch nicht. Deshalb ist heute meine Fußsohle grün. Vielleicht denkt ihr, dass das übertrieben ist? Natürlich ist das noch kein ökologischer Fußabdruck, aber für mich der große Anfang, Spaß an Nachhaltigkeit zu finden mit einem guten Gefühl einen wertvollen Beitrag geleistet zu haben.

Ihr werdet lachen, diesmal überlege ich mir an Black Friday, das ist auch etwas Neues für mich, nur Notwendiges einzukaufen. Zum Beispiel brauche ich eine Fellbürste, die bekomme ich auf den regionalen Märkten nicht. Und ganz ehrlich, mein Ziel wäre es, am Freitag gar nicht einkaufen zu gehen, denn die Bürste bekomme ich an anderen Tagen auch und außerdem kaufe ich dann soviel mehr, als ich überhaupt brauche.

Weiters hat dies auch den Vorteil, möglicherweise Corona aus dem Weg zu gehen. Wir im Laden haben natürlich auch gesperrt.

Und da habe ich auch noch so einen kritischen Freund, der macht mich darauf aufmerksam zu überlegen, dass ich doch eine Qualitätsbürste beim Bürstenbinder kaufen soll.

Ob ich das schaffe, werde ich euch berichten!

Ich freue mich auf dich, dein Eisbär

Der Beginn, Woche 1

Hallo, ich bin´s, das Nachhaltigkeitsmaskottchen!

Du kennst mich nicht? Das macht nichts, ich habe bis jetzt auch nicht so richtig über mich Bescheid gewusst. Aber jetzt bin ich voll da und erzähle dir, wie vielfältig Nachhaltigkeit ist. Ich lade dich recht herzlich ein, mich wöchentlich auf meinem Weg nach der Frage um den schwierigen Begriff „Nachhaltigkeit“ zu ergründen, zu begleiten.

Wie du jetzt sehen kannst, schlägt mein Herz schon ein bisschen in die richtige Richtung, auch in meinem Kopf habe ich den einen oder anderen Geistesblitz, um unsere Mutter Erde zu schützen. Ich habe mir jetzt vorgenommen selbst nachhaltig zu leben und mein Ziel ist es, am Ende in ein grünes Fell eingebettet zu sein. Damit ich selbst und auch du – wenn es dich interessiert – meine Fortschritte erkennen kannst, werde ich mit jeder sinnvollen Tat ein bisschen grüner.
Besonders gemein ist es, wenn ich Rückschritte mache, dann kann ich mein Grün auch wieder verlieren.

Wie du sehen kannst, bin ich ein ganz normales Maskottchen. Ein bisschen blink-blink, bodenständig, manchmal ein bisschen ausufernd. Im Herzen möchte ich, wie du ja auch, mein Bestes geben! Pffft, wie geht denn das? Keine Ahnung?!? Egal, lass uns beginnen!

Natürlich war ich nicht immer das Maskottchen von diesem Laden. Ich war sogar weit entfernt davon. Was ich aber hatte, war eine Förderin. Diese sagte: „Weißt du, ich unterstütze dich, aber es gibt da noch etwas, das du sehen solltest. In der Leonhardstraße 38 ist ein Nachhaltigkeitsladen, schau ihn dir an!“. Das tat ich. Schon beim Betreten dieses Ladens, spürte ich Heimeligkeit. Damit ich aber in das Geschäft kommen konnte, musste ich mich in einer Warteschlange anstellen. Weil ich ja ein Maskottchen bin, haben mich die Leute, die hier standen, entweder gar nicht wahrgenommen oder stark mit ihrem Blick in eine Ordnung zu bringen versucht. Und da war ich nun. In einem Laden mit ca. 30 m², bestückt mit allerlei Küchenartikel, Büchern, Schmuck, Damen- und Herrengewand, ganz viel Babybekleidung und Spielzeug.

Stell dir vor, dann betrat eine Frau das Geschäft und identifizierte die Besitzerin des Ladens auch als „Bär“. So zumindest habe ich es gehört und fühlte mich unter Bären sofort wohl. Später werde ich dann allerdings erfahren, dass es Abkürzungen für Namen gibt und die Initiatorin des Ladens Beatrix, also Bea („Bär“) heißt.  Sie hat auch mich gefunden! 🙂

Wenn du wissen möchtest, wie ich vom Raubtier zum zahmen Beschützer im Kleinen werde, dann freue ich mich, wenn wir uns nächste Woche wieder auf dieser Seite treffen. Ich verspreche dir, es wird nicht immer um mich allein gehen, du wirst Kochrezepte, Ideen, Übungen und andere Leute kennenlernen. Du kannst mit uns philosophieren, plaudern und nachdenken.

Kannst in den Laden kommen und dich selbst davon überzeugen, dass die Geschichten, die du hier lesen wirst Realität sind. Vielleicht besuchst du auch einen unserer Workshops oder einen unserer Vintagemärkte, die sobald die Sonne hervorlugt, immer wieder stattfinden. Wir würden uns freuen!

Wie das Zitat von Erich Kästner  „Es gibt nichts Gutes. Außer man tut es“ für mich sehr bildhaft wurde, erfährst du in einer meiner nächsten Maskottchengeschichten.

Dein Eisbär – falls du für mich einen Namen findest, würde ich mich sehr freuen.

Autorin: Eveline Markart

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