Tagebuch unseres Ladenmaskottchens


Eveline Markart, bis Jänner 2022* Mitarbeiterin und liebevolles Herz im Nachhaltigkeitsladen, schrieb zehn kleine Geschichten um und über unser Laden- und Nachhaltigkeitsmaskottchen. Ein kleiner Eisbär, wurde vor ein paar Wochen bei uns abgegeben. Nun wurde er Mittelpunkt einer Geschichten-Reihe. Es sind Geschichten, die das Leben schreibt, die entweder im Laden passieren oder auch, die der Laden und unser dortiges Tun in uns bewirken.

Liebe Eveline, deine herzliche, aufmerksame Art und vor allem deine Liebe zu den Menschen sowie deine Ruhe und Stärke, wie du dich auch den täglichen Herausforderungen in unserem doch sehr besonderen Laden gestellt hast wirken noch immer nach. Man merkte, du hast aus den positiven Erlebnissen Kraft getankt; aus den schwierigeren Erlebnissen hast du versucht, zu lernen, sie zu hinterfragen und sie zu verstehen. So denken wir an dich und versuchen, jeden Tag wieder neu zu starten und ihm die Chance zu geben, für möglichst viele Menschen, Besucher*innen sowie Mitarbeiter*innen, und auch für unsere Umwelt positiv zu sein. Danke für die Zeit mit uns!“ – Alles Liebe, Bea

*Die Mitarbeiterinnen, die uns durch unsere Partner Die Manufaktur als fixe Kraft vermittelt werden, können leider immer nur maximal sechs Monate in unserem Laden wirken.

Woche 10

Hallo ihr Lieben,

die Bärengeschichtenreihe geht nun zu Ende!

10 Episoden aus dem tagtäglichen Leben eines Geschäftes, aus welchem man mindestens 10 Teile finden und gegen einen Spendenbeitrag, sie sein Eigen nennen kann.

Menschen kommen und gehen und jeder hat seine Geschichte. Für diese Zeit, sobald der Laden betreten wird, berühren sich unsere Herzen, es gibt Blickkontakte, Annäherungen, Worte des Dankes, aber auch stille Dankbarkeit. Herzerfrischend war auch jene Spitalskraft, die in unserem Laden Geburtstag gefeiert hat. Immer wieder hat sie betont, wie toll sie es empfindet, dass sie hier in Ruhe Dinge finden kann, die sie erfreuen. Gedankt hat sie es mit einer großzügigen Spende. Ihr Geburtstag, vor allem ihre Freude wird uns unvergessen bleiben. 

Auch diesen jungen Mann, der erklärte: „My sister ist 26 and I need a present for her. Can you inspire me?“, er verließ den Laden mit einem liebevoll zusammengestellten Arrangement von Dingen, die die Schwester liebt, werden wir nicht vergessen.

Alle, die uns kennen, kennen auch den Mann neben unserem Geschäft. Sein Laden gehört nicht zu uns. Wenn er aber kurz nach unserer Öffnung an der Tür vorbeispaziert und seine Hand zum morgendlichen Gruß hebt, gehört er dazu, wie der Deckel auf den Topf.

Damit so ein Beitrag für eine bessere Welt passieren kann, braucht es sehr viel. Menschen mit Herz.

Eine Initiatorin, wie es Beatrix Altendorfer ist, die den Mut hat, einen Weg zu gehen, von dem man nicht genau weiß, wie er endet (Idee durchsetzen, durchhalten, kämpfen, umsetzen, positiv bleiben, auch zu Zeiten von Corona, wenn es wenig Spenden gibt, die Miete, das Lastenrad etc bezahlt werden muss), eine Vermieterin, die auch akzeptiert, dass manchmal Unansehnliches vor der Tür steht, aber das Gute in der Aktion erkennt, Familie, die erhellt, wenn es mal nicht so einfach ist.

Ehrenamtliche, die sich in den Dienst stellen und einfach tun. Menschen, die brauchbare Ware in den Laden bringen und eben Spender, die die Ware wieder benötigen.

Wie ein Stein, der in das Wasser geworfen wird, ziehen all diese Menschen ihre Kreise und geben jeden Tag ihr Bestes.

Macht es gut, bleibt gesund und uns gewogen – euer Eisbär

P.S. Ich werde jetzt nicht grüner, ich muss schauen, dass ich das Grün Tag für Tag aufrechterhalte – auch über einen längeren Zeitraum, Radfahren, zu Fuß gehen, regional essen, wenig Verpackung, kaufen nur was ich brauche (geht eh leicht, weil ich keine Prospekte mehr bekomme 😊) und jeden Tag lieben, so wie er ist.

Woche 9

Ihr Lieben,  

heute möchte ich euch gerne etwas über das Ehrenamt erzählen, denn wie ihr sicher wisst, gibt es in unserem Laden viele ehrenamtliche MitarbeiterInnen. Zur Zeit gibt es ausschließlich Frauen, die sich zur Verfügung stellen, aber auch der Mann und die Söhne von Beatrix leisten Großartiges für das Weiterbestehen dieses Kleinods. Meist sind es Arbeiten, die im Hintergrund und ganz still durchgeführt werden. Sei es eine Reparatur des Staubsaugers oder Lampen, die montiert werden und vor allem auch den Transport von Waren.

Ich möchte euch gerne etwas über Tessa erzählen, die eigentlich Teresa heißt, aber dadurch wir mehrere Theresas haben, diese Form die Unterscheidung ist. Tessa ist die zuletzt aufgenommene im Laden und weil ich mit ihr jetzt sehr viel Zeit dort verbracht habe, möchte ich sie stellvertretend für alle ehrenamtlich Beschäftigten in der Leonhardstraße 38 näher vorstellen.

Tessa kam erst vor kurzem von Deutschland nach Österreich. Noch bevor ihr Leben in Graz geregelt laufen konnte, hatte sie sich für diese Arbeit hier angemeldet. Wenn ich sie als Ladenmaskottchen so beobachte, fällt mir auf, dass sie mit unglaublicher Liebe Dinge sortiert. Egal, ob sie Farbe zu Farbe legt, den Schmuck nach Ketten, Anhänger oder Style hängt oder Zettel mit Größen anbringt, damit die Kunden und Spender schneller etwas finden, es passiert in eigener Manier und Handschrift. Sie selber sagt von sich. „Ich wollte nicht reden, ich wollte tun. Ich möchte verändern, meinen Beitrag für eine gesunde Welt leisten, anstatt in Angst zu verfallen.“

„One man´s junk ist another man´s treasure“ – hängt gut sichtbar als Spruch, wenn man zur Türe hereinkommt an der Wand hinter dem Tresen. Tessa meint, genauso erging es ihr, wenn sie sich im Laden, durch etwas, das jemand anderer weggegeben hat, eine Freude bereitete. Das war auch für mich gut zu beobachten, wenn jemand etwas ersteht und er benötigt es tatsächlich, bemerkt man dies durch eine großzügige Spende, die auch Tessa immer leistete. Wird aber wahllos ins Einkaufskörberl gesteckt, was grad da ist, werden ein paar Cent gespendet. Das war eine interessante Beobachtung.

Unsere Ehrenamtlichen verbringen viel Zeit hier und leisten Unglaubliches. Ware, die kontrolliert und danach verräumt wird. Nicht jede Warenabgabe ist verwendbar, sie wird aussortiert nach dem, was genäht werden muss, gewaschen wird oder tatsächlich beispielsweise zum Giftmüll gehört sortiert. Große Lieferungen an Büchern, werden an die offenen Bücherregale verteilt. Im Gegensatz zu mir, ich bin ja ein gut genährter Bär mit Bäuchlein, sind unsere ehrenamtlichen Damen alle schlank und zart, aber pro Einsatz tragen sie unglaublich viel Gewicht, damit der Laden so gemütlich und fein für die Kunden geöffnet werden kann.

Tessa sagt weiters, für sie als neu Dazugekommene bedeutet es auch Kontakte zu haben und das macht richtig Spaß.

Ja neben schöner Ware finden sie bei uns Menschen, die ihr Herz und ihre ganz speziellen Fähigkeiten unentgeltlich einbringen, um einfach für Sie/Dich dazu sein.

Ich bin dankbar – euer Eisbär

Woche 8

Liebe Leser*innen,  

Keine Schneeflocke in der Lawine fühlt sich verantwortlich.“ Stanislaw Jerzy Lec

Ich bin schon ein wenig entsetzt über mich, dass ich eine dieser Schneeflocken wahrscheinlich in vielen Dingen noch bin. Aber ich musste zur Kenntnis nehmen, dass ich in einigen Bereichen der Nachhaltigkeit – in diesem Leben – meinen Beitrag nicht leisten werde können. Ich habe auch verstanden, dass ich das nicht muss, denn es gibt andere Schneeflocken, die sich ebenfalls aus der Lawine lösen und Verantwortung übernehmen.

Daher gebe ich dort, wo es mir leicht bis mittelschwer fällt, mein Bestes für ein Stückchen Erde, auf dem ich selbst sehr gerne lebe. Mein Bestreben ist es, meine Nachkommen nicht mit Mangel fortwährend zu belasten, sondern mit der Fülle, die uns ein natürliches Leben auch bietet ohne Raubbau zu treiben.

Natürlich bringt mich dieser Gedanke in Gärten, Bauernmärkte, Erdbeerfelder, in Apfelbäume und unter die Erde zu Spargel und auch zur Kartoffel sowie Mais.

Zutaten für 4 Personen: Paprika-Mais-Suppe mit Petersilienöl

Aus einem alten Billa Kochrezeptheft habe ich dieses Rezept – nachhaltig für das Auge und den Gaumen.

1 kg gelbe Paprika
1 gelber Zwiebel
2 Knoblauchzehen
285 g Mais (Dose)
2 Thymianstängel
1 l Gemüsesuppe
2 Lorbeerblätter
2 Handvoll Petersilie
2 Jungzwiebeln
100ml Obers
1TL scharfes Paprikapulver
Salz, schwarzer Pfeffer

Gutes Gelingen! Falls Kinder in eurem Haushalt sind, könnt ihr als Einlage auch Popcorn servieren.
Wenn ihr mögt, könnt ihr mich in der Auslage vom Nachhaltig in Graz Laden in der Leonhardstraße sehen. Ich würde mich freuen, euch ein Lächeln zu entlocken.

Ich freue mich – euer Eisbär

Woche 7

Liebe Alle,

ich bin heute völlig aus dem Häuschen. Insgesamt bin ich jetzt 4 Monate schon in diesem Laden und darf mir heute ein grünes Leibchen drüberziehen.

Denn ihr müsst wissen, in der Leonhardstraße 38, kann man vor dem Laden nur zum Ausladen parken und da ich ja den ganzen Tag im Laden bin, musste ich mir eine Variante einfallen lassen, die auch zur mir passt. Um zu Fuß zu gehen war der Weg zu weit. Mein alte Disziplin im Schwimmen hat mir da auch nicht weitergeholfen. Öffentliche Verkehrsmittel – in Zeiten von Corona – wollte ich nur im Notfall benützen. Was übrig blieb? Genau, das Fahrrad!

Stellt euch bitte folgendes Szenario vor. Ich weiß, ich schau auf dem Bild etwas jünger aus, als ich bin. Eben in die Jahre gekommen hat sich ganz langsam ein Bewegungsunmut eingeschlichen. Zuerst ist mir das gar nicht aufgefallen, auch nicht, dass meine Ernährung längst schon weit ab von nachhaltigem Essen ist. Aufgrund von Zeitmangel war ich nicht mehr so oft am Markt um regionales und saisonales Essen zu kaufen. Allein mit diesem Einkauf und natürlich auch Verzehr auf einem der Bauermärkte bewirkt schon unglaublich viel. Wir bekommen frische Ware, weil das Angebotene aktuell wächst. Durch die bunte Gemüsevielfalt, tritt auch das Fleischangebot in ein vertretbares Maß an unsere Geschmacksnerven, was schließlich bedeutet, keine Überfischung der Meere, weniger Co2 Ausstoß, bessere Bedingungen für die Tierhaltung. Gesünder für den menschlichen Organismus. Ich habe nämlich gelesen, dass Ernährung, die auf pflanzenbetonter Mischkost basiert, Herz- Kreislauf stärkt und auch das Gehirn fit hält. Zur Vorsorge habe ich jetzt sehr viele Nüsse gegessen, ich darf aber einen Tipp weitergeben: Von Nichts zu viel! Zu viele Nüsse legen zu und machen auch nicht gescheiter!

Aber heute will ich gar nicht so auf die Ernährung hinweisen, viel mehr darauf, dass ich ebenso unbemerkt, wie ich ein kleiner Faulbär wurde, mich durch meine täglichen Radfahrten, zu einem zumindest im Geist aktiven und „durchlüfteten“ Bären entwickelt habe.

Natürlich hat mir dabei geholfen, dass ich keine andere Möglichkeit hatte. An grauen, kalten Tagen, wenn man sich gerne nochmals unter der kuscheligen Decke umdreht, hat die frische Luft eine unglaublich beflügelnde Wirkung. Man sieht die Wolken ziehen, man riecht gute frische Luft (den Weg mit der guten Luft findet man bestimmt, wenn man mehrere ausprobiert), hört früh morgens die ersten Vögel zwitschern und fühlt das Morgentau auf der Haut. Nicht toll?!? War mir anfangs auch suspekt, aber als ich nicht mehr mit meiner Kondition zu kämpfen hatte und das dauerte weit weniger lang, als man sich das vorstellt, kam richtiger Genuss auf. Der Geist wird frei und neue Ideen entstehen. Natürlich wird es Menschen geben, die sich hier ganz und gar nicht angesprochen fühlen, was ich zum Ausdruck bringen möchte, jede Bewegung, die wir mehr ausführen ist ein Gewinn. Bestimmt gibt es viele Menschen, die sich aus Gründen leider nicht mehr bewegen können. Ihr Beitrag wird eben anders geleistet.

Wenn wir diese Zusammenhänge erkennen, macht es nicht nur ein gutes Gefühl, sondern es ist auch ein wertvoller Beitrag für ein hoffnungsvolles Leben auf unserem Planeten für uns und unsere Nachkommen.

Demzufolge zieh ich mir heute ein grünes Leiberl über. 😊

Ich freue mich – euer Eisbär

Woche 6

Hallo ihr lieben Leser*innen,

schwupps und vorbei ist das Jahr 2021 und ich hoffe ihr seid sanft im 2022er gelandet!

Vor Weihnachten war bei uns im Laden viel los. Menschen, die wunderschöne Sachen abgegeben haben, ganz bestimmt mit dem Gedanken, jemandem noch eine Freude zu bereiten. Unter anderem kam EIN Pullover für ZWEI (mit zwei Rundhalsausschnitten), Babybekleidung, Essen, Schi, Geschirr und warme Kleidung. Es war berührend für uns und wir schicken diesen Menschen, stellvertretend für all jene mit nachhaltigen Gedanken, alles Liebe und möge auch so viel Gutes für sie geschehen!

Besonders gefreut haben uns auch jene Kunden, die uns gezeigt haben, wie froh sie sind, dass das Geschäft wieder geöffnet ist und kleine Veränderungen wahrgenommen haben.

Ja, ich sage euch, vom Nachhaltigkeitsgedanken war Weihnachten nicht einfach für mich. Einerseits sehe ich im Laden, wie viele Menschen uns in diesem Gedanken unterstützen. Sie bringen Kerzenstumpen, aus welchen dann in Schulen neue Kerzen gegossen werden, wir sammeln die Schlüsselanhänger, aus welchen Taschenschnallen gefertigt werden, Stoffe werden für Bienenwachstücher verwendet und der Christbaum vor dem ich zu Weihnachten stand, hatte ganz normale Kerzen. Er war wunderschön, aber immer wieder musste ich an den Artikel über „Nachhaltige Kerzen, gibt es sie wirklich?“, nachzulesen auf dieser Website, der auch vielen Lesern gefallen hat, denken. Die Essenz, mit Bienenwachskerzen sind wir auf der sicheren Seite. Auch der Christbaum ist kein lebender. So gesehen, müsste ich wohl ein bisschen von meinem Fell hergeben, weil ich aber daran arbeite, ehrlich grün zu  werden, war ich auf andere Weise nachhaltig.

Zum einen habe ich meine Geschenke nicht verpackt und um den Schenkwahnsinn ein Ende zu bereiten hat eines meiner Familienmitglieder mitgedacht und schon vor 2 Jahren das Wichteln eingeführt. Alle haben sich an diese Vorgabe gehalten. Na bitte, dann würde ich diesmal kein Grün abgeben, aber auch nichts hinzufügen, weil meine Nachhaltigkeit nicht besonders rühmlich war.

Ich komme aber immer wieder zu dem Schluss, dass auch kleine Gedanken eine große Wirkung haben.

Die kleinen Pausen im Laden, sei es durch Corona oder Weihnachten, haben gezeigt, wie wichtig Geben und Nehmen sind. Die Ehrenamtlichen im Laden haben die Zeit genützt und haben geräumt, geputzt und gestaltet, Menschen, die zu verschenken hatten, nahmen sich auch in dieser doch – für uns alle neuartigen Zeit – die Muse ihre Kästen zu leeren und viel Schönes in unseren Laden zu bringen. Genauso wichtig war es, dass die Spender immer wieder auf die Plattform oder beim Geschäft vorbeigeschaut haben, wie unsere Öffnungszeiten sind. Dieses Miteinander macht einfach ein gutes und hoffnungsvolles Gefühl.

Bis zum nächsten Mal, euer Eisbär

Woche 5

Hallo ihr Lieben,

heute möchte ich mich gaaaaanz herzlich bei euch bedanken, weil ihr mir den Einstieg in die Geschichtenreihe so liebevoll gestaltet habt. Ich habe gar nicht mit den Likes gerechnet und eure Kommentare haben mir ein bisschen an Nervosität genommen. Vielen Dank allen Leser*innen, ich wünsche euch heute einen besonders schönen Tag!

Wir haben ja unseren Laden mit Lockdown Ende wieder geöffnet und gleich mit einem kleinen, aber feinen Vintagemarkt indoor gestartet.

Es war uns eine große Freude, in bekannte, aber auch neue Gesichter zu schauen und zu sehen, wie sie Gewünschtes im weihnachtlich geschmückten Laden fanden. Wer sich auch schon sein Glück für 2022 sichern will, kann das ebenfalls tun und aus dem großen Glücksbringersortiment die angenehmen Bilder des kommenden Jahres aufsteigen lassen und mit seinem ganz eigenen Glücksschwein, Rauchfangkehrer, Kleeblatt oder Fliegenpilz zu manifestieren.

Dass Glück für jeden ganz bestimmt etwas anderes ist, wird mir hier bei der Arbeit bewusst. Es gibt Tage, die mich speziell jetzt am Anfang sehr betroffen machen. Zum Beispiel durch einen geflochtenen Korb, mit unterschiedlichem Gebäck abgelaufenen Datums gefüllt. Darunter auch weißes mit Zusatzstoffen versehenes in Cellophan verpacktes Weißbrot.  Im Kühlschrank zwei Karfiolrosen, die olfaktorisch schon dringend zum Verzehr raten. Das Essen war rasch weg und ich betroffen. Erst durch Gespräche, lerne ich, dass es nicht ausschließlich Armut ist, warum der Kühlschrank geöffnet wird. Da greifen auch junge Menschen hinein, die wissen, dass ein Ablaufdatum nicht unbedingt mit verdorbener Ware einhergeht. Im Internet kann man lesen, dass Österreichische Haushalte bis zu 157.000 Tonnen an angebrochenen und original verpackten Lebensmitteln wegwerfen, obwohl diese bei rechtzeitigem Konsum genießbar gewesen wären.

Ich bin fassungslos und muss wieder einmal über mich nachdenken, denn ich bin diesbezüglich ein sehr verwöhnter Bär, der nur die Tatze ausfahren musste und mit ein bisschen Geschick, den besten Fisch für mein Essen gefangen hatte. Auch als ich nach Österreich kam, hatte ich es in meiner neuen Familie gut. Sie kauften regionale Zutaten und achteten darauf, dass nichts weggeworfen wird. Wie ihr schon wisst, bin ich ja auch durch die Umsichtigkeit meiner Förderer hier im Laden gelandet und habe nun die wirklich für mich sehr besondere Aufgabe ein Maskottchen zu sein. Das ist ein Glück für mich. Euch als Leser*innen zu haben ist noch einmal ein Glück.

In unserer Auslage findest du einen aus grünen Büchern „gezimmerten“ Christbaum, darunter das Buch von Dr. med. Eckart von Hirschhausen „Glück kommt selten allein“.

„Jeder ist seines Glückes Schmied. Und so sieht es auch aus: reichlich behämmert. Beim Zimmern unseres Glücks hauen wir uns oft genug mit dem Hammer auf den Daumen. Und vergessen dann, darüber zu lachen. Erfüllung und Zufriedenheit sind keine Frage des Schicksals, sondern die Summe der täglichen Gedanken und Handlungen. Glück ist machbar“.

Viel Glück!

Euer Eisbär

Woche 4

Hallo ihr Lieben,

Erich Kästner: „Es gibt nichts Gutes. Außer man tut es“.  Ich habe euch am Anfang geschrieben, dass mich dieses Zitat bildlich abgeholt hat.

Zuerst möchte ich erwähnen, dass Erich Kästner dieses Zitat genauso gemeint hat. Es gibt nichts Gutes. Punkt. Außer man tut es. Punkt.

Wenn wir jetzt unsere Krisen aufzählen, kommt schon einiges zusammen, allen voran Covid 19 mit all seinen Auswirkungen, mehrmaliger Regierungswechsel in der Politik, Obdachlosigkeit, Armut, Einsamkeit ….. bis hin zum Klimawandel.

Man könnte sagen, es gibt nichts Gutes. Und doch gibt es das! Dass diese Aussage stimmt, kann jeder für sich überprüfen.

Ganz egal, ob es die tagtäglich mit Masken ausgestatteten Menschen sind, die sich in Teststraßen anstellen und damit einen großartigen Beitrag zur Virusbekämpfung liefern.

Dass es in Zeiten wie diesen überhaupt noch Politiker gibt, die sich für dieses Amt zur Verfügung stellen. Großartig, jedem einzelnen, egal welcher Partei sei gedankt. Am Beispiel Familie lässt sich gut feststellen, wie schwierig es ab und an ist, diesen kleinen Kern zusammen zu halten. Auf ein ganzes Land bezogen, ist es möglicherweise um ein Vielfaches schwieriger jeden abzuholen.

Männer und Frauen, die bei kalten Temperaturen auf der Parkbank am Friedhof sitzen und Hauch aufsteigt, wenn sie einen schönen Tag wünschen.

Dass es doch immer wieder Menschen gibt, die wissen, was anderen fehlt, sei es Essen, Gewand, Spenden oder einfach nur ein Ohr, das sie anderen leihen, um Wärme zu schenken, wenn jemand allein, nicht nur durch die Krise, sondern auch durch die Familienfeiertage und die Abstandsregeln kommen muss.

Viele Menschen haben es sich zur Aufgabe gemacht, weniger Müll zu produzieren, Energie zielgerichteter einzusetzen, weniger Fleisch zu konsumieren, die Bienen zu schützen, einfach achtsamer mit sich selbst und anderen umzugehen.

Für mich als Eisbär sind das schon Großartigkeiten, denn bei uns gibt es so ein Zusammenleben in der Form gar nicht. Bei uns sind Mutter und Kinder auf sich alleine gestellt, weil nach der Paarung das Männchen gleich wieder seiner Wege geht. Ja, auch wir haben mit dem Klima zu kämpfen, die arktische Eisschicht hat sich in den letzten 30 Jahren um acht Prozent zurückgezogen. Ich bin auf Eis angewiesen, dadurch es immer wärmer wird, verlängert sich die eisfreie Zeit und es kommt schon vor, dass wir Hunger leiden müssen, dann natürlich öfter krank sind und meine Art dann immer weniger wird.

Dazu kommt, dass wir auch in unserer Pflanzenwelt – wie ihr auch – Probleme mit der Borkenkäferplage bekamen. 25 Millionen Bäume waren seit 1989 befallen, allein auf der Halbinsel Kenai an der Südküste Alaskas.

Nun aber zurück in die Leonhardstraße 38 und „Außer man tut es“. Tatsächlich trifft man hier, oft auch mehrmals am Tag Menschen, die saisonal passende, gebrauchte, aber trotzdem gute Ware abgeben. Menschen, denen die Arbeit der Mitarbeiter*innen gefällt und spenden oder einfach nur an der Tür, die kurz zum Lüften offensteht, vorbeigehen und sagen: „Oh ich freue mich, wenn Sie wieder aufsperren, ich vermisse sie alle schon!“

Mir scheint, ihr und ich haben doch so einiges gemeinsam, allen voran unser dickes Fell 😊

Bärige Grüße

Euer Eisbär

P.S. Bei uns im Laden gibt es eine ehrenamtliche junge Frau, die „Begleitende Maßnahmen zum Klimawandel“ studiert hat und sie meinte, dass ich durchaus ein bisschen grüner werden kann, da ich hier eine Säule von Nachhaltigkeit doch ein wenig abdecke, nämlich die soziale. Die beiden anderen Säulen sind Ökonomie und Ökologie.

Woche 3

Hallo ihr Lieben,

ich wollte euch ja berichten, wie ich Black Friday gelöst habe. Ehrlich gestanden, gar nicht, denn es kam der Lockdown dazwischen. Natürlich war ich dann im Gewissenskonflikt, online zu kaufen. Ihr wisst ja, meine Fellbürste und ein paar Geburtstagsgeschenke, bei Weihnachten bin ich noch gar nicht. Um es kurz zu machen, grüner bin ich in dieser Woche leider nicht geworden.  Ich habe ein Kochbuch „Österreich vegetarisch“ online als Geburtstagsgeschenk bei Morowa bestellt. Morowa, damit ich wenigstens beim Bestellen in Österreich bleibe. Natürlich habe ich auch die verlockenden Angebote der Onlineshops gesehen. 2 Paar Sneakers zum Preis von einem Paar, minus 20 % …

Wie aus dem Nichts, flogen beim Gustieren der Onlineplattformen Bilder in meinen Kopf.

Mein zweiter Tag im Nachhaltigkeitsladen und jemand öffnet die Kühlschranktüre und sucht nach Essbarem, aufgereihte Behältnisse mit Spenden von gebrauchten Kleidern, Hosen und Schuhen. Ein sehr klammes Gefühl durchfährt meinen Körper.

Ich betrachte die Sachen und bemerke eine bestimmte Hemmschwelle, die gebrauchten Gewänder zu berühren. Ich gehe eine Runde, auch eine zweite und nehme wahr, wie liebevoll diese Ständer und Behältnisse gefüllt sind. Ein junges Mädchen betritt das Geschäft und sucht nach Häferln und Teller. Sie ist Studentin, kommt aus einem anderen Bundesland und wählt in freudiger Manier ihr Geschirr für Frühstück und Abendessen aus. Mit einem freundlichen Lächeln im Gesicht erklärt sie, dass wenn sie wieder auszieht, sie die Sachen wieder bringt und somit ein gutes Gefühl hat, einen nachhaltigen Beitrag geleistet zu haben. Sie wirft einen Geldschein in den Spendentopf und geht. Ganz langsam wird mir die großartige Idee hinter diesen Räumlichkeiten in der Leonhardstraße 38 bewusst. Es geht tatsächlich darum, Abfall zu vermeiden, Gutes solange im Umlauf zu belassen, wie die Lebensdauer eines Produktes es zulässt. Achtsamer mit unserem Besitz umzugehen, weil wir einem anderen auch noch eine Freude damit bereiten wollen, Kinder so früh zu sensibilisieren, dass sie sich von Spielzeug für einen guten Zweck trennen und vielleicht selbst auch etwas im Laden finden, das ihnen richtig Freude bereitet.

Ich greife in eine Box mit Tüchern und versuche Energie zu spüren. Mir stellt es nicht das Fell auf, ich bemerke nur mit meinem Verstand, ob es ein Lieblingstuch von jemanden war oder nicht, weil meine Augen sehen, ob es mehrmals gebraucht wurde oder nicht. Mir fallen natürlich auch Beas Worte ein, die zu bedenken gibt, jedes Mal, wenn wir auf Reisen gehen, schlafen wir ja auch in gebrauchter (und hoffentlich gewaschener) Bettwäsche. Ich reise zwar nicht viel, aber ja, daran denke ich.

Ich brauche eine Zeit, bis ich verstehe, dass wenn wir achtsam sind, uns das holen, was wir wirklich brauchen ist die Energie immer eine gute. Im Nachhaltigkeitsladen von Nachhaltig in Graz gibt es viele abgegebene Sachen mit ganz viel guter Energie. So könnt ihr euch vorstellen, dass ich bis jetzt online noch nichts gekauft habe, außer dem Geburtstagskochbuch. Ob ich im letzten Augenblick wieder was anstelle oder nicht, weiß ich jetzt selber noch nicht.

Ich schicke euch heute liebe Grüße und bin einfach nur froh, dass es euch Leser*innen gibt!

Euer Eisbär

Woche 2

Guten Morgen, Ihr Lieben

Heute bin ich schon ganz früh aufgestanden, weil ich euch gerne mitteilen möchte, dass ich in dieser Woche mein Fell schon ein bisschen grüner machen konnte und ich gestehe, dass ich zuerst nicht wusste wie das überhaupt gehen soll….

Natürlich war es für mich als Eisbär nicht so einfach, mich hier im Laden und der Thematik die Umwelt zu schützen einzudenken. Fern ab meiner Heimat, waren meine Artgenossen irritiert und überlegten , was ich hier gedenke zu tun. Glücklicherweise habe ich aber sofort verstanden, dass es nur die Reaktionen meines Umfeldes waren, die mich anfänglich betroffen gemacht haben und nicht meine neue Aufgabe ein grüner Bär zu werden. Trotzdem hat ein bisschen Image in mir getobt, denn ich hatte Gegenüber, die schon fragten, was ich dort wolle, etwa ein veganer Eisbär werden? Ich habe mir also schon die W-Fragen gestellt, was, warum, wieso, was genau, wie komme ich da wieder raus? Aber woraus genau? Und so habe ich einfach getan, was zu tun war.

Ganz zufällig kam mir dann auf der App „Nachhaltig in Graz“ – Beas Sohn hat diese bedienerfreundlich und übersichtlich gestaltet – der Artikel unter, dass in Graz die gelben Seiten verschickt werden. Ein Grazer hat ein Jahr lang, diese Prospekte gesammelt und stellte fest, dass der Stoß Papiermüll 60 kg wog und 1.20m hoch war. Ganz betroffen über mich selbst, weil ich Prospekte liebe – ich erfahre Angebote, neueste Trends und überhaupt, was in diesen Breiten hipp ist – wurde ich sehr nachdenklich. Sofort nahm ich das Pickerl „Bitte nur adressiertes Werbematerial“ vom Laden kostenlos mit und klebte es schweren Herzens auf mein Postkasterl, so heißt das hier. Schon in dieser Woche bin ich nicht nur stolz auf mich, ich bin auch überglücklich, denn es fällt mir auf, um wieviel weniger Papier ich zum Müll tragen muss.

Na, wenn das nicht ein Schritt in die richtige Richtung ist, weiß ich auch nicht. Deshalb ist heute meine Fußsohle grün. Vielleicht denkt ihr, dass das übertrieben ist? Natürlich ist das noch kein ökologischer Fußabdruck, aber für mich der große Anfang, Spaß an Nachhaltigkeit zu finden mit einem guten Gefühl einen wertvollen Beitrag geleistet zu haben.

Ihr werdet lachen, diesmal überlege ich mir an Black Friday, das ist auch etwas Neues für mich, nur Notwendiges einzukaufen. Zum Beispiel brauche ich eine Fellbürste, die bekomme ich auf den regionalen Märkten nicht. Und ganz ehrlich, mein Ziel wäre es, am Freitag gar nicht einkaufen zu gehen, denn die Bürste bekomme ich an anderen Tagen auch und außerdem kaufe ich dann soviel mehr, als ich überhaupt brauche.

Weiters hat dies auch den Vorteil, möglicherweise Corona aus dem Weg zu gehen. Wir im Laden haben natürlich auch gesperrt.

Und da habe ich auch noch so einen kritischen Freund, der macht mich darauf aufmerksam zu überlegen, dass ich doch eine Qualitätsbürste beim Bürstenbinder kaufen soll.

Ob ich das schaffe, werde ich euch berichten!

Ich freue mich auf dich, dein Eisbär

Der Beginn, Woche 1

Hallo, ich bin´s, das Nachhaltigkeitsmaskottchen!

Du kennst mich nicht? Das macht nichts, ich habe bis jetzt auch nicht so richtig über mich Bescheid gewusst. Aber jetzt bin ich voll da und erzähle dir, wie vielfältig Nachhaltigkeit ist. Ich lade dich recht herzlich ein, mich wöchentlich auf meinem Weg nach der Frage um den schwierigen Begriff „Nachhaltigkeit“ zu ergründen, zu begleiten.

Wie du jetzt sehen kannst, schlägt mein Herz schon ein bisschen in die richtige Richtung, auch in meinem Kopf habe ich den einen oder anderen Geistesblitz, um unsere Mutter Erde zu schützen. Ich habe mir jetzt vorgenommen selbst nachhaltig zu leben und mein Ziel ist es, am Ende in ein grünes Fell eingebettet zu sein. Damit ich selbst und auch du – wenn es dich interessiert – meine Fortschritte erkennen kannst, werde ich mit jeder sinnvollen Tat ein bisschen grüner.
Besonders gemein ist es, wenn ich Rückschritte mache, dann kann ich mein Grün auch wieder verlieren.

Wie du sehen kannst, bin ich ein ganz normales Maskottchen. Ein bisschen blink-blink, bodenständig, manchmal ein bisschen ausufernd. Im Herzen möchte ich, wie du ja auch, mein Bestes geben! Pffft, wie geht denn das? Keine Ahnung?!? Egal, lass uns beginnen!

Natürlich war ich nicht immer das Maskottchen von diesem Laden. Ich war sogar weit entfernt davon. Was ich aber hatte, war eine Förderin. Diese sagte: „Weißt du, ich unterstütze dich, aber es gibt da noch etwas, das du sehen solltest. In der Leonhardstraße 38 ist ein Nachhaltigkeitsladen, schau ihn dir an!“. Das tat ich. Schon beim Betreten dieses Ladens, spürte ich Heimeligkeit. Damit ich aber in das Geschäft kommen konnte, musste ich mich in einer Warteschlange anstellen. Weil ich ja ein Maskottchen bin, haben mich die Leute, die hier standen, entweder gar nicht wahrgenommen oder stark mit ihrem Blick in eine Ordnung zu bringen versucht. Und da war ich nun. In einem Laden mit ca. 30 m², bestückt mit allerlei Küchenartikel, Büchern, Schmuck, Damen- und Herrengewand, ganz viel Babybekleidung und Spielzeug.

Stell dir vor, dann betrat eine Frau das Geschäft und identifizierte die Besitzerin des Ladens auch als „Bär“. So zumindest habe ich es gehört und fühlte mich unter Bären sofort wohl. Später werde ich dann allerdings erfahren, dass es Abkürzungen für Namen gibt und die Initiatorin des Ladens Beatrix, also Bea („Bär“) heißt.  Sie hat auch mich gefunden! 🙂

Wenn du wissen möchtest, wie ich vom Raubtier zum zahmen Beschützer im Kleinen werde, dann freue ich mich, wenn wir uns nächste Woche wieder auf dieser Seite treffen. Ich verspreche dir, es wird nicht immer um mich allein gehen, du wirst Kochrezepte, Ideen, Übungen und andere Leute kennenlernen. Du kannst mit uns philosophieren, plaudern und nachdenken.

Kannst in den Laden kommen und dich selbst davon überzeugen, dass die Geschichten, die du hier lesen wirst Realität sind. Vielleicht besuchst du auch einen unserer Workshops oder einen unserer Vintagemärkte, die sobald die Sonne hervorlugt, immer wieder stattfinden. Wir würden uns freuen!

Wie das Zitat von Erich Kästner  „Es gibt nichts Gutes. Außer man tut es“ für mich sehr bildhaft wurde, erfährst du in einer meiner nächsten Maskottchengeschichten.

Dein Eisbär – falls du für mich einen Namen findest, würde ich mich sehr freuen.

Autorin: Eveline Markart

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