Viertelmeisterschaften 2017 im Andräviertel – Bericht

Eine geniale Aktion startete das „StadtLABOR“ und das Umweltamt Graz mit der „Viertelmeisterschaft“ : Sie wollen sogenannte „Abfallexperten“ ausbilden und verlosen als Anreiz zum Mitmachen tolle Preise. Anmelden kann man sich unter der eigenen Webseite (http://www.viertelmeisterschaft.at). Die Meisterschaft startet  am 6. April 2017 mit einer Abfall-Tour durch das Andrä-Viertel.  Insgesamt wird es drei bzw vier Veranstaltungen geben, an denen man teilnehmen kann, um spielerisch etwas über Abfallvermeidung zu lernen. Zusätzlich kann man Bonuspunkte durch verschiedene Aktivitäten sammeln – weitere Infos dazu auf der Webseite. Hast du Interesse? Ein Einstieg ist jederzeit möglich. fb: https://www.facebook.com/viertelmeisterschaft/?fref=ts

Termine (Detail-Text siehe auch unseren Terminkalender):

06.04.2017: Eine Abfall-Tour durch das Andrä-Viertel – 100 Punkte
22.04.2017: Der steirische Frühjahrsputz für das Andrä-Viertel – 50 Punkte
18.05.2017: Abfall-Info-Nachmittag – 50 Punkte
30.05.2017: Vom Reden ins Tun kommen – Think & Do-Tank – 100 Punkte
21.09.2017: Exkursion: Recycling-Zentrum der Stadt Graz und Müllex GmbH
23.09.2017: Repair Café, Spektral Graz, Lendkai 45, 8020 Graz
12.10.2017: Abfall-Schnitzeljagd & SiegerInnen-Ehrung – 100 Punkte


Teil 1 – 6.4.2017: „Abfall-Tour durchs Andrä-Viertel“


Der erste Teil der „Viertelmeisterschaften“ des Andräviertels im Büro der Nachbarschaften ging am 6.4.2017 unter dem Motto „Abfall-Tour durchs Andrä-Viertel – dem Plastiksackerl auf der Spur“ über die Bühne. Rund 20 Personen nahmen daran teil und sollen nun an mehreren Tagen so einiges über Müllvermeidung erfahren. Dabei können Punkte für die Teilnahme und durchgeführte Aktionen erworben und auch tolle Preise gewonnen werden. Bei entsprechender Gesamtpunktezahl aller Teilnehmer gibt es sogar ein Lastenrad für das Andrä-Viertel!

Nach einführenden Worten von Barbara Hammerl vom StadtLabor, Tina Wirnsberger – Umweltstadträtin, und Alexandra Loidl vom Umweltamt Graz ging es in drei Gruppen zu verschiedenen Einrichtungen in der Nähe.


Gruppe A: Heidenspass, Sewa und Elvan-Markt
Gruppe B: Billa Annenstraße, das Gramm
Gruppe C: Mangolds, Istanbul Lokantasi, Akdag

In diesen Geschäften konnte mit Geschäftsführern, Filialleitern etc gesprochen werden und Informationen zum Thema Abfallvermeidung erworben werden. Im Billa erwartete uns zB auch Frau Bettina Reichl vom VPZ Verpackungszentrum Graz, die die relativ neuen Bio-Netze für Zitronen, Zwiebel, Kartoffeln für Billa vorstellte. Diese Netze sind aus Cellulosefasern und können im Unterschied zu den herkömmlichen Plastiknetzen verrotten. Da in Graz allerdings derzeit noch landwirtschaftlich und nicht industriell kompostiert wird, sollen auch diese Netze nicht in die Biotonne, sondern in den Plastikmüll entsorgt werden (auf den eigenen Gartenkompost schon möglich).


Der nächste Stop führte unsere Gruppe ins Gramm und zu Sarah Reindl. Sie erzählte uns, wie das System bei ihnen im Geschäft funktioniert (Gläser, Papiersäcke …), wie die meisten KundInnen einkaufen und wie viel Müll noch tatsächlich bei ihnen anfällt.

Zurück im Büro der Nachbarschaften gab es noch einen Informationsaustausch. Für mich erschütternd war die Information, dass AKDAG an die 2.000 Plastiksackerl pro Tag ausgibt und dass die Kunden für das Sackerl nichts zahlen wollen. Mögliche Lösungsansätze für das Problem wurden andiskutiert.


Abschließend wurde gemeinsam mit Andrä-BewohnerInnen von Mangolds gerettetes Essen, das sonst weggeschmissen hätte werden müssen, verspeist.

Es hat mir sehr gut gefallen. Obwohl ich denke, dass ich schon viel über die Thematik weiß, ist dieser Zugang doch wieder ein anderer, bereichender. Außerdem empfinde ich es immer wieder als sehr motivierend zu sehen, dass auch andere interessiert sind und etwas tun, etwas ändern wollen. Sollte das Projekt positiv angenommen werden, ist eine Ausdehnung auf andere Stadtviertel geplant.

Ein Einstieg in die Viertelmeisterschaften ist auch jetzt noch möglich und gewünscht und sehr empfehlenswert! Die nächsten Termine, weitere Informationen und die Anmeldung finden sich hier: http://www.viertelmeisterschaft.at/


Teil 2 – 22.4.2017: „Frühjahrsputz im Andräviertel“


Ab 10 Uhr ging es am 22.4.2017 rund um das Büro der Nachbarschaften zum gemeinsamen Frühjahrsputz. Bewaffnet mit pinkfarbenem Sack und Handschuhen ging es in die Parks und Straßen der Umgebung. Viele Kinder halfen mit Feuereifer mit und es entwickelte sich durchaus ein sportlicher Ehrgeiz.

 


Neben unzähligen Zigarettenstummeln (ein wahres Problem!), Kaugummis und anderem Kleinmüll fanden sich mitunter auch große Teile, die einfach auf der Straße entsorgt wurden, wie zB eine Waschmaschine oder Fahrradteile.

 

 

 

 


Zurück im Büro der Nachbarschaften gab es als Belohnung einen kräftigenden, liebevoll arrangierten Brunch und am Nachmittag dann Veranstaltungen wie zB Upcycling-Workshops (mit Tetra-Packs und Aludosen) und weitere Kinderprogramme im Andrä-Park.

 

 

 

 


Teil 3 – 18.5.2017: „Abfall-Info-Nachmittag“


©Viertelmeisterschaften

Dieses Mal gab es eine umfassende Aufklärung vom Grazer Umweltamt (Mag. Kathrin Münzer und DI Verena Köngishofer) zum Thema Abfalltrennung, -entsorgung, Recycling, Reuse und Reduce in der Stadt Graz. Folgende interessante Fakten kurz zusammengefasst:

  1. Mülltrennung ist keine freiwillige Sache, jeder ist verpflichtet, den Müll richtig zu trennen!
  2. Die Müllgebühren, die wir bezahlen, decken nicht nur die Abholung unseres eigenen Mülls, sondern auch die Reinigung z.B. von öffentlichen Plätzen
  3. 170 kg Restmüll pro Einwohner in Graz
  4. Mehr als die Hälfte der Grazer Abfälle werden verwertet

 


 

Altpapier – rote Tonne:

  • Papier kann man circa 7x recyclen
  • Nicht zum Altpapier dürfen:
    • Papiertaschentücher, -servietten, Küchenrolle (nicht wegen der Verschmutzung, sondern weil diese sehr kleine Fasern haben, die nicht recycelbar sind, sind sehr dünn; gebrauchtes Küchenpapier kann in den Biomüll, Servietten und Papiertaschentücher kommen in den Restmüll
    • schmutziges Papier, zB fettige Pizzakartons
  • Papierfabrik Frohnleiten, Mayr-Melnhof

Leichtverpackungen – gelbe Tonne:

  • Plastiksackerl
  • Tetra Pack
  • Holzverpackungen
  • Nicht in die gelbe Tonne dürfen: Spielsachen, Baumaterial, Blumentöpfe
  • wird teilweise stofflich verwertet (Autoteile, Gießkannen, Schuhabsätze, …), teilweise thermisch verwertet (verbrannt, zB Zementfabriken)

Metallverpackungen – blaue Tonne:

  • Nur für Verpackungen (!) aus Metall
  • Dosen
  • Metalldeckel
  • Nicht in die blaue Tonne dürfen: Nägel, Werkzeug, Gegenstände aus Metall
  • Wohin kommt die Chipstüte? Hier sind zwei Stoffe verbunden, nämlich Plastik und Aluminium, ist eine Leichtverpackung und kommt in Graz in die gelbe Tonne.
  • Aluminium-Erzeugung:
    • Rohstoff für Aluminium, Bauxit (einzige Gesteinsform, die Aluminium in hoher Konzentration beinhaltet) liegt unter dem Regenwald (vaWestafrika, Norden Brasiliens. Indien)
    • Regenwald wird abgeholzt
    • Aluminium-Gewinnung ist sehr energieaufwendig
    • Rotschlamm bleibt übrig, dieser ist sehr giftig (Qucksilber, Blei, …), ist stark ätzend
    • Rotschlamm-Katastrophe in Ungarn (2010)
    • Österreich hat keine Rotschlamm-Deponie
    • Aluminiumbarren
  • Aluminium-Recycling:
    • quasi unendlich oft recycling-fähig
    • dabei wird nur 5% der Energiegewinnung der Primärproduktion benötigt
  • Filmtipp: Die Akte Aluminium

Altglas – Tonne:

  • Nicht hinein dürfen, weil sie einen anderen Schmelzpunkt haben:
    • Trinkgläser
    • Fensterglas, Vasen
    • Glühbirnen
  • Schmelzofen, 1.600 Grad
  • kann unendlich oft recycelt werden
  • ins Weißglas darf nur das ganz durchsichtige Glas, Flaschen und Gläser mit einem leichten Färbung dürfen schon nicht ins Weißglas, sondern müssen ins Buntglas
  • braucht aber viel Energie (allerdings weniger als bei Aluminium)
  • Mehrweggläser und -flaschen: können 20 bis 40 x benützt werden
  • jede recycelte Glasverpackung spart so viel Strom, wie zB ein PC in 25 Minuten verbraucht

Biomüll mit vielen Störstoffen

Biomüll – braune Tonne:

  • Störstoffe (Sackerl) im Biomüll sind großes Problem, müssen mühsam entfernt werden
  • Auch Bioplastik-Sackerl stören und müssen wieder entfernt werden (diese gehören in den Restmüll, auch im Plastikrecycling stören sie, weil sie verkleben)
  • Kompostierung in Graz ist eine landwirtschaftliche (eine Biogasanlage bzw. industrielle Kompostierung kann schneller kompostieren)

 

 

Störstoffe noch immer deutlich erkennbar

 

Restmüll – schwarze Tonne:

  • Spielzeug, Knochen, Asche
  • NICHT: E-Geräte, Kabeln, Bauschutt, Batterien, …
  • Restmüll kommt zur Holding in die Sturzgasse:
    • dort wird Metallisches rausgefiltert
    • Wirbelstrom
    • zerkleinert – verwertet

Sperrmüll:

  • ist das, was nicht in den Restmüll passt
  • zur Sturzgasse bringen

© Viertelmeisterschaften

Altkleider:

  • Caritas, Vinzishops, Verschenkläden, nur zuletzt: Altkleidercontainer

ProblemstoffeGiftmüllexpress:

  • Speiseöl => Biosprit
  • Altöl => Schmierstoffe
  • Medikamente => verbrennen
  • Elektro-Geräte (enthalten gefährliche Substanzen)

 

 

 

 


Teil 4 – 30.5.2017: „Vom Reden ins Tun kommen – Think & Do-Tank“

Mit Innolab wurden Ideen zur Abfallvermeidung entwickelt und zu Papier gebracht. Über jeden Bereich, wo wir Müll einsparen könnten, mussten wir uns Gedanken machen und Lösungswege suchen.

 

 

 

 

 

 



 

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