Wonderful world


Krisenstimmen: In dieser Rubrik ist Platz für eine andere Art der Annäherung an die Klimakrise, die Klimakatastrophe, den Klimakollaps. Keine wissenschaftlichen Artikel, keine Energiespartipps – hier wird der Frage nachgegangen, wie es uns eigentlich mit der Krisenstimmung geht. Und das in Form von Texten, die einmal eher erzählerisch, einmal eher nachdenklich oder ganz poetisch daherkommen können. Immer auf der Suche nach dem, was zwischen den Zeilen steht. Heute wieder ein Text von Leonie:

Bei What a wonderful world muss ich jetzt immer weinen, würde ich gern sagen, aber so emotional bin ich nicht. Ich denke mir vielmehr, ich sollte weinen müssen, wenn sie What a wonderful world im Radio spielen, einen Klassiker, tausendfach gecovert, und nicht wegen des schlechten Covers sollte ich weinen, sondern weil ich einfach nicht mehr weiß, wie wonderful sie ist, diese world. Ich weiß, der Sommer wird Besserung bringen, Weißwein und Oliven und Badetage und Sonnenuntergänge, aber ich weiß auch, meine Vorfrühlingsnüchternheit ist die realistische Sicht der Dinge, nicht saisonal übertüncht von leichteren Gefühlen.


Ich lese wieder einen Artikel über den bevorstehenden, den bereits mehr als drohenden, den ziemlich sicher schon eingeleiteten Zusammenbruch der AMOC und ich weiß nicht, wie irgendetwas noch Sinn haben soll. Wahrscheinlich hat nichts jemals irgendeinen Sinn gehabt, also nicht diesen berühmten, übergeordneten Sinn des Lebens. Aber in unseren kleinen einzelnen und miteinander verbundenen Leben, da hatten die Dinge einen Sinn. Da hatte es einen Sinn, sich die Hörner abzustoßen, nach dem Deckel für den Topf zu suchen, ein Nest zu bauen, Nachkommen in die Welt zu setzen.
Jetzt habe ich das Gefühl, nicht mehr streben zu dürfen. Den Sinn allenfalls im Hier und Jetzt, in der Verbundenheit mit anderen suchen zu müssen, in einem Ausharren und Aushalten und Lindern. Und das fällt mir schwer. Weil rund um mich die Leben weiterrollen. Weil auch mein Leben weiterrollt. Weil ich eigentlich gar nicht anecken wollte.

Ich gestehe es, auch meine Vorfrühlingsnüchternheit ist nicht ganz glasklar. Ich sauge jeden Hauch von positiver Nachricht auf. Ich atme die Abendluft ein, sie riecht nach wonderful world. Ich lese meinem Kind vor, vom Winter und vom Sommer, vom Frühling und vom Herbst, von einer Welt, auf die es neugierig sein darf. Ich will mich nicht lösen von meinen Träumen. Ich will mir das Wünschen erlauben. Auch wenn ich nicht weiß, ob ich mir wünschen darf, dass meine Wünsche in Erfüllung gehen.

Text und Foto: Leonie Groihofer


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