Neue Geschichten im Kollaps
Das Dark Mountain Project ist ein Kultur- und Denkprojekt, das sich mit der ökologischen und gesellschaftlichen Krise unserer Zeit beschäftigt. Es bringt Autor*innen, Künstler*innen und andere Stimmen zusammen, die sich fragen, wie wir leben, erzählen und Sinn finden können, wenn die Vorstellung von ständigem Wachstum und Fortschritt zerbricht.
Wenn die alten Gewissheiten brüchig werden
Wer sich mit Klimakrise und Kollaps beschäftigt, stößt früher oder später nicht nur auf steigende Emissionen, Kipppunkte und Extremwetter, sondern auch auf eine tiefere Frage: Welche Kultur hat diese Welt eigentlich hervorgebracht? Das Dark Mountain Project antwortet darauf nicht mit politischen Slogans oder grünen Optimismusformeln, will die Krise nicht beschönigen.
Seit 2009 versammelt das Projekt Schreibende, Künstler:innen und Denkende, die den ökologischen, sozialen und kulturellen Zerfall der Gegenwart ernst nehmen wollen. Ausgangspunkt war das Manifest „Uncivilisation“, aus dem ein Netzwerk mit Publikationen, Festivals und Veranstaltungen entstand.
Den vollen Text des Manifests findet man hier.
Das Ende des Fortschrittsmythos
Im Zentrum von Dark Mountain steht die Kritik an den großen Erzählungen der Moderne. Das Projekt hinterfragt die Vorstellung, dass Geschichte automatisch auf Verbesserung hinauslaufe, dass technischer Fortschritt uns rettet und dass die Menschheit das Recht oder die Fähigkeit habe, die Erde dauerhaft zu beherrschen.
Gerade im Kontext des Zivilisationskollaps ist diese Perspektive bemerkenswert. Denn viele Debatten über die Klimakrise bleiben innerhalb derselben Denklogik gefangen, die das Problem hervorgebracht hat: mehr Steuerung, mehr Technik, mehr Wachstum – diesmal eben in grün (Green Deal), Photovoltaik, E-Auto etc
Dark Mountain geht einen anderen Weg. Das Projekt fragt nicht zuerst, wie wir die vertraute Ordnung bewahren können, sondern welche Geschichten enden, wenn die vertraute Ordnung brüchig wird.
Kunst im Angesicht des Zerfalls
Dark Mountain versteht sich nicht in erster Linie als Kampagnenplattform, sondern als kultureller Raum. Kunst, Essays, Erzählungen und Gespräche sollen dort helfen, das zu benennen, was in der offiziellen Öffentlichkeit oft ausgeblendet wird: Verlust, Trauer, Desillusionierung, Angst und die Erfahrung, dass die Zukunft nicht mehr selbstverständlich als Verbesserung erscheint.
Gerade das macht das Projekt für viele Menschen interessant, die sich mit Kollapsbewusstsein beschäftigen. Es bietet keine beruhigenden Durchhalteparolen, sondern Sprache für eine Zeit, in der vertraute Sicherheiten verschwinden.
Warum das heute relevant ist
Das Dark Mountain Project ist deshalb so aktuell, weil die ökologische Krise immer deutlicher als Systemkrise erscheint. Dürren, Hitze, Artensterben, Energieabhängigkeit, fragile Lieferketten und politische Überforderung verweisen nicht nur auf Umweltprobleme, sondern auf die Verletzlichkeit einer hochkomplexen Zivilisation.
Wer von Zivilisationskollaps spricht, verschiebt also den Fokus: weg von der Frage, wie sich die Maschine reparieren lässt, hin zu der Frage, welche Lebensformen, Beziehungen und Geschichten nach dem Ende der alten Gewissheiten tragfähig sein könnten. Genau an dieser Stelle berührt Dark Mountain den Nerv unserer Zeit.
Kritik und Einordnung
Kritiker*innen werfen dem Projekt vor, zu pessimistisch zu sein oder sich zu weit vom politischen Handeln zu entfernen. Diese Kritik ist nachvollziehbar, weil Dark Mountain keine konkrete Strategie für Emissionsreduktion, Parteipolitik oder Klimakampagnen liefert.
Und doch liegt gerade darin seine Eigenart. Das Projekt will weniger mobilisieren als ent-täuschen – im wörtlichen Sinn: Es will die Täuschungen der industriellen Moderne sichtbar machen und einen ehrlicheren Blick auf Zerfall, Begrenzung und Endlichkeit ermöglichen.
Lies hier weiter:
Quellen:
- https://dark-mountain.net/about/manifesto/
- https://dark-mountain.net/author/paul-kingsnorth/
- https://dark-mountain.net/about/origins/
- https://en.wikipedia.org/wiki/Uncivilization_(manifesto)
- https://rkvssr.nl/2016/09/11/the-manifesto-the-dark-mountain-project/
- https://www.bridge47.org/resources/12/2018/dark-mountain-project
- https://theanarchistlibrary.org/library/paul-kingsnorth-dougald-hine-the-dark-mountain-manifesto
- https://www.youtube.com/watch?v=C7Lxso_Svbw
- Voller Text des Manifests: https://archive.org/stream/uncivilisation-dark-mountain-manifesto/uncivilisation-dark-mountain-manifesto_djvu.txt
- https://thisfragiletent.com/2013/12/19/the-dark-mountain-project/
- https://readingandwalking.ca/2019/07/01/71-paul-kingsnorth-and-dougald-hine-uncivilisation-the-dark-mountain-manifesto/
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