…in Zeiten des Kollaps. Oder fünfmal Angst und einmal Zuversicht, die zum Menschsein sowieso dazugehören?
Die Angst, die meisten meiner bisherigen Freuden wären nicht echt gewesen. Wären irgendwie hohl, korrumpiert von der Welt, aus der sie kommen, und in der so vieles falsch läuft.
Schwimmen in Bergseen. Mannerschnitten essen. Diese eine durchtanzte Nacht in Kroatien. Das elektrisierende Gefühl, dass jedes Wort in einem Text sitzt. Das Buch so spannend, dass man es mit aufs Klo nehmen muss. Enthusiasmus, als der Abspann über den Bildschirm läuft. Sonntagsfrühstück. Dein Flaumhaar an meinen Lippen. Finde die Fehler?
Die Angst davor, Leid zu sehen, und zu wissen, es hätte vermieden werden können.
Vor dem fehlenden
Medikament
Wasser
Protein
Stück Brot.
Die Angst, ich könnte mein Leben an seinem Ende als gescheitert betrachten.
Weil ich Kinder bekommen habe. Weil ich keine Kinder bekommen habe. Weil ich nicht mutig genug war. Weil ich auf Kosten anderer gelebt habe. Weil ich weder Gemüsebäuerin geworden bin noch Philosophin. Weil ich nicht nach Lesbos gefahren bin, nach Lampedusa. Weil ich zu wenig genossen habe. Weil ich probiert habe, versucht habe, und mir das zu oft gereicht hat.
Die Angst vor dem Gefühl des Unwiederbringlichen, des Nichtwiedergutzumachenden, des Ausweglosen.
Vor der Panik im Traum, wenn die Tür hinter mir zugeht, mich für immer aussperrt.
Die Angst davor, etwas versäumt zu haben.
Keinen Gedanken je wirklich zu Ende gedacht, kein Gefühl wirklich zu Ende gefühlt zu haben.
Die Zuversicht, dass die Dinge niemals schwarz-weiß sind. Dass es immer Nuancen gibt, Zwischentöne, Zwischendenzeilen. Dass wir nicht aufhören, Menschen zu sein. Dass ich Schönes hervorbringen kann.
Dass es mehr gar nicht braucht.

Krisenstimmen: In dieser Rubrik ist Platz für eine andere Art der Annäherung an die Klimakrise, die Klimakatastrophe, den Klimakollaps. Keine wissenschaftlichen Artikel, keine Energiespartipps – hier wird der Frage nachgegangen, wie es uns eigentlich mit der Krisenstimmung geht. Und das in Form von Texten, die einmal eher erzählerisch, einmal eher nachdenklich oder ganz poetisch daherkommen können. Immer auf der Suche nach dem, was zwischen den Zeilen steht.
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