Regionalwährungen

Wie lokales Geld Krisenfestigkeit, regionale Wirtschaft und Gemeinschaft stärkt

Ob Energiekrise, Inflation, Lieferengpässe oder das schleichende Ausbluten von Innenstädten: Viele Menschen spüren, wie abhängig ihr Alltag von globalen Märkten geworden ist. Regionalwährungen setzen genau hier an, weil sie Kaufkraft gezielt in einer Region halten und lokale Unternehmen, Produzentinnen und Produzenten und gemeinnützige Einrichtungen stärken sollen. Sie sind vor allem dort interessant, wo Regionen widerstandsfähiger, sozialer und wirtschaftlich unabhängiger werden wollen.

Was sind Regionalwährungen?

Regionalwährungen sind ergänzende Zahlungsmittel, die nur in einem begrenzten geografischen Raum genutzt werden können. Sie ersetzen den Euro nicht, sondern funktionieren als Komplementärwährung oder Gutschein-System, das regionale Wirtschaftskreisläufe fördern soll.

Die Grundidee ist einfach: Wer Regionalgeld verwendet, kann dieses nur bei teilnehmenden Betrieben in der jeweiligen Region ausgeben. Dadurch bleibt ein größerer Teil der Kaufkraft vor Ort, statt über große Ketten, Onlineplattformen oder externe Lieferstrukturen aus der Region abzufließen.

Wie funktionieren sie?

In vielen Modellen wird Regionalgeld im Verhältnis 1:1 gegen Euro getauscht. Das Besondere ist, dass dieses Geld oft nur regional akzeptiert wird und teilweise mit Mechanismen wie Ablaufdatum oder Rücktauschgebühr arbeitet, damit es rasch wieder ausgegeben wird, statt gehortet zu werden.

Ein bekanntes Beispiel ist der Chiemgauer, auf dessen Idee sich auch der STYRRION bezieht. Beim STYRRION können Interessierte ihre Euros 1:1 in die Regionalwährung tauschen, bei der Nutzung eine begünstigte Institution auswählen und beim Rücktausch fällt ein Abschlag von 5 Prozent an, von denen 3 Prozent an eine gemeinnützige Institution und 2 Prozent an den Trägerverein gehen.

Beispiele für regionale Währungen

Im deutschsprachigen Raum gehört der Chiemgauer zu den bekanntesten Regionalwährungen. Er wird in einem Netzwerk aus regionalen Betrieben genutzt und gilt als wichtiges Praxisbeispiel dafür, wie lokale Kaufkraftbindung und Unterstützung gemeinnütziger Strukturen kombiniert werden können.

Auch in Österreich gibt es verschiedene lokale und regionale Währungsinitiativen. Für die Steiermark besonders relevant ist der STYRRION, der laut eigener Darstellung seit 20 Jahren als Regionalwährung zur Stärkung regionaler Strukturen eingesetzt wird und sein bevorzugtes Einsatzgebiet in der sogenannten „Steirischen Bucht“ hat, also im Gebiet südlich der Mur-Mürz-Furche.

Das Wunder von Wörgl

Das „Wunder von Wörgl“ gilt als bekanntes historisches Beispiel für eine lokale Krisenwährung. In der Tiroler Gemeinde Wörgl wurde 1932 während der Weltwirtschaftskrise ein Regionalgeld eingeführt, das schnell im Umlauf bleiben sollte und dadurch lokale Investitionen sowie die Wirtschaft vor Ort belebte, bevor das Experiment 1933 beendet wurde. Mehr dazu hier.

Vorteile von Regionalwährungen

Regionalwährungen können lokale Unternehmen stärken, weil das Geld nicht beliebig aus der Region abfließt. Wenn Kundinnen und Kunden mit Regionalgeld zahlen, steigt der Anreiz für Betriebe, wiederum regionale Lieferanten und Dienstleistungen zu nutzen.

Ein weiterer Vorteil ist die Förderung regionaler Wertschöpfungsketten. Solche Systeme können Kooperationen zwischen Produzent*innen, Handel, Gastronomie, Handwerk und Dienstleistungsbetrieben sichtbarer machen und damit die wirtschaftliche Resilienz einer Region erhöhen.

Hinzu kommt oft ein sozialer oder gemeinnütziger Effekt. Beim STYRRION wird zB ein Teil des Rücktauschabschlags für begünstigte Institutionen verwendet, wodurch kulturelle, soziale oder Bildungsinitiativen indirekt mitfinanziert werden.

Aus ökologischer Sicht können Regionalwährungen ebenfalls interessant sein. Wenn sie regionale Beschaffung und kürzere Lieferwege fördern, unterstützen sie tendenziell eine Wirtschaftsweise mit geringeren Transportdistanzen und stärkerem Bezug zu lokalen Ressourcen.

Nachteile und Grenzen

Regionalwährungen sind kein Wundermittel. Ihr größtes Problem ist oft die begrenzte Reichweite: Sie funktionieren nur dann gut, wenn genügend Betriebe und Kund*innen mitmachen und wenn in der Region tatsächlich ein vielfältiges Angebot vorhanden ist.

Dazu kommt der organisatorische Aufwand. Ausgabe, Verwaltung, Kommunikation, Akzeptanzstellen und laufende Netzwerkpflege brauchen Engagement, Vertrauen und oft ehrenamtliche oder institutionelle Unterstützung.

Auch für Nutzerinnen und Nutzer kann es Hürden geben. Wer Regionalgeld verwendet, verzichtet auf maximale Flexibilität, weil das Geld nur in einem bestimmten Netzwerk einsetzbar ist; beim STYRRION kommt hinzu, dass beim Rücktausch in Euro ein Abschlag von 5 Prozent vorgesehen ist.

Warum Regionalwährungen in Krisen wichtig sind

Gerade in Krisenzeiten wird sichtbar, wie verletzlich globalisierte Wirtschaftsstrukturen sind. Wenn Lieferketten unterbrochen werden, Konsumausgaben in internationale Konzerne abwandern oder Regionen wirtschaftlich unter Druck geraten, gewinnen lokale Kreisläufe an Bedeutung. Regionalwährungen können diese Kreisläufe gezielt stärken, weil sie Nachfrage an regionale Anbieter binden.

Sie sind damit weniger ein Ersatz für das bestehende Geldsystem als ein Resilienz-Werkzeug. Ihr Wert liegt vor allem darin, Beziehungen in der Region zu verdichten: zwischen Kund*innen, Betrieben, Produzent*innen und gemeinnützigen Initiativen.

Für eine Krisenperspektive ist besonders relevant, dass Regionalwährungen regionale Sichtbarkeit schaffen. Sie machen bewusst, welche Güter, Fähigkeiten und Dienstleistungen bereits vor Ort vorhanden sind – und wo regionale Versorgungslücken bestehen.

Informier dich gerne hier weiter:

Quellen:

  • https://www.triodos.de/artikel/2017/warum-regionalwaehrungen-eine-gute-sache-sind
  • https://gemeindebund.at/regionalwaehrungen-welches-geld-ausser-dem-euro-in-oesterreich-noch-im-umlauf-ist/
  • https://de.wikipedia.org/wiki/Regionalw%C3%A4hrung
  • https://arge-ja.at/regionalwaehrungen.html
  • https://www.youtube.com/watch?v=k1KhUnX4bdI
  • https://www.michael-zorn.at/zum-nachlesen-hoeren/geld-zum-wohle-aller-teil-7-regionalwaehrungen-und-wie-sie-uns-dienen-koennen/
  • https://styrrion.at/idee/
  • https://www.imzuwi.org/index.php/site-map/articles/108-aktuelles/themen/regionale-resilienz/204-regiogeld
  • https://www.handelsblatt.com/audio/today/handelsblatt-today-alternative-zum-euro-wie-regionalwaehrungen-der-wirtschaft-helfen/27681650.html

!! Anmerkungen der Nachhaltig-in-Graz-Redaktion !!

Bleib mit unserem Newsletter informiert – er kommt unregelmäßig und nicht zu oft!

Gib hier Deine E-Mail Adresse ein, um per E-Mail über neue Beiträge auf Nachhaltig in Graz informiert zu werden.
(Double Opt In gemäß EU-DSGVO)
Loading


Folge uns gerne auf Instagram oder lade unsere kostenlose App Nachhaltig in Graz herunter.

Deine Spende wirkt – und ist von der Steuer absetzbar:

Du willst und kannst unser Tun auch finanziell unterstützen? Danke – uns hilft jeder Beitrag, um unsere Website in dieser Qualität und Fülle weiterführen zu können! Deine Spende ist von der Steuer absetzbar, wenn du uns deinen vollen Namen (laut Meldezettel) und dein Geburtsdatum bekannt gibst.

Verein „Nachhaltig in Graz“
BIC: STSPAT2GXXX
IBAN: AT20 2081 5000 4200 1552
Verwendungszweck: Spende/Name laut Meldezettel/Geburtsdatum

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert