Seit es den Homo sapiens gibt, waren die CO2-Werte in der Atmosphäre noch nie so hoch wie heute.
Der Mensch entwickelte sich in einer Atmosphäre mit etwa 280–300 ppm CO₂. Aktuell stehen wir aufgrund der massiven Verbrennung fossiler Energien bereits bei rund 425 ppm – höher als jemals zuvor in der Geschichte unserer Spezies. Eine neue Studie zeigt Veränderungen in menschlichen Blutwerten, die mit dem steigenden CO2 in der Atmosphäre zusammenfallen. Noch ist unklar, wie groß die gesundheitliche Bedeutung tatsächlich ist, aber die Ergebnisse sind ein Warnsignal.
suggests a potentially toxic atmosphere within 50 yearsHerunterladen
Unser Körper & das CO2
Wir atmen ständig CO₂-haltige Luft ein. Ist der CO₂-Gehalt in der Luft überdurchschnittlich hoch, kann dies unser Blut übersäuern. Verschiedene Körperfunktionen gleichen dies aus, unter anderem die Freisetzung von Kalzium aus den Knochen, um den Säuregehalt zu senken. Verschiedene Stoffwechselprodukte verbleiben im Blut in einer Konzentration, die mit der gesamten aufgenommenen CO₂-Menge zusammenhängt.
Die Studie
Steigende Kohlendioxidwerte werden im menschlichen Körper nachgewiesen. Die Ergebnisse der Studie sind besonders relevant für Kinder und Jugendliche, deren sich entwickelnde Körper der längsten kumulativen Belastung durch steigendes atmosphärisches CO₂ ausgesetzt sein werden.
In einer in der Fachzeitschrift „Air Quality, Atmosphere and Health“ veröffentlichten Studie analysierten Forscher des Kids Research Institute Australia, der Curtin University und der Australian National University (ANU) über zwei Jahrzehnte an Bevölkerungsdaten aus den USA und stellten stetige Veränderungen in der Blutchemie fest, die eng mit dem Anstieg des atmosphärischen CO₂ korrelieren. Anhand von Daten der US-amerikanischen National Health and Nutrition Examination Survey (NHANES) untersuchte das Team Blutwerte von rund 7.000 Personen alle zwei Jahre zwischen 1999 und 2020.
Die Analyse der durchschnittlichen HCO3−-Blutwerte in einer großen Bevölkerungsgruppe zeigt einen Anstieg zwischen 2000 und 2020, während Kalzium und Phosphor im gleichen Zeitraum abnahmen. Der Anstieg des durchschnittlichen HCO3−-Blutwertes (ca. 0,34 % pro Jahr) ist vergleichbar mit dem Anstieg des atmosphärischen CO2-Gehalts (ca. 0,5 % pro Jahr). Dieser Trend deutet auf einen möglichen kausalen Zusammenhang zwischen dem CO2-Gehalt der Umgebungsluft und dem systemischen Bicarbonatspiegel hin – ein Befund, der weiterer Forschung bedarf.
Bicarbonat-Anstieg um 7 Prozent
Bicarbonat (HCO3) spielt eine zentrale Rolle bei der Aufrechterhaltung des Säure-Basen-Gleichgewichts im Körper. Steigt der CO₂-Gehalt, speichert der Körper mehr Bicarbonat, um den pH-Wert des Blutes zu stabilisieren. Langfristig kann diese anhaltende Kompensation jedoch physiologische Folgen haben.
Der durchschnittliche Serum-Bicarbonatspiegel HCO3 – ein Marker, der eng mit dem Kohlendioxidgehalt im Körper zusammenhängt – ist seit 1999 um etwa sieben Prozent gestiegen. Im gleichen Zeitraum sind die durchschnittlichen Kalzium- und Phosphorwerte gesunken. Diese Veränderungen spiegeln den Anstieg des atmosphärischen CO₂ wider, der von etwa 369 ppm im Jahr 2000 auf über 420 ppm heute angestiegen ist.

Laut dem Studienautor, außerordentlicher Professor Alexander Larcombe, deuten die Ergebnisse darauf hin, dass der menschliche Körper möglicherweise bereits versucht, die Veränderungen der Atmosphäre auszugleichen. „Wir beobachten eine allmähliche Veränderung der Blutzusammensetzung, die den Anstieg des atmosphärischen Kohlendioxids widerspiegelt, der den Klimawandel antreibt“, so Larcombe.
Der Trend: Spätestens 2075 wird es für alle ungesund
„Wenn sich die aktuellen Trends (Anmerkung der Redaktion: des weiteren CO2-Anstiegs) fortsetzen, deuten Modellrechnungen darauf hin, dass die durchschnittlichen Bicarbonatwerte innerhalb von 50 Jahren die obere Grenze des heute als gesund geltenden Bereichs erreichen könnten“, sagt Prof. Larcombe.
Rückgang von Kalzium um 2% und Phosphor um 7%
„Auch die Kalzium- und Phosphorwerte könnten noch im Laufe dieses Jahrhunderts die untere Grenze ihrer gesunden Bereiche erreichen.“
Kalzium
Kalzium ist für die Aufrechterhaltung der allgemeinen Gesundheit unerlässlich. Ein Mangel kann nahezu jedes Organ oder Organsystem beeinträchtigen. So ist Kalzium beispielsweise für die Muskelkontraktion, die Aktivierung der Eizellen, den Aufbau starker Knochen und Zähne, die Blutgerinnung, die Nervenimpulsübertragung, die Regulierung des Herzschlags und des Flüssigkeitshaushalts in den Zellen essenziell. Der Bedarf ist in Wachstumsphasen wie der Kindheit am höchsten. Ein niedriger Kalziumspiegel im Blut verursacht Symptome wie Muskelkrämpfe, Lethargie, Taubheitsgefühl und Kribbeln in den Fingern sowie Herzrhythmusstörungen.
Phosphor
Auch Phosphor spielt im Körper zahlreiche wichtige Rollen. Dazu gehören unter anderem zelluläre Stoffwechselprozesse wie der Energiestoffwechsel und die Proteinphosphorylierung. Diese Mechanismen steuern viele zelluläre Funktionen, darunter Stoffwechsel, Wachstum und Muskelkontraktion.

Der Mitautor der Studie, Dr. Phil Bierwirth, ein pensionierter Umweltgeowissenschaftler und Mitglied der ANU Emeritus Faculty, sagte, die Studie beweise zwar keinen direkten Kausalzusammenhang, die konsistenten, populationsweiten Trends seien jedoch kaum zu ignorieren.
„Ich denke, das, was wir beobachten, liegt daran, dass sich unser Körper nicht anpasst“, sagte Dr. Bierwirth. „Offenbar sind wir an einen CO₂-Gehalt in der Luft angepasst, der nun möglicherweise überschritten wurde. Der normale Bereich erhält ein empfindliches Gleichgewicht zwischen der CO₂-Konzentration in der Luft, unserem Blut-pH-Wert, unserer Atemfrequenz und dem Bicarbonatspiegel im Blut aufrecht. Da der CO₂-Gehalt in der Luft derzeit höher ist als je zuvor, scheint er sich in unserem Körper anzureichern. Möglicherweise können wir uns nie vollständig anpassen, sodass es von entscheidender Bedeutung ist, den CO₂-Gehalt in der Atmosphäre zu begrenzen.“
Nicht nur ein Umweltproblem, sondern ein Gesundheitsproblem – für alle, aber vor allem für Kinder und junge Menschen
Die Forscher sagen, die Ergebnisse wiesen auf eine neue Dimension des Klimarisikos hin, die über Hitzewellen, Extremwetterereignisse und den Anstieg des Meeresspiegels hinausgeht. Die neue Forschung erweitert die Klimadebatte um eine wichtige Ebene: Steigendes CO2 könnte nicht nur das Erdsystem destabilisieren, sondern langfristig auch unseren Körper belasten.
„Wir sagen nicht, dass die Menschen plötzlich krank werden, sobald ein bestimmter Schwellenwert überschritten wird“, sagte er. Es deutet darauf hin, dass es auf Bevölkerungsebene zu allmählichen physiologischen Veränderungen kommen könnte, die wir im Rahmen zukünftiger Klimapolitik beobachten sollten.“
Die Studie fordert, neben traditionellen Klimaindikatoren auch die Zusammensetzung der Atmosphäre und Biomarker der Bevölkerung zu erfassen, um besser zu verstehen, wie sich allmähliche Umweltveränderungen über Jahrzehnte auf die menschliche Biologie auswirken können.
Die Reduzierung der CO₂-Emissionen ist weiterhin entscheidend für die Begrenzung der globalen Erwärmung. Die Ergebnisse der Forscher legen nahe, dass Emissionsreduktion auch für den langfristigen Schutz der menschlichen Gesundheit wichtig sein könnte und dass die potenziellen physiologischen Auswirkungen steigender CO₂-Konzentrationen in zukünftige klimapolitische Diskussionen einfließen sollten. Dies ist besonders wichtig für Kinder, da sie der längsten kumulativen Belastung ausgesetzt sein werden. Deshalb ist es unerlässlich, diesen Bereich weiter zu erforschen.
Quellen:
- 26.02.2026: Larcombe, A.N. & Bierwirth, P.N.: Carbon dioxide overload, detected in human blood, suggests a potentially toxic atmosphere within 50 years. Eine im menschlichen Blut nachgewiesene Kohlendioxidüberladung deutet auf eine potenziell toxische Atmosphäre innerhalb von 50 Jahren hin. https://link.springer.com/article/10.1007/s11869-026-01918-5
- 04.03.2026: Pressemitteilung: https://www.thekids.org.au/news–events/news-and-events-nav/2026/march/rising-C02-levels-detected-in-human-blood/
- https://www.umweltbundesamt.de/daten/umweltzustand-trends/klima/atmosphaerische-treibhausgas-konzentrationen
- https://www.bild.de/leben-wissen/medizin/diese-blutwerte-koennten-bald-kritische-grenzen-erreichen-69f1e6daf67bc0851593e800
- 19.03.2026: Carbon dioxide levels are higher than humans have ever experienced. It could be changing our blood chemistry. https://edition.cnn.com/2026/03/19/climate/carbon-dioxide-blood-chemistry-public-health-climate-change
- 05.03.2026: Rising CO2 levels are changing our blood chemistry. https://theweek.com/environment/rising-co2-levels-human-blood-climate-change
- 11.03.2026: Rising CO₂ levels are reflected in human blood. Scientists don’t know what it means. https://theconversation.com/rising-co-levels-are-reflected-in-human-blood-scientists-dont-know-what-it-means-277833
- https://www.reddit.com/r/science/comments/1rhcpfi/carbon_dioxide_overload_detected_in_human_blood/
- https://www.simply-onno.com/was-ist/hco3-blut-bedeutung
- https://www.transmetra.ch/images/transmetra_pdf/datenlogger_funksysteme/co2-physiologische_wirkung_auf_menschen.pdf
- https://www.oeigv.at/PDFs/EIGA-IGV-SI24-11-D.pdf
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