When disaster becomes the new normal
Bis zum 8. März 2026 lohnt sich ein Ausflug nach Wien auch kulturell. Die Ausstellung „Normale Katastrophe“ von Julius von Bismarck im KunstHausWien ist ein wuchtiger, manchmal verstörender Blick darauf, wie wir Menschen Natur wahrnehmen – und wie sehr sich diese „Normalität“ in Zeiten der Klimakrise verschiebt.
Worum es in „Normale Katastrophe“ geht
Julius von Bismarck arbeitet mit Feuer, Wasser, Blitzen und Landschaften und macht daraus große, bildstarke Installationen, Videos, Skulpturen und Fotografien. Er interessiert sich weniger für Erklärungen als für Erfahrungen: Wie fühlt es sich an, mitten in Naturgewalten zu stehen – als Mensch, der diese Kräfte gleichzeitig bewundert, kontrollieren will und massiv stört. Die Ausstellung zeigt Arbeiten der letzten fünfzehn Jahre und neue Fotoarbeiten, in denen sich eine Lebenswelt spiegelt, die der Mensch immer stärker verändert.
Der Titel „Normale Katastrophe“ trifft einen Nerv: Brände, Überflutungen und Stürme wirken zunehmend wie Hintergrundrauschen – sie sind allgegenwärtig und doch schwer zu fassen. Die Ausstellung beschreibt damit einen Zustand, in dem multiple ökologische und gesellschaftliche Krisen zur neuen Normalität werden und unsere Wahrnehmung von Natur grundlegend verschieben.

Ausstellung Normale Katastrophe
Künstler: Julius von Bismarck
KunstHausWien
Untere Weißgerberstraße 13, 1030 Wien
Öffnungszeiten: täglich 10.00 bis 18.00 Uhr
E-Mail: info@kunsthauswien.com
Führungen durch die Ausstellung: Sonntag, 8.2.2026 und Sonntag 8.3.2026
Kosten: Vollpreis € 16,- (diverse Ermäßigungen möglich)
Mehr zur Ausstellung: https://www.kunsthauswien.com/de/ausstellungen/julius_von_bismarck_normale_katastrophe/
Spiel mit Naturbildern
Von Bismarck nimmt die Bilder auseinander, mit denen wir aufgewachsen sind: Natur als romantische Idylle, als unerschöpfliche Ressource oder als strafende, quasi göttliche Instanz. Diese vertrauten Vorstellungen tauchen in der Ausstellung auf – um im nächsten Moment irritiert, gebrochen oder ins Gegenteil verkehrt zu werden.
Statt klassische Naturdarstellungen zu liefern, schafft der Künstler neue, ungewohnte Bilder, die gleichzeitig schön und verstörend wirken. Gerade diese Spannung macht spürbar, wie sehr unser Naturverständnis kulturell geprägt ist und wie trügerisch der Blick auf die „schöne Landschaft“ sein kann.
Feuer, Wasser und menschliche Hybris
Ein roter Faden der Ausstellung ist die Auseinandersetzung mit den Elementen Feuer und Wasser in einer vom Menschen geformten Umwelt. Brände, Blitzschläge oder Sturmwellen erscheinen hier nicht als reine Naturgewalt, sondern als Kräfte, mit denen wir in einem riskanten Verhältnis stehen – zwischen Beherrschung, Ausbeutung und Verlust der Kontrolle.
Von Bismarcks Arbeiten kreisen um menschliche Hybris, Verantwortung und Handlungsmacht. Sie stellen unausgesprochen die Frage: Wenn Katastrophe „normal“ wird, welche Rolle spielen wir dabei – und was heißt das für unser Handeln?
Der „brennende“ Hof: Wahrnehmung unter Stress
Für den begrünten Innenhof des KunstHausWien hat Julius von Bismarck eine ortsspezifische Intervention entwickelt, die den Kern der Ausstellung sehr anschaulich macht. Rotierende LED-Leuchten lassen es so aussehen, als würden einzelne Bäume brennen, ohne dass tatsächlich Feuer im Spiel ist.
Dieses Spiel mit Licht erzeugt einen irritierenden Zwiespalt: Der erste Reflex sagt „Alarm“, der zweite Blick erkennt eine inszenierte, technisch erzeugte Illusion. Genau hier setzt die Ausstellung an: Sie zeigt, wie leicht unsere Wahrnehmung manipulierbar ist und wie sehr sie von Bildern geprägt wird, die wir bereits im Kopf haben. Der Hof wird so zu einem Erfahrungsraum, in dem man spürt, wie nah Faszination und Katastrophenangst beieinander liegen.
Kunst als Erfahrungsraum in der Klimakrise
Die Ausstellung lädt dazu ein, neu hinzusehen und die Folgen unseres Tuns auf die Umwelt zu hinterfragen – nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern über starke, eindringliche Bilder. In einer Zeit, in der ökologische Krisen unseren Alltag immer stärker prägen, macht „Normale Katastrophe“ erfahrbar, wie tief diese Krisen bereits in unsere Wahrnehmung eingesickert sind – und wie notwendig es ist, die eigenen Bilder von Natur zu überdenken.
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