Klimakrise als Kollektivdilemma


Ein Kollektivdilemma bezeichnet eine Situation, in der das individuelle Interesse einzelner Akteure, etwa Staaten, Unternehmen oder Individuen, im Widerspruch zum gemeinsamen, kollektiven Interesse steht. Im Kontext der Klimakrise bedeutet das: Jeder Akteur hätte zwar kurzfristig einen Vorteil, wenn er selbst wenig oder nichts zur Lösung beiträgt, aber alle profitieren nur dann, wenn möglichst viele gemeinsam handeln und Emissionen reduzieren.

Typische Merkmale des Kollektivdilemmas in der Klimakrise

  • Gefangenendilemma: Das klassische Beispiel stammt aus der Spieltheorie. Übertragen auf den Klimawandel heißt das: Für jeden Staat wäre es am bequemsten, weiter hohe Emissionen zu verursachen, während andere sich einschränken. Würden aber alle so handeln, verschärft sich die Klimakrise für alle – und am Ende verlieren alle.
  • Trittbrettfahrerproblem: Einzelne Akteure hoffen, dass andere die Hauptlast der Emissionsreduktion übernehmen. Sie profitieren dann zwar von den positiven Effekten wie stabileren Klimabedingungen, tragen aber selbst keine Kosten – ein Verhalten, das letztlich kollektive Handlungsfähigkeit untergräbt.
  • Tragik der Allmende: Die Atmosphäre ist ein globales Kollektivgut. Wenn alle sie grenzenlos nutzen, ohne sich abzusprechen (zB durch CO₂-Ausstoß), wird sie übernutzt und letztlich zerstört. Der Nutzen Einzelner wird so zum Schaden aller.

Folgen für die internationale Klimapolitik

  • Schwierige Kooperation: Staaten zögern, ambitionierte Klimaziele zu verfolgen, solange sie befürchten, wirtschaftliche Nachteile zu haben, während andere sich nicht beteiligen. Es entsteht ein Wettlauf nach unten – das sogenannte free-rider problem in globalem Maßstab.
  • Ungleiche Betroffenheit: Nicht alle Länder sind gleich stark von den Folgen der Klimakrise betroffen. Industrienationen sind oft besser abgesichert, während ärmere Länder die gravierendsten Folgen tragen – Dürren, Überschwemmungen, Ernteausfälle –, obwohl sie historisch nur geringfügig zur Erderwärmung beigetragen haben. Das verstärkt das Gefühl globaler Ungerechtigkeit und erschwert gemeinsame Lösungen.
  • Verzögerte oder gescheiterte Abkommen: Das Kollektivdilemma erklärt, warum internationale Klimaverhandlungen wie das Pariser Abkommen oder die jährlichen UN-Klimakonferenzen (COP) oft nur langsam oder unzureichend Fortschritte erzielen. Nationale Eigeninteressen, wirtschaftliche Lobbyarbeit und kurzfristige politische Zyklen bremsen den nötigen Wandel.

Wege aus dem Dilemma

Kollektive Probleme erfordern Vertrauen aber auch institutionelle Rahmenbedingungen. Elinor Ostrom beschrieb in ihrem Buch „Die Verfassung der Allmende“ acht Prinzipien:

  1. Eindeutig definierte Grenzen: klare Regeln für Nutzung und Verantwortung
  2. Regeln, die den lokalen Gegebenheiten entsprechen: Sie werden von den Menschen vor Ort und den lokalen Umweltbedingungen bestimmt; Beteiligte haben ein Mitspracherecht.
  3. Partizipative Entscheidungsfindung: Möglichst viele Menschen werden einbezogen.
  4. Überwachung & Transparenz: Gemeinwesen leben nicht vom guten Willen allein; sie brauchen Rechenschaftspflicht, Verstöße müssen sanktioniert werden.
  5. Abgestufte Sanktionen: Ein radikaler Ausschluss von Personen, die gegen die Regeln verstoßen, erzeugt Unzufriedenheit.
  6. Konfliktlösungsmechanismen: Konflikte sollen zügig und für alle Beteiligten kostengünstig gelöst werden können.
  7. Anerkennung durch externe Behörden: Die Gemeinschaft muss als eigenständige Organisation anerkannt werden.
  8. Gemeinwesen funktionieren am besten, wenn sie in größere Netze eingebettet sind: Einige Dinge können auf lokaler Ebene verwaltet werden, andere wiederum erfordern eine umfassendere regionale Zusammenarbeit – zum Beispiel kann ein Bewässerungsnetz von einem Fluss abhängen, aus dem flussaufwärts auch andere Nutzer schöpfen.

Zusammenfassung

Das Kollektivdilemma ist ein zentrales Problem der Klimakrise: Obwohl gemeinsames Handeln notwendig wäre, verhindern Eigeninteressen vieler Akteure oft effektive Lösungen. Nur durch internationale Kooperation, faire Lastenverteilung und lokale Selbstorganisation kann das globale Kollektivgut „Atmosphäre“ geschützt werden – als gemeinsame Lebensgrundlage für alle.

Quellen:

  • https://klimabuendnis.at/wp-content/uploads/2023/08/MENSCH-MACHT-KLIMA.pdf
  • https://www.goethe.de/prj/mis/de/sch/pdl.html
  • https://medienportal.univie.ac.at/uniview/semesterfrage/klimawandel/detailansicht/artikel/die-ethische-seite-des-klimawandels/
  • https://vdw-ev.de/johann-behrens-kollektivgut-co2-reduktion/
  • https://www.praktische-philosophie.org/zfpp/article/view/500
  • 27.12.2024: https://www.lgt.com/at-de/markteinschaetzungen/insights/finanzwissen/nachhaltigkeit-kollektiv-in-angriff-nehmen-247564
  • Elinor Ostrom: „Die Verfassung der Allmende: Jenseits von Staat und Markt“, 1990
  • https://www.lgt.com/at-de/markteinschaetzungen/insights/finanzwissen/nachhaltigkeit-kollektiv-in-angriff-nehmen-247564
  • https://www.goethe.de/prj/geg/de/thm/2xx/26509782.html

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