Der „Tree of Actions“ als Landkarte für wirksames Klimahandeln
Roots of Resilience richtet sich an Menschen, die sich mit Energie, Klima, Kollaps und Resilienz beschäftigen und nach konkreten Antworten auf die Frage suchen: „Was jetzt?“ Auf der Website wird der „Tree of actions“ genau als solch ein Orientierungsinstrument präsentiert. Die Plattform ging aus dem Dokumentarfilm „Once You Know“ hervor. Der Film erzählt von der persönlichen und gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit Klimakrise, Ressourcenknappheit und möglichem Kollaps und wurde zum Ausgangspunkt für die Frage, welche konkreten Handlungen aus diesem Wissen folgen können.
Website: https://www.roots-of-resilience.net/
Im Zentrum steht eine einfache Idee: Handeln kann vielfältig sein. Laut Plattform umfasst der „Tree of actions“ mehr als 200 Wege, aktiv zu werden, und ordnet diese in 24 Themenfelder ein – von Mobilität und Wohnen über Landwirtschaft bis zu Demokratie, Konfliktkultur und emotionaler Resilienz.
Gerade darin liegt die Stärke des Projekts. Es behauptet nicht, dass es nur einen richtigen Weg gibt, sondern zeigt, dass gesellschaftliche Transformation aus vielen parallelen Handlungen entsteht – individuell, gemeinschaftlich, kulturell und politisch.
Was der Tree of Actions zeigt
Die Seite versammelt ein breites Spektrum an Aktionsformen. Genannt werden etwa Bäume pflanzen, an einem Gemeinschaftsgarten teilnehmen, den eigenen Alltag auf Fahrrad, Öffis oder Carsharing umstellen, lokale Resilienzinfrastrukturen aufbauen, Klimamärsche unterstützen oder verlässliche Klimainformationen weiterverbreiten.
Auffällig ist, dass das Projekt Handeln nicht auf Konsumentscheidungen reduziert ist. Neben individuellen Schritten finden sich auch politische, rechtliche und kollektive Ansätze wie Klimagesetze einfordern, gegen fossile Infrastruktur vorgehen, Bürger*innenversammlungen organisieren, Gemeingüter stärken oder die Finanzwelt klimaverträglicher regulieren.
Damit zeichnet der „Tree of Actions“ ein realistisches Bild von Transformation. Gesellschaftlicher Wandel entsteht nicht nur durch Verhaltensänderung im Privaten, sondern auch durch Institutionen, soziale Bewegungen, lokale Netzwerke und neue Formen demokratischer Beteiligung.

Graphic design Loïc Cimelière/Elypss
Editorial design and research Brianne Parquier, Charlotte Ogier, Emmanuel Cappellin
Die 24 Themenfelder
Die Plattform gliedert ihre Vorschläge in 24 Themen, darunter „Transforming mobility“, „Reinventing housing“, „Changing agriculture“, „Strengthening local resilience“, „Reinvesting in democracy“, „Taking legal action“ und „Preserving ecosystems“.
Everyone can find a way to act, in their own way. What’s your next step?
Diese Breite ist inhaltlich wichtig, weil sie Klimaresilienz nicht auf Technik oder CO2 verengt. Ebenso sichtbar werden Fragen von Gerechtigkeit, Konfliktfähigkeit, Kinderbildung, Kunst, Commons, innerer Stabilität und gesellschaftlicher Vorstellungskraft.
Hier sind alle 24 Handlungsfelder des „Tree of Actions“ von Roots of Resilience:
- Andere Energiequellen erschließen.
- Mobilität transformieren.
- Wohnen neu erfinden.
- Abfall in Kreisläufe bringen.
- Alle Sektoren dekarbonisieren.
- Landwirtschaft verändern.
- Lokale Resilienz stärken.
- Komplexität reflektieren.
- Kinder vorbereiten.
- Durch Kunst Bewusstsein schaffen.
- Neue Zukunftsbilder entwickeln.
- Freude in der Unsicherheit nähren.
- Sich mit dem Netz des Lebens verbinden.
- Konflikte transformieren.
- Demokratie neu beleben.
- Das demografische Tabu angehen.
- Commons neu denken.
- Ungleichheiten angehen.
- Finanzmärkte begrenzen.
- Rechtliche Schritte ergreifen.
- Öffentlichen Raum zurückerobern.
- Umweltzerstörerische Aktivitäten stoppen.
- Experimentierräume öffnen.
- Ökosysteme bewahren.
Lokale Resilienz als Schlüssel
Besonders relevant ist das Themenfeld „Stärkung der lokalen Widerstandsfähigkeit“ (Strengthening local resilience). Dort schlägt Roots of Resilience unter anderem vor, lokale Netzwerke aufzubauen, Teil der Transition-Bewegung zu werden, Dienstleistungen zu tauschen statt zu konsumieren, lokale Fair-Trade-Produkte zu kaufen, Gemeinschaftsprojekte zu unterstützen oder die Resilienz der eigenen Stadt aktiv mitzugestalten.
Außerdem nennt die Seite Maßnahmen wie Solidaritätsläden, Produzent*innenläden, die Analyse lokaler Ernährungssysteme oder die Vernetzung mit bestehenden Alternativen vor Ort. Diese Vorschläge zeigen, dass Resilienz auf lokaler Ebene sehr konkret wird: in Nachbarschaften, Ernährungsräumen, geteilten Ressourcen und sozialen Beziehungen.
Viele Ideen lassen sich auf urbane Resilienz übertragen – etwa Gemeinschaftsgärten, Tauschlogiken, lokale Lebensmittelversorgung, Reparaturangebote, solidarische Infrastruktur oder Bürger*inneninitiativen für eine klimaresiliente Stadtentwicklung.
Warum die Seite so nützlich ist
Der „Tree of Actions“ ist deshalb so hilfreich, weil er Menschen nicht mit abstrakter Katastrophensprache alleinlässt. Statt nur Risiken zu benennen, verknüpft die Plattform Klimakrise, ökologische Grenzen und gesellschaftliche Unsicherheit mit konkreten, auswählbaren Handlungsoptionen.
Zugleich macht die Seite deutlich, dass nicht jede Person dieselbe Rolle übernehmen muss. Manche Aktionen liegen im Bereich Bildung, andere in der Landwirtschaft, im Recht, in der Kunst, im Gemeinwesen, in emotionaler Selbstsorge oder im politischen Widerstand.
Wirksames Handeln wird oft leichter, wenn Menschen ihren eigenen Zugang finden. Genau dafür funktioniert der „Tree of Actions“ wie eine Landkarte – nicht als starres Programm, sondern als offenes Repertoire für eine widerstandsfähigere Zukunft.
Lies hier weiter:
- Wie geht Wandel in der Umbruchphase? – Veränderung selbst in die Hand nehmen (Initiative Kipppunkt Kollektiv)
- Skills for Crisis – Handbuch für Gemeinschaften jenseits der Kipppunkte
- Deep Adaptation
- Film: Once You Know
Quellen:
- https://www.roots-of-resilience.net/
- https://www.sustainweb.org/blogs/dec20-protect-wellbeing-winter-explore-roots-fruits-resilience/
- https://hos.ifas.ufl.edu/media/hosifasufledu/therapeutic-horticulture-activities-database/pdfs/Roots–Resiliency.pdf
- https://www.wundervoll-arnsberg.de/post/was-ist-eigentlich-resilienz-f%C3%BCnf-metaphern-die-dir-das-prinzip-der-inneren-widerstandskraft-veran
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