Digitalen Datenmüll reduzieren

Reduziere in 7 Tagen deinen digitalen Datenmüll!

Im Alltag kann man leicht beobachten wie viel Müll täglich anfällt: Nach dem Besuch im Supermarkt quillt der Plastikkübel über, die Einweggläser stapeln sich und der Bio-Mist riecht schon komisch. Auch in unserem digitalen Leben erzeugen wir Müll, und zwar nicht zu knapp. Die meisten von uns produzieren, kopieren und versenden täglich Text-, Bild- oder Videodateien, ohne sich darüber viele Gedanken zu machen. Diese unsichtbaren Datenberge erzeugen aber reale CO2-Emissionen: weltweit werden in einem Jahr rund 5,8 Millionen Tonnen CO2 durch digitalen Datenmüll erzeugt!

Noch nie von „digitalem Datenmüll“ gehört? Wir erklären euch kurz und knackig, was „digitaler Datenmüll“ ist, warum dieser CO2-Emissionen verursacht und was ihr konkret dagegen tun könnt. Um den inneren Schweinehund zu überlisten, haben wir eine einfache 7-Tage Challenge gebastelt. Sie soll euch dabei helfen, ein Gefühl für die eigenen digitalen Müllberge zu entwickeln, einen Teil davon abzutragen und Vorkehrungen zu treffen, um diese zukünftig gar nicht mehr so groß werden zu lassen. Wir wünschen euch viel Spaß und gutes Gelingen!

Was ist „digitaler Datenmüll“?

„Digitaler Datenmüll“ sind Texte, Bilder, Audio- oder Videodateien, die niemand mehr verwendet, die aber trotzdem auf lokalen Festplatten oder Cloud-Services gespeichert sind: das sind beispielsweise alte E-Mails im Postfach, unscharfe Fotos, Duplikate nicht essenzieller Dateien, veraltete Lebensläufe, längst abgegebene Seminararbeiten – die Liste lässt sich unendlich fortsetzen. Dazu kommen Programme und Apps, die du im Alltag gar nicht mehr verwendest, die aber oft im Hintergrund Updates und Backups machen. Fühlst du dich ertappt? Wir schon.

Wie verursacht „digitaler Datenmüll“ CO2-Emissionen?

Unsere digitalen Müllberge sind kaum sichtbar, sie erzeugen aber reale Emissionen. Das amerikanische Unternehmen Veritas Technologies hat ausgerechnet, dass weltweit jährlich rund 5,8 Millionen Tonnen CO2 durch digitalen Müll verursacht werden. Eine dramatische Zahl, wenn man bedenkt, dass diese Daten völlig nutzlos sind. Besonders schädlich ist Datenmüll auf Cloud-Services. Diese Daten liegen auf Servern in riesigen Rechenzentren, die kontinuierlich Strom benötigen, welcher nur selten aus ausschließlich erneuerbaren Quellen stammt. Aber auch lokal gespeicherter Datenmüll ist relevant. Eine hohe Speicherauslastung führt dazu, dass Betriebssysteme langsamer laufen, der Akku stärker beansprucht wird und wir Geräte häufiger aufladen müssen. Das verleitet Menschen vielleicht sogar, sich verfrüht neuere, leistungsstärkere Geräte anzuschaffen.

Wie viel CO2 verursacht mein Datenmüll?

Bist du neugierig, wie viel CO2 dein digitaler Müll verursacht? Das Unternehmen Vodafone hat im Zuge einer Info-Kampagne einen Rechner erstellt, den du zur Beantwortung dieser Frage nutzen kannst. Notiere dir dazu entweder die genauen Megabyte deiner ausgemisteten Daten oder als Schätzwert die Anzahl und Art der gelöschten Dateien (Mails, Fotos, etc.). Den Rechner findest du unter https://www.vodafone.de/featured/cleanupforgood. Als Vergleichswert kann man sich vor Augen halten, dass man bei einer Autofahrt von 10km mit einem PKW je nach Treibstoff und Modell zwischen 1 und 2 kg CO2 verursacht.

Reduziere deinen digitalen Müll – die 7-Tage Challenge

Nun ran an den Speck! Nimm dir in der nächsten Woche jeden Tag ein paar Minuten Zeit, um deine digitalen Müllberge abzutragen und kleine Maßnahmen zu setzen, um diese in Zukunft langsamer wachsen zu lassen.

Tag 1: E-Mail-Account

Den ersten Tag widmen wir unserem E-Mail-Postfach. Verwendest du mehrere Accounts, fang mit dem Postfach an, das du am häufigsten benutzt oder wo du am meisten „Müll“ vermutest.

  • Lösche nicht benötigte E-Mails im Posteingang.
  • Lösche nicht benötigte E-Mails im Postausgang.
  • Sichte deinen Junk-Mail-Ordner und leere ihn.
  • Leere deinen Papierkorb.

Ein paar Tipps:

  • Stehst du einem Mammutprojekt gegenüber, nimm dir eine Anzahl Mails vor, die dich nicht überfordert, z.B. 50 Mails.
  • Erkennst du häufige Absender von Mails, die du bereinigen kannst (z.B. alte Stromrechnungen, Benachrichtigungen deines Sportstudios)? Filtere nach dem Absender und lösche die Mails im Block.
  • Liest du all deine abonnierten Newsletter? Wenn nicht, bestelle diese gleich ab. Üblicherweise findet sich der Link zur Abmeldung am Ende des Mails.
  • Bekommst du Benachrichtigungen von Social Media Plattformen, die du ohnehin regelmäßig besuchst? Merke dir diese für den morgigen Tag.

Tag 2: Social Media Accounts

Heute geht es darum, deine Social Media Accounts zu verschlanken. Auch hier empfiehlt es sich mit einer Plattform zu beginnen, auf der du in der Vergangenheit häufig Fotos und Videos hochgeladen hast.

  • Lösche ältere Fotos und Videos.
  • Reduziere die E-Mail-Benachrichtigungen der Plattform auf ein Minimum.
  • Schließe nicht mehr benötigte Accounts.

Ein paar Tipps:

  • Qualität vor Quantität: Weniger, dafür sorgfältig ausgewählte Inhalte machen dein Profil für andere übersichtlicher und ansprechender.  
  • Bist du dir nicht sicher, ob du dich von einem Account trennen möchtest? Oft gibt es eine Option, diesen für eine Zeit ruhigzustellen, ohne alle Inhalte sofort zu löschen. Geht dir die Plattform auch in ein paar Wochen nicht ab, kannst du den Account final schließen.
  • Die gute Nachricht für die älteren Semester unter uns: Einige Plattformen (z.B. studiVZ) haben bereits geschlossen, d.h. um diese Altlasten musst du dich nicht mehr kümmern.

Tag 3: Daten in Cloud-Speichern

Verwendest du iCloud, Microsoft OneDrive, oder Ähnliches? Nimm dir heute Zeit und miste deinen wichtigsten Cloud-Speicher aus.

  • Bereinige überflüssige Video- und Audio-Dateien.
  • Sortiere und lösche Fotos.
  • Entferne veraltete Text-Dateien.

Ein paar Tipps:

  • Beginne mit den Dateiformaten, die am meisten Speicherplatz benötigen.
  • Überlege dir, welche Dateien wirklich auf der Cloud liegen sollten:
    • Musst du aktuell von mehreren Geräten auf diese Datei zugreifen können?
    • Wäre der Verlust dieser Datei für dich gravierend?
    • Lautet die Antwort auf beide Fragen Nein, dann lösche die Datei oder sichere sie lokal auf einem Gerät, wenn du sie (noch) nicht löschen möchtest.

Tag 4: Smartphone ausmisten

Das allzeit verfügbare Smartphone ist häufig unsere größte Mülldeponie. Nimm dir nicht vor, heute alles zu schaffen, sondern setze dir einen überschaubaren Zeitrahmen, z.B. 10 Minuten „aufräumen“.

  • Deinstalliere Apps, die du nicht mehr verwendest.
  • Lösche Videos und Audiodateien, die du nicht mehr benötigst.
  • Sortiere deine Fotos und lösche Duplikate, verschwommene Fotos, etc.

Tipps:

  • In den Einstellungen kann man nachsehen, welche Apps besonders viel Speicherplatz benötigen, z.B.: bei Android unter „Einstellungen“ – „Speicher“.
  • Auch wenn du selbst wenig fotografierst, hast du möglicherweise unzählige Fotos und Videos automatisch gespeichert, die du von Messenger-Diensten wie beispielsweise Whatsapp erhalten hast.
  • Generell ist ein Smartphone nicht das beste Fotoarchiv – besser die schönsten Erinnerungen gesammelt auf den Rechner oder eine externe Festplatte sichern.

Tag 5: Laptop oder Tablet ausmisten

Heute ist jenes Gerät dran, welches du neben dem Smartphone am häufigsten nutzt. Auch hier konzentriere dich vorerst auf die Medien mit hohem Speicheraufwand (Videos, Fotos). Nimm dir auf jeden Fall heute einmal einen „einfachen Brocken“ vor, über den du nicht zu viel nachdenken musst.

  • Deinstalliere Programme, die du nicht mehr benötigst.
  • Lösche alte Videos, Fotos und Textdateien.

Tipp:

  • Funktioniert deine Ordnerstruktur für dich oder kannst du sie verbessern? Wer einen guten Überblick hat, tut sich leichter, nicht mehr benötigte Dateien zu entfernen.

Tag 6: Sieh dir dein E-Mail und Messanger-Verhalten an

Sieh dir heute einmal deine Chatverläufe in Whatsapp & Co sowie deine E-Mail-Konten durch. Versendest du häufig Fotos, Videos und animierte GIFs? Schickst du gerne „Ok“ und „Danke“-E-Mails und große Anhänge? Was wir im Alltag oft aus Gewohnheit und beiläufig machen, summiert sich. Die Emissionen einer E-Mail sind gleich hoch wie die einer Plastiktüte!

Überleg dir, ob du mit kleinen Schritten dein Verhalten verbessern kannst.

  • Kannst du Gruppen besser zusammenfassen, sodass du Fotos nur einmal verschickst statt mehrmals?
  • Wäre es nicht nett deine Urlaubsfotos deinen Freunden beim nächsten Treffen zu zeigen statt per Nachricht?
  • Kannst du manchmal ein E-Mail sparen, indem du schnell zum Kollegen nebenan gehst?
  • Auch kleine Schritte helfen!

Tag 7: Plane deinen nächsten digitalen „Putztag“

Was man aus dem Haushalt kennt, betrifft leider auch das digitale Leben: Aufräumen, ausmisten und nachbessern muss man immer wieder.

  • Notiere dir einen nächsten Termin im Kalender, an dem du dein digitales Leben aufräumst und ordnest.
  • Um eine Gewohnheit zu entwickeln, kannst du diese Tätigkeit an eine andere organisatorische Aktivität koppeln. Checkst du beispielsweise monatlich deine Finanzen und kannst dabei gleich deine Emails und Fotos sortieren?

Die gute Nachricht ist, umso öfter du bereits ausgemistet und dein Verhalten angepasst hast, desto weniger hast du an deinen zukünftigen „Putztagen“ zu tun.

Vielen Dank für deinen Einsatz!

Quellen:

  • „5,8 Millionen Tonnen CO2 durch digitalen Datenmüll“, Computerwoche, 22.04.2022: https://www.computerwoche.de/a/5-8-millionen-tonnen-co2-durch-digitalen-datenmuell,3553188
  • „Digital Energiesparen: Datenlöschen spart viel Geld und CO2“, BR.de, 01.02.2023: https://www.br.de/nachrichten/bayern/digital-energiesparen-datenloeschen-spart-viel-geld-und-co2,TUVgpH7
  • „Weltweit rund 5,8 Millionen Tonnen CO2 jährlich durch digitalen Datenmüll“, Vodafone Newsroom, 22.04.2022: https://newsroom.vodafone.de/digitales-leben/weltweit-rund-58-millionen-tonnen-co2-jaehrlich-durch-digitalen-datenmuell
  • „18.03.2023: Digital Cleanup Day – Aufräumen und Ressourcen schonen!“, Regionales Zukunftszentrum Süd für Bayern und Baden-Württemberg, 18.03.2023: https://zukunftszentrum-sued.de/18-03-2023-digital-cleanup-day-aufraeumen-und-ressourcen-schonen/
  • „So schaffen Sie sinnvoll Platz auf dem Handy“, Handelsblatt, 19.09.2017: https://www.handelsblatt.com/technik/gadgets/smartphone-ausmisten-so-schaffen-sie-sinnvoll-platz-auf-dem-handy/20345586.html
  • „PC aufräumen: Digitaler Minimalismus am Computer“, Utopia.de, 03.01.2023: https://utopia.de/ratgeber/pc-aufraeumen-digitaler-minimalismus-am-computer/

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