Warum der Klimawandel zu Kälteextremen führt
In diesem Winter 2025/26 erleben weite Teile der USA und Teile Europas eine ungewöhnlich intensive Kältewelle. Was steckt dahinter? Der Polarwirbel, der normalerweise hoch und fest über der Arktis liegt, ist derzeit stark gestört, hat sich gedehnt und in kleinere Wirbel aufgespalten und lenkt damit kalte kontinental-arktische Luft nach Europa. Dies bringt eine erhöhte Chance auf anhaltend winterliche, teils sehr kalte Phasen auch in Österreich bis in den späten Winter hinein.
Was ist der Polarwirbel überhaupt?
Der Polarwirbel ist ein großes, kaltes Tiefdruckgebiet mit starken Westwinden hoch über der Arktis. Er wirkt wie eine Barriere und hält normalerweise im Winter die extrem kalte arktische Luft wie ein „Zaun“ rund um den Pol fest. Er sitzt vor allem in der Stratosphäre (ungefähr 10–50 km Höhe) und stabilisiert normalerweise das Winterwetter auf der Nordhalbkugel. Der Polarwirbel entsteht durch den großen Temperaturunterschied zwischen den warmen gemäßigten Breiten und dem extrem kalten Pol im Winter. Dieser Temperaturunterschied treibt starke Westwinde an (den sogenannten Polarfront-Jetstream), die sich kreisförmig um den Pol bewegen.
- Wenn dieser Wirbel stark und „rund“ ist, bleibt die Kaltluft meist im hohen Norden. Mitteleuropa erlebt dann eher wechselhaftes, oft windiges Atlantikwetter.
- Wird er schwach oder deformiert, können eisige Luftmassen ausbrechen und weit nach Süden vordringen. Dann drohen Kältewellen mit Dauerfrost und regional extremen Minustemperaturen auch in Regionen mit üblicherweise milden Wintern.

Was passiert gerade mit dem Polarwirbel?
Im Winter 2025/26 wurde über dem Nordpol eine sogenannte plötzliche Stratosphärenerwärmung (Sudden Stratospheric Warming, kurz: SSW) beobachtet bzw. von den Modellen prognostiziert. Die Luft in rund 30 Kilometern Höhe hat sich innerhalb weniger Tage stark erwärmt. Dadurch wurden die sonst sehr starken Westwinde, die den Polarwirbel wie ein Karussell am Laufen halten, deutlich abgebremst oder sogar auf Ost umgedreht. Der Wirbel ist dadurch aus dem Gleichgewicht geraten, wurde verschoben und in mehrere kleinere „Kälteinseln“ auseinandergezogen.
Wenn der Polarwirbel gestört wird, verstärkt dies die Schwankungen des Jetstreams, wodurch arktische Kälte nach Süden strömt und wärmere Luft nach Norden drängt – was das Risiko von extremen Winterwetterlagen erhöht.
Für Europa heißt das: Die Kaltluft sitzt nicht mehr ordentlich „eingesperrt“ über dem Pol, sondern kann leichter nach Süden ausbrechen. Ein Teil dieser arktischen Kaltluft rutscht in Richtung Nordamerika, ein anderer Teil in Richtung Eurasien. Der Kern der Kälte liegt zwar weiter nördlich und östlich, aber ein Ausläufer des polaren Kontinentalklimas drückt bis nach Mitteleuropa vor. Auch in Österreich steigen damit die Chancen auf längere Phasen mit nord- oder ostströmender Luft: Es wird häufiger trocken, klar und sehr kalt, mit Frosttagen, Eistagen und in manchen Regionen strengem Frost in der Nacht.
- Massiver Kaltlufteinbruch:
- Kaltluft, die zuvor am Pol gefangen war, bricht nach Süden aus.
- Der Jetstream (die Grenze des Wirbels) verformt sich stark und bildet große Wellen. Diese Wellen führen dazu, dass extrem kalte arktische oder sibirische Luftmassen direkt bis in die mittleren Breiten vordringen können.
- Folge: Es kommt zu plötzlichen, langanhaltenden Kältewellen mit ungewöhnlich tiefen Temperaturen und oft starken Schneefällen, selbst in Regionen, die dies selten erleben.
- Verändertes Wettergeschehen:
- Das Muster des SSW (Zerbrechen des Wirbels) beeinflusst oft das Wetter in den folgenden Wochen bis Monaten, da der stratosphärische Einfluss sich langsam in die Troposphäre (wo unser Wetter stattfindet) nach unten ausbreitet.
- Blockaden: Der zerbrochene Wirbel kann zu Blockadelagen führen, bei denen Hoch- oder Tiefdruckgebiete über Wochen feststecken. Dies kann entweder ungewöhnlich lange Kälte- oder Hitzewellen, oder aber langanhaltende feuchte Phasen verursachen.
Mehrere europäische Wetterdienste und Fachblogs sprechen inzwischen explizit von einer anhaltenden Störung der polaren Zirkulation und einem „kollabierenden“ oder zumindest stark geschwächten Polarwirbel, der den Januar und Februar in Europa deutlich kälter ausfallen lassen kann als normal.
Warum passiert das – und was hat das mit dem Klimawandel zu tun?
Mit steigenden globalen Temperaturen werden die Winter im Durchschnitt milder und die Schneedecke nimmt ab. Gleichzeitig verändert die Erwärmung die atmosphärische Dynamik und kann so die Winterstürme mitunter verschärfen.
Der unmittelbare Auslöser für ein SSW ist einfache Physik: Große, wärmere Luftwellen aus niedrigeren Höhen (zB durch warme Ozeane oder große Gebirge wie den Himalaya) dringen in die Stratosphäre vor und stören das empfindliche Gleichgewicht dort oben. Die Luft wird zusammengedrückt, erwärmt sich rapide, die Westwinde bremsen ab – und schon öffnet sich die „Tür“ für Kaltluftausbrüche nach Süden.
- Verlagerung des Polarwirbels: Wenn dieser geschwächt oder verlagert ist, kann er die Schwankungen des Jetstreams verstärken und arktische Luft nach Süden drängen.
- Erhöhte Luftfeuchtigkeit: Wärmere Luft und Ozeane führen bei vorhandener Kaltluft zu stärkerem Schneefall, Schneeregen oder Eisregen.
- Gegenläufige Effekte: Verringerte Temperaturunterschiede können Stürme abschwächen, während extreme Wetterereignisse sich verstärken können. Die Arktis erwärmt sich (vor allem durch den Verlust von Meereis) schneller als der Rest des Planeten. Der verringerte Temperaturunterschied zum Äquator stört die atmosphärischen Muster: Der Jetstream (den „Wetterfluss“ um den Planeten) wird geschwächt und welliger – ähnlich wie ein Fluss, der bei schmelzendem Eis unruhiger strömt. Dadurch treffen mehr Störwellen oben an, SSW-Ereignisse werden wahrscheinlicher.
Klar ist: Klimawandel heißt nicht „nur Erwärmung“ oder „kein Winter oder keine Kälte mehr“, sondern mehr Unbeständigkeit und mehr Wetterextreme – also sowohl ungewohnt milde als auch ungewöhnlich harte Kältephasen, verstärkt durch solche Polarwirbel-Störungen. Der Klimawandel verändert das Verhalten von Kälte und Hitze und wird uns extremere Kälte an unerwarteten Orten bringen.
Was bedeutet das konkret für Österreich?
Temperatur und Wetterlage im Spätwinter 2025/26
Die aktuellen europäischen Saison- und Mittelfristprognosen zeigen für Ende Januar und Februar eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für unterdurchschnittliche Temperaturen in großen Teilen Europas, inklusive Alpenraum. Mehrere Modellläufe deuten auf eine anhaltende nördliche bis östliche Strömung, die trockene, sehr kalte Festlandsluft aus Russland und Osteuropa nach Mitteleuropa führt.
Für Österreich wird damit gerechnet, dass:
- sich häufig Hochdrucklagen mit klaren, sehr kalten Nächten einstellen,
- Tageshöchstwerte regional deutlich unter dem Gefrierpunkt bleiben können (Eistage),
- in Beckenlagen und Tälern strenger Frost (unter –10 °C) möglich ist, vor allem, wenn vorher Schnee gefallen ist.
Während Deutschland für einzelne Tage mit Höchstwerten bis -13 °C und Nächten nahe -20 °C rechnet, dürften in Österreich vor allem inneralpine Täler und höher gelegene Becken vergleichbare Dimensionen erreichen, wenn sich die Kälte voll durchsetzt. Gleichzeitig kann es im Flachland phasenweise eher trocken-kalt als schneereich sein, während Staulagen an den Alpen wiederholt Schneefall bekommen.
Für Städte wie Graz oder Wien bedeutet das eine Doppelbelastung:
Im Sommer extreme Hitzetage, im Winter dann Kältewellen, die wiederum besonders verletzliche Gruppen treffen. So wie Hitzeschutzpläne nötig sind, braucht es zunehmend auch kommunale Notfallstrukturen für Kälteperioden – etwa Wärmeräume, gezielte Unterstützung energiearmer Haushalte und robuste Nachbarschaftshilfen.
Das Verständnis dieser komplexen Zusammenhänge verbessert Vorhersagen, Frühwarnungen und die Katastrophenvorsorge!
- Bewusstseinsbildung & angemessene Vorsichtsmaßnahmen!
- Gemeinden und Unternehmen: Kälteschutzpläne für starke Schneefälle, Eisstürme und längere Perioden mit Minusgraden. Hält die Infrastruktur? Gepflanzte Bäume? …
- Landwirtschaft: Wir brauchen nicht nur hitze- sondern auch kälteresistente Sorten!)
- Zivilgesellschaft: Wie heize ich? Wie kann ich meinen Heizbedarf senken? Welche Vorkehrungen muss ich treffen? Reisebehinderungen? Notfallsvorräte anlegen! Sich mit Nachbarn verbinden. Was tun wir, wenn die Heizung ausfällt? …
Was heißt das für die Klima-Kommunikation in Österreich?
Polarwirbel-Ereignisse werden von Klima-Skeptikern gern genutzt, um zu sagen: „Seht her, es wird doch kälter – also kein Klimawandel.“ Gerade jetzt ist wichtig zu erklären, dass ein wärmeres globales Klima kein gleichmäßiges „Dauerplus“ bedeutet, sondern ein nervöseres, sprunghafteres Wettersystem mit stärkeren Ausschlägen nach oben und unten.
- Ein gestörter Polarwirbel ist ein Symptom eines aus dem Gleichgewicht geratenen Klimasystems, nicht dessen Entwarnung.
- Kältewellen schließen die langfristige Erwärmung nicht aus, sie finden auf dem „angehobenen Temperaturniveau“ statt – global betrachtet steigen die Mittelwerte weiter.
- Für Österreich bedeutet das: Wir müssen uns gleichzeitig auf mehr Hitze, mehr Starkregen und eben auch phasenweise härteren Winter einstellen – sozial, infrastrukturell und politisch.
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Quellen:
- 14.11.2025: Was ist der Polarwirbel und was geschieht, wenn er zerbricht? https://newslettermatthiasglage.substack.com/p/was-ist-der-polarwirbel-und-was-geschieht
- 24.01.2026: How the polar vortex and warm ocean are intensifying a major US winter storm. https://www.preventionweb.net/news/how-polar-vortex-and-warm-ocean-are-intensifying-major-us-winter-storm
- https://www.severe-weather.eu/global-weather/polar-vortex-collapse-february-2026-stratospheric-warming-forecast-winter-united-states-canada-europe-fa/
- https://www.wettereck-triestingtal.at/2025/12/03/winterprognose-2025-2026/
- https://www.severe-weather.eu/global-weather/new-stratospheric-warming-january-2026-polar-vortex-disruption-cold-united-states-canada-europe-fa/
- https://www.snowplaza.de/weblog/wettervorhersage-winter-2025-2026-das-sagen-die-langzeitmodelle/
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