Lichtverschmutzung – zu viel Licht für Mensch & Tier

Lichtverschmutzung, light pollution, Lichtmüll, Lichtsmog

Unter Lichtverschmutzung versteht man die Aufhellung des Nachthimmels durch menschengemachte, künstliche Lichtquellen. Das Licht wird oft nach oben abgestrahlt und in den Luftschichten der Erdatmosphäre gestreut. Das natürliche Licht wird durch das künstliche Licht verschmutzt. Über Städten sieht man dann häufig Lichtglocken oder Lichtkuppeln. Und unser Hunger nach Licht wird anscheinend immer mehr und damit wird es rundum immer heller.

Wann – und vor allem wo – habt ihr zuletzt einen richtigen Sternenhimmel gesehen? Es gibt nur mehr wenige Stellen, an denen er ganz ohne Lichtverschmutzung erlebbar ist.

Auch wenn Licht häufig als positiv bewertet wird und uns vor allem subjektiv ein Wohl- und ein Sicherheitsgefühl vermittelt: Sinnlos und exzessiv leuchtendes Licht ist nicht nur pure Energieverschwendung und klimaschädlich, sondern allzeit künstliches Licht hat noch weitere negative Folgen: Mensch, Natur und Klima leiden vielfach unter der zu hellen Beleuchtung, die uns umgibt.

Hier sieht man auch die „Lichtglocke“

Folgen der Lichtverschmutzung

Lichtverschmutzung wirkt sehr vielschichtig und komplex auf viele Ökosysteme und Prozesse in der Natur.

Mensch

Für uns Menschen ist der Hell-Dunkel-Rhythmus wichtig für den Schlaf. Einen erholsamen Schlaf benötigt unser Körper zur Regeneration und zum Stressabbau. Überdosiertes, künstliches Licht, vor allem das blaue, kalte Licht der LEDs von Leuchtreklamen, aber auch das Licht von Fernsehern, Handys oder PC hemmt die Ausschüttung des Schlafhormons Melatonin, das stresshemmend wirkt. Permanente Schlafstörungen können viele Krankheiten mitbegünstigen.

Vögel

Je heller die Schlafumgebung der Vögel, umso mehr kommen sie aus ihrem natürlichen Rhythmus. Die im Winter nötige Stoffwechselreduktion wird durch das Licht gehemmt. Längeres Licht lässt sie zudem früher brüten, in einer Zeit, in der noch nicht genug Futter für den Nachwuchs da ist und raubt den Vögeln zudem die Orientierung. Ein großer Teil der Zugvögel zieht in der Nacht, sie orientieren sich an den Sternen und bei künstlichem Licht werden sie von ihrem Kurs abgelenkt.

© pixabay / blende12

Fledermäuse

Die Lichtverschmutzung gefährdet auch einige der für unser gesamtes Ökosystem so wichtigen Fledermausarten. Diese Tiere reagieren auf Licht sehr empfindlich.

Nachtaktive Insekten und Tiere

Straßenlaternen und andere Beleuchtungen mit einem hohen UV-Anteil haben ein hohes Potenzial, um Insekten anzulocken, denn eigentlich orientieren sich diese am Mnd. Viele verletzen sich an der heißen Quelle, umkreisen sie ununterbrochen und verenden erschöpft, entweder von selbst oder auch als „leichte Beute“ von Insektenfressern. Darunter sind auch viele selten gewordene Arten. Nachtfalter oder Glühwürmchen benötigen Dunkelheit, um Nahrung zu suchen und sich fortzupflanzen. Das Licht irritiert die Tiere, sie fressen nicht mehr, paaren sich nicht mehr und bestäuben keine Blüten mehr.

Meeresschildkröten

Zwar nicht bei uns, aber trotzdem interessant: Sobald eine Meeresschildkröte aus ihrem Ei geschlüpft ist, läuft sie zum hellsten Punkt. Denn früher war dies das Meer. Heute sind es allerdings hell erleuchtete Hotels und Strände, die somit zur Todesfalle für die Schildkrötenbabies werden.

Korallen

Auch Korallen stehen unter Lichteinfluss: Sie pflanzen sich bei Beleuchtung nicht richtig fort.

Pflanzen

Selbst auf den Wachstumszyklus von Pflanzen wie zB einiger Laubbäume wirkt nächtliches Kunstlicht. Denn auch Pflanzen erholen sich nächtens. Dauerbeleuchtete Pflanzen werden zudem seltener bestäubt.

Energieverschwendung

Ist unsere Straßenbeleuchtung wirklich immer nötig? Ein Drittel des Lichts der Straßenbeleuchtung wird seitlich und nach oben abgestrahlt und nützt damit de facto nichts. Aber kostet Millionen Tonnen CO2 und viel Geld? Und was ist mit der ganzen Werbe-, der Industrie und der Gebäudebeleuchtung? Laut der Website „Paten der Nacht“ (Link siehe unter Quellen) summieren sich die Kosten für verschwendetes Licht, das in die Umwelt entweicht, auf etwa 20 Milliarden € pro Jahr. Mit durchgängiger LED-Beleuchtung könnte dieser Wert zwar etwas reduziert werden, die Erfahrung hat allerdings gezeigt, dass durch den sogenannten Rebound-Effekt dann auch mehr davon installiert wird. LEDs führen zwar zu weniger Energieverbrauch, damit ist aber mehr Geld für mehr und helleres Licht da.

Beleuchtung sollte daher auf das notwendige Maß beschränkt werden, nicht überdimensioniert sein, nicht im Dauermodus leuchten oder auch nicht nur zur Zierde etwas anstrahlen.

Welche Tiere „profitieren“ vom Licht?

Vor allem jene Tiere, die von jenen Insekten leben, die von nächtlichem Kunstlicht angezogen werden. Zum Beispiel Spinnen, die gelernt haben, dort ihr Netz zu spannen. Oder auch Igel, Frösche, Kröten und einige Mäusearten. Aber auch diese permanente Nahrungskonzentration für einige Tierarten stört das natürliche Gleichgewicht im gesamten Ökosystem.

Was tun?

Kein Licht auf Naturflächen!
Auch wenn es schön aussehen mag, der Garten soll nachts richtig dunkel werden dürfen. Lichterketten oder Laternen gerne für einen geselligen Abend im Garten, danach soll es aber stockdunkel werden dürfen. Bei spätabendlichen Gartenarbeiten tut es auch eine Stirnlampe.

© pixabay / kostiolavi

Keine Gebäudeanstrahlung – vor allem im Sommer!
Diese Beleuchtungen dienen keinem Sicherheitszweck und sind als reine Zierbeleuchtungen gut verzichtbar.

Werbebeleuchtung mäßigen
Warum müssen wir auch nachts, sogar im Schlaf mit grellen Werbebotschaften konfrontiert werden? Weil Energie doch noch immer zu billig ist bzw die wahren Umweltkosten nicht vom Verursacher getragen werden müssen? Weg damit bzw ab spätestens 22 Uhr abschalten! Funktioniert das auf freiwilliger Basis oder braucht es dazu Gesetze?

Sparsame Beleuchtung
Künstliches Licht zur Außenbeleuchtung …

  • nur in dem Zeitraum, in dem es benötigt wird (Zeitschaltuhr und/oder Bewegungsmelder);
  • nur dort, wo es wirklich sicherheitstechnisch notwendig ist;
  • nur in der erforderlichen Intensität:
    • Vermeiden Sie die Anstrahlung von Bäumen und Sträuchern. Sie sind Lebensraum von Vögeln, Insekten und anderen Tieren und stören deren Bruttätigkeit.
    • Achten Sie darauf, dass die Beleuchtung ausschließlich „nach unten“ strahlt.
  • nur mit abgeschirmten Leuchten mit geschlossenem Gehäuse (sodass das Licht nach unten strahlen kann).
  • Die Oberfläche der Gehäuse soll nicht heißer als 60 Grad werden können.
  • Warmweiße, eher gelbliche LED-Lampen mit geringem UV-Anteil sind insektenfreundlicher, solarbetriebene Lampen zudem energiesparender!
© pixabay / Couleur

Was können wir noch tun?

Seid kritisch und aufmerksam!
Überprüft Beleuchtungen in eurer Stadt und Gemeinde und meldet euch zu Wort. Sei es, dass diese auf insektenfreundlicher umgestellt oder überhaupt ganz eingestellt werden sollten. Viele alte (schlechte) Gewohnheiten werden leider nicht mehr hinterfragt.

Weitere interessante Artikel auf unserer Website:

Quellen:

  • sehr gut: https://www.paten-der-nacht.de/
  • https://www.wien.gv.at/umweltschutz/lichtverschmutzung.html
  • https://www.bmk.gv.at/themen/klima_umwelt/naturschutz/vielfaltleben/gemeindenetz/tipps/lichtverschmutzung.html
  • https://www.umweltberatung.at/lichtverschmutzung
  • https://www.earth-night.info/
  • https://de.wikipedia.org/wiki/Lichtverschmutzung
  • https://www.bund-sh.de/stadtnatur/lichtverschmutzung/
  • https://www.br.de/wissen/lichtverschmutzung-lichtsmog-licht-nacht-himmel-sterne-tiere-insekten-100.html
  • The new world atlas of artificial night sky brightness: https://www.science.org/doi/10.1126/sciadv.1600377

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