Die 15-Minuten-Stadt

Die Stadt der kurzen Wege

Das Konzept der 15-Minuten-Stadt beschreibt die Vision, in der alle Alltagswege in einer Stadt in weniger als 15 Minuten zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln bestritten werden können. Weniger Autos, mehr Platz für Menschen: Der Mensch und seine Lebensqualität und nicht die Autos werden in den Vordergrund gestellt. Der öffentliche Raum ist begrenzt. Viel zu lange wurde den Autos nämlich viel zu viel Platz – fahrend wie parkend – eingeräumt.

Die 15-Minuten-Stadt versus die autogerechte Stadt

Noch bis in die 1990er Jahre galt das Gegenstück zur Stadt der kurzen Wege, die autogerechte Stadt als Norm. Arbeiten, Wohnen und Einkaufen wurden als getrennte Räume betrachtet, die oft weit auseinander lagen. Straßen wurden ausgebaut, um diese Distanzen bewältigen zu können, Öffi-Anbau und Radwege nur stückweise erweitert bzw wurden im Gegenteil, Zugverbindungen sogar eingestellt. Menschen gerieten in eine Abhängigkeit vom Auto, die wir alle heute noch spüren. Der Aufschrei ist groß, sobald auch nur ein Parkplatz reduziert werden soll. Diese Abhängigkeit gilt es zu reduzieren.

© Die Stadtgestalter

Wege kürzen und das Viertel lebenswerter machen

Die Wegstrecke von 15 Minuten entspricht etwa einem Kilometer Fußweg oder drei bis vier Kilometer Radweg.

Welche Orte besuchen wir regelmäßig? Welche Besorgungen erledigen wir?
Wir müssen zur Arbeit, zum Einkaufen, zur Kinderbetreuung, zu Schulen, zu Freizeit- und Sportmöglichkeiten, zum Ehrenamt, zu Ärzten, zum Friseur oder anderen Dienstleistern, … Damit wir uns bewusst gegen ein Auto entscheiden, sollten all diese Alltagswege leicht ohne eines bewältigt werden können.

Die meisten jetzigen Städte sind in Wohn- und Gewerbegebiete getrennt. Dadurch entstanden immer längere Pendelzeiten. In der 15-Minuten-Stadt gibt es hingegen nur noch gemischte Stadtteile. Jedes Stadtgebiet muss wie eine eigene kleine Stadt aufgebaut sein. Hier gilt es auch, Gebäude neu zu nutzen – für Aktivitäten, für die sie ursprünglich nicht gedacht waren. Die einzelnen Stadtteile werden wieder zu Versorgungszentren.

Graz, Blick vom Schlossberg

Vorteile der 15-Minuten-Stadt

  • Das Auto ist nicht mehr so wichtig => Abnahme des Autoverkehrs
  • Reduktion des Verkehrslärms, der Luftverschmutzung und Umweltschäden
  • Gesünderer Lebensstil der Einwohner*innen (körperlich & psychisch)
  • Mehr Sicherheit: Kinder können ihren Schulweg häufiger alleine bewältigen und auf Eltern-Taxis verzichten.
  • Einsparung von Kosten, weil Anschaffung des Autos wegfällt.
  • Mehr Freizeit, weil der Mobilitätsbedarf sinkt und weniger Zeit in Staus und beim Pendeln verbracht werden muss.
  • Straßen und Parkplätze können rückgebaut und als Gemeinschaftsflächen und Lebensraum genützt werden.
  • Mehr Grünräume in der Innenstadt wirken sich positiv auf das Klima und Abkühlung der Stadt aus.
  • Zunahme der Lebensqualität aller Bewohner*innen, vor allem aber von älteren Menschen, Kindern oder auch Menschen mit besonderen Bedürfnissen.
  • Man muss nicht mehr raus aus der Stadt, um sich zu erholen.
  • Verbesserung des Miteinanders in der Stadt, mehr Orte der Begegnung, der Partizipation und Erholung.
  • Ankurbelung der innerstädtischen Wirtschaft, vor allem der kleinen Betriebe, Greißler & Co.

Was braucht es für die 15-Minuten-Stadt?

  • Verbesserung und Ausbau der Infrastruktur für Radwege und Öffi-Verkehr
  • Zusammenarbeit von Stadt- und Verkehrsplanung
  • Wohngebiete müssen Raum für Arbeitsplätze schaffen und vice versa: in Gewerbegebieten sollen auch Wohnungen entstehen.
  • Statt eingeschossiger Supermärkte mit riesigen asphaltierten Parkplätzen sollten obere Stockwerke für Mietwohnungen genutzt werden.
  • Die täglichen Anlaufpunkte sollten sich in direktem Umfeld befinden – die Stadtviertel müssen kompakter werden.
  • Kindergärten, Schulen aber auch Senioreneinrichtungen sollen über die ganze Stadt verstreut sein.
  • Neue Nutzungen von bestehenden Gebäuden (zB Schulen am Wochenende oder Abend für Sprach- und Sportkurse, stillgelegte Gebäude als Co-Working-Spaces, Sporthallen als Diskotheken, öffentliche Gebäude für kulturelle Veranstaltungen, …)
  • breite Fuß- und Radwege
  • gute Öffi-Anbindung
  • Trend zum Home-Office ausbauen
  • Dienstreisen reduzieren
  • Digitalisierung

Beispiele für 15-Minuten-Städte

Entwickelt hat dieses Konzept Carlos Moreno, Universitätsprofessor und Smart City-Experte von der Pariser Sorbonne-Universität. Gerade in den Zeiten der Pandemie hat sich gezeigt, dass lebendige und funktionierende Wohngebiete eine bedeutende Rolle spielen. Die Bewohner*innen wünschen sich Stadtteile mit dörflichen Qualitäten. Die Idee kommt an, denn einige Städte sind bereits auf dem Weg dorthin. Zum Beispiel:

Paris

Die 15-Minuten-Stadt war ein zentraler Punkt im Wahlkampf der Pariser Bürgermeisterin, Anne Hidalgo. Das Seine-Ufer wurde bereits zur autofreien Zone, Radwege massiv ausgebaut und in vielen Stadtteilen Tempo 30 vorgeschrieben. Bis 2024 sollen 60.000 Parkplätze verschwinden und stattdessen Grünflächen entstehen.

Oslo

Seit 2015 gibt es in Oslo immer weniger Autos, der öffentliche Nahverkehr wurde ausgebaut und ein Leihräder-System aufgebaut.

Ponteventra

Die nordspanische Stadt Ponteventra ist bereits seit 20 Jahren autofrei. Autos sind nur für essentielle Fahrten zugelassen und diese dürfen nicht schneller als 30 km/h fahren. Die Straßen sind nur noch von Fußgängern und Radfahrern nutzbar. Fußgänger haben immer Vorrang. Parkplätze wurden zu Parks und zu Flaniermeilen. Kinder können ihren Schulweg wieder sicher alleine meistern. Aus den anfänglichen Protesten wurden schnell glückliche Bewohner*innen und auch zufriedene Händler*innen.

Miguel A. F. Lores, Bürgermeister von Pontevedra: „Es ist nicht meine Pflicht als Bürgermeister, dafür zu sorgen, dass Sie einen Parkplatz haben. Für mich ist es dasselbe, als ob Sie eine Kuh oder einen Kühlschrank kaufen und mich dann fragen, wo Sie sie hinstellen werden.“

Seoul

Eine Stadtautobahn wurde abgerissen und ein städtischer Fluss renaturiert. Lärmbelastung und Feinstaubwerte sind gesunken, die Durchschnittstemperatur lag 2016 um 3,6 Grad unter jener in den umliegenden Wohnvierteln.

Barcelona

Seit 2016 wird hier das Stadtentwicklungskonzept der „Superblocks“ umgesetzt. Jeweils 9 Häuserblocks bilden einen Superblock. Fußgänger und Radfahrer haben Vorrang, es gibt keine Durchzugsstraßen und zweispurige Autostraßen werden auf eine Spur reduziert und erweitert sie zum Wohnzimmer. Zur großen Überraschung stieg seither die Anzahl der lokalen Läden sogar um 30 Prozent.

Berlin, Bocholt, Nantes, Oslo, Madrid, Hamburg

Auch diese Städte verfolgen die Vision der 15-Minuten-Stadt.

Ist deine Stadt eine 15-Minuten-Stadt?

Wähle die Stadt aus und die interaktive Karte zeigt dir, wo in der Stadt deine Alltagsstationen zu Fuß oder mit dem Fahrrad in 15 Minuten erreichbar sind. Ist Graz bereits grün gefärbt? www.15-minuten-stadt.de

Quellen:

  • https://15-minuten-stadt.de/
  • https://die-stadtgestalter.de/2021/01/10/sollte-bochum-zur-15-minuten-stadt-werden/
  • https://www.stadtmarketing.eu/die-15-minuten-stadt/
  • https://m-dasmagazin.de/die-15-minuten-stadt
  • https://message.at/2022/09/30/die-15-minuten-stadt-stadt-der-kurzen-wege/
  • https://www.zukunftswaende.de/wohnformen/wohnen-in-der-zukunft/die-15-minuten-stadt/
  • https://blog.stroeer.de/innovation/hat-die-15-minuten-stadt-eine-reale-und-zukunftsfaehige-chance/
  • https://web.de/magazine/wissen/klima/utopie-bild-zukunft-15-minuten-stadt-36526550
  • https://katja-diehl.de/wiki/pontevedra-spanien-seit-ueber-20-jahren-autofrei/
  • https://www.swr.de/wissen/zulaut/pontevedra-autofreie-city-kein-laerm-100.html

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