Grünes Geld – Nachhaltige Finanzen

Ein Gastbeitrag von Sarah Reindl

Wenn wir konsumieren, achten wir auf Bio, Fair Trade und weitere Siegel, die in unseren Augen vertrauenswürdig erscheinen. Wir wissen: jeder Euro bewirkt etwas. Aber was passiert mit unserem Geld, das wir nicht für Konsum ausgeben? Es bewirkt auch etwas, ob wir es glauben (oder sehen wollen) oder nicht. Angefangen von unserem Konto über Altersvorsorge bis zur Finanzierung des Eigenheims, all das sind riesige Finanzströme, die die globale Entwicklung (zukunftsfähig oder nicht) massiv beeinflussen.

Wer sich mit einem nachhaltigen Konsum beschäftigt, erfährt schnell, dass es im Grunde um die Suche nach guten Alternativen zur herkömmlichen Konsumweise geht und darum, vieles auch selbst herzustellen. Wir kommen zu dem Schluss, dass wir uns Know-How aneignen (müssen), um unseren gewünschten Lifestyle verfolgen zu können.

Das Gleiche gilt auch für den Finanzsektor. Wir müssen bis zu einem gewissen Grad verstehen, wie der Finanz-, Banken- und Versicherungssektor funktioniert, um die für uns richtigen Entscheidungen treffen zu können. Wenn ich mich mit Menschen über dieses Thema unterhalte, bekomme ich oft die Rückmeldung, dass sich Menschen oft „lieber nicht mit den Finanzen beschäftigen“, „Angst haben, etwas falsch zu machen“ und die Meinung vertreten, das wäre eh zu kompliziert und irgendwie schmutzig (Assoziationen à la „The Wolf of Wall Street“ kommen auf) – Es fehlt einfach an Finanzbildung!

Wahl des Kontos:

Geld dient unserem Wirtschaftskreislauf als universelles Zahlungsmittel. Ohne Geld müssten wir Waren direkt gegeneinander tauschen. Banken erfüllen die Funktion, unseren Zahlungsverkehr zu erleichtern, unser Geld (mit zusätzlichen Zinszahlungen) sicher zu verwahren und Investitionen zu tätigen (die Sparguthaben der einen Kund:innen werden als Kredite an andere kleine und große Kund:innen vergeben). Durch die große Anzahl an Kund:innen wird das Risiko geteilt, falls einzelne Kredite nicht zurückbezahlt werden können und alle bekommen die gleichen Zinsen auf ihr Sparguthaben ausbezahlt.

In Österreich gibt es zurzeit drei Möglichkeiten, ein grünes Girokonto zu eröffnen, was aber nicht bedeutet, dass diese Banken generell nachhaltig handeln. Es ist aber immerhin ein Anfang:

Alle drei Konten sind vom Österreichischen Umweltzeichen als nachhaltiges Finanzprodukt zertifiziert. Das Umweltzeichen geht bei der Zertifizierung von Finanzprodukten nach diesen drei Gesichtspunkten vor:

  • Ausschlusskriterien werden geregelt: welche Investitionen dürfen mit meinem eingelegten Geld nicht getätigt werden (z.B. Rüstung, Gentechnik, fossile Energien, Atomkraft)
  • Die Auswahlprozesse müssen klar definiert sein, nach denen Investitionen in Unternehmen, Staaten oder Projekte erfolgen. So ist nachvollziehbar, dass das investierte Geld tatsächlich positive Leistungen für die Umwelt und die Gesellschaft bewirkt.
  • Den Anleger:innen muss die eindeutige Nachvollziehbarkeit über das sozial-ökologische Konzept des nachhaltigen Finanzprodukts geboten werden. Deshalb werden entsprechende Berichte über einzelne Investments oder Projektfinanzierungen veröffentlicht.

In Deutschland gibt es für Girokonten schon ein weit größeres Angebot und nicht nur nachhaltige Konten, sondern ganze nachhaltige Banken. Und auch als Österreicher:in kann ich bei diesen Banken ein Konto eröffnen. Neben der GLS Bank, Triodosbank, Umweltbank und der EthikBank gibt es mittlerweile eine sehr attraktive Smartphone-Banking App: Tomorrow bietet ein digitales nachhaltiges Girokonto an. Das Ziel von Tomorrow ist es, Geld in die richtige Richtung zu lenken und es Menschen ermöglichen, mit ihrem Girokonto etwas Positives zu bewirken. Dabei setzen sie auf folgende Säulen:

  • Mit Kund:inneneinlagen werden nur nachhaltige (die SDGs* fördernde) Unternehmen und Projekte finanziert.
  • Nachhaltiges Investieren wird in Zukunft über den Tomorrow Fonds möglich sein.
  • Mit dem Premium Konto Tomorrow Zero wird automatisch der CO2-Fußabdruck einer/s Durchschnittskund:in kompensiert.

Wer sich über ein Girokonto hinaus für Nachhaltige Geldanlagen interessiert, kann sich beim Österreichischen Umweltzeichen orientieren. Unter diesem Link (www.umweltzeichen.at/de/produkte/finanzprodukte) gelangt ihr zu einer Übersichtsseite, auf der ihr eine aktuelle Übersicht der zertifizierten Finanzprodukte herunterladen könnt.

Sarah Reindl kennen sicher einige von euch als Mitbegründerin vom Gramm / Dekagramm. Seit Sommer 2020 beschäftigt sie sich intensiver mit nachhaltiger Wirtschaftsentwicklung und ist tätig in den Bereichen Wirtschafts- und Forschungsförderungen und Nachhaltigkeitsbilanzierung. Für diese Themen bieten ihre Studien (Volkswirtschaft und Umweltsystemwissenschaften) eine gute Basis.


Wenn du am Laufenden bleiben möchtest:

Liebe Community!
Wenn euch gefällt, was wir auf dieser Plattform tun, nämlich bereits seit 2017 über nachhaltige Projekte, Umwelt- und Klimaschutz zu informieren, dann unterstützt uns doch bitte auch finanziell, um unsere Webseite in dieser Qualität und Fülle weiterführen zu können – uns hilft jeder Beitrag!

Verein „Nachhaltig in Graz“
BIC: STSPAT2GXXX
IBAN: AT20 2081 5000 4200 1552
Verwendungszweck: Spende/Sponsoring
(Mehr zum Sponsoring hier)



Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.