Master-Studium Environmental System Sciences / Climate Change and Environmental Technology (ESS / CCET)

Frühere Bezeichnung: Umweltsystemwissenschaften / Naturwissenschaften-Technologie (USW NAWI-Tech)

Melissa, ehrenamtliche Mitarbeiterin in unserem Team, startet hiermit unsere Reihe zu möglichen Ausbildungen im Umweltbereich. Vielen lieben Dank, Melissa!

Wie bist du auf dein Studium gekommen? Ursprünglich aus Wien, fiel meine Wahl fürs Bachelorstudium auf Erdwissenschaften an der Uni Wien. Ich habe es sehr genossen, das System Erde mit all seinen Bestandteilen und Eigenschaften näher kennenzulernen. Allerdings habe ich im Masterstudium Angewandte- und Umweltgeologie, insbesondere nach einem Austauschsemester in Spanien festgestellt, dass mich die Umwelt in all ihren Facetten noch mehr fasziniert. Nachdem ich dann in Erfahrung gebracht habe, dass es in Graz das Masterstudium der Umweltsystemwissenschaften mit dem Schwerpunkt Naturwissenschaften-Technologie gibt (neue Bezeichnung: Environmental System Sciences / Climate Change and Environmental Technology), habe ich einen Antrag gestellt und schwupps bin ich mit ein paar zusätzlichen Auflagen in den Systemwissenschaften hier gelandet. Also, ein eher untypischer Weg als Quereinsteigerin.

Wie ist der ESS/CCET-Master aufgebaut? Prinzipiell gibt es vier Schwerpunkte in den Umweltsystemwissenschaften, das sind Nachhaltigkeitsorientiertes Management (Mit neuem Curriculum auf Englisch: Environmental Systems Sciences / Sustainability and Innovation Management), Volkwirtschaftslehre, Geographie (Mit neuem Curriculum: Umweltsystemwissenschaften mit Fachschwerpunkt Geographie – Angewandte Mensch-Umwelt-Forschung) und Naturwissenschaften-Technologie (Mit neuem Curriculum: Environmental System Sciences / Climate Change and Environmental Technology)

In meinem Fall, bei Environmental System Sciences / Climate Change and Environmental Technology gibt es einige Überlappungen mit den Erdwissenschaften. Das heißt, es werden Grundlagen in Physik, Chemie, Biologie und Mathematik vermittelt. Zusätzlich wird einem auch ein Überblick in Recht (Arbeitnehmer:innenschutz, Umweltrecht, EMAS, Umweltmanagement) und den Systemwissenschaften (Erkennen von Elementen, Zusammenhängen und Strukturen verschiedenster Phänomene) verschafft.

Ein weiteres Pflichtfach mit einem etwas größeren Umfang macht ESS / CCET so einzigartig: Damit meine ich das Interdisziplinäre Praktikum (IP), bei dem Studierende aus allen Fachschwerpunkten teilnehmen und in interdisziplinären Kleingruppen aktuelle Themen untersucht, erörtert und diskutiert. Ich habe gleich zwei IPs besucht, da mir dieses Format so zugesagt hat. Im Ersten ging es um Regionalentwicklung und Klimawandelanpassung, indem ich mit meiner Gruppe verschiedene Szenarien für den Wasserbedarf bzw. anfallende Bewässerungskosten für Maispflanzen in der Steiermark modelliert und berechnet habe. Insgesamt wurden also Maßnahmen zur Bürgerbeteiligung für Landwirtschaft und Energie mitsamt einer Nachhaltigkeitsbewertung direkt in der Region vorgestellt. Beim Zweiten ging es um „Climate Negotiations“ also Klimaverhandlungen wie beispielsweise die UN-Klimakonferenz in Paris 2015. Dabei war es besonders interessant, bei einer gespielten Konferenz aus Perspektive eines Verhandlungspartners (z.B.: China) zu argumentieren und somit auch einen Einblick zu erhalten, warum es so schwierig ist bei Wahrung „eigener“ Interessen ganzheitliche Lösungen zur Bewältigung der Klimakrise zu finden. Beide Praktika waren insofern auch spannend, da nur die Rahmenbedingungen von den Lehrenden vorgegeben wurden und sonst alles selbständig von uns Studierenden erarbeitet wurde.

Auch die Laborübungen zu Umwelttechnik boten einen super Einblick in verschiedene Labore, Verfahren und Auswertungsmöglichkeiten, bei denen man sich ebenso entscheiden kann, welche man genauer unter die Lupe nehmen will. In meinem Fall waren das Luftgütebewertung, Wasseranalyse, Prozessanalytik und Infrarotspektroskopie. Diese Praktika finden ebenso in Kleingruppen statt und sind mal schwieriger und mal einfacher zu absolvieren, aber auf jeden Fall eindrucksvoll.

Besonders ist auch das weit gefasste umweltgebundene Wahlfach, welches man sich entweder aus vorgefertigten Modulen aussuchen kann bzw. wie in meinem Fall individuell zusammenstellen kann. Das fand ich einzigartig, da nach dem Bologna-Prozess die Universität oft schon sehr verschult wirkt (mit wenig Auswahlmöglichkeiten) und hier ein Raum geschaffen wird, sich einschlägigen Interessen zu widmen.

Was hat dir am besten gefallen? Auch wenn es sehr klischeehaft klingt, ist das Beste, was ich aus diesem Studium mitnehme, die Kontakte zu Mitstudierenden worunter einige außergewöhnliche Persönlichkeiten dabei waren, die ich zu kennen niemals missen möchte.

Ansonsten bin ich sehr froh über die Interdisziplinarität des Studiums, da ich gerne Problemstellungen aus verschiedenen Winkeln betrachte und ich es wichtig finde, sich Auswirkungen auf sozialer, wirtschaftlicher und naturwissenschaftlicher Ebene anzusehen. Das Eine geht nämlich ohne das andere nicht!

Gibt es etwas, das dir nicht gefallen hat? Ja, ich muss sagen, dass ich anfangs als Quereinsteigerin im Master etwas überwältigt war und einiges auch recht chaotisch auf mich gewirkt hat. Im Nachhinein hätte ich mir gewünscht, dass ich gleich zu Beginn mehr über das Interdisziplinäre Praktikum gewusst hätte und auch dass man sich ein individuelles umweltgebundenes Wahlfach zusammenstellen kann. Das habe ich erst sehr spät erfahren. Außerdem kamen mir manche Lehrveranstaltungen mit verschiedenen Teilen nicht unbedingt immer stimmig vor, da glaube ich aber, dass dies durch die Aufteilung im neuen Curriculum jetzt besser umgesetzt ist. Aja, Achtung es heißt jetzt: Masterstudium Environmental System Sciences / Climate Change and Environmental Technology.

Wann sollte man dieses Master-Studium studieren? Wenn man vielseitiges Interesse an der Umwelt hat und man gerne auch mal individuelle Schwerpunkte legen möchte, ist ESS / CCET das perfekte Studium. Dabei sollte man sich nicht von den naturwissenschaftlichen Grundlagen oder Gruppenarbeiten abschrecken lassen!

Mehr Informationen zum Master-Studium ESS / CCET findest du hier:

ESS/CCET-Absolventin Melissa Bakic © Stefanie Hölbling

Und nun noch ein paar persönlichere Fragen an unsere Melissa!

Was bedeutet für dich Nachhaltigkeit? Mir geht es hauptsächlich um Bewusstseinsbildung. Seit ich in Graz bin, habe ich mich mit vielen Thematiken der Nachhaltigkeit auseinandergesetzt, einfach weil es sich so ergeben hat und ich mich nicht unbedingt verbissen auf eine Sache konzentrieren wollte. Sanfte Mobilität, Lebensmittelrettung und Ressourcenschonung sind dafür meine Eckpfeiler auf lokaler Ebene. Deswegen freue ich mich auch ein Teil des Nachhaltig-in-Graz-Ladens zu sein.

Was möchtest du noch mitteilen? Ich möchte auf jeden Fall, dass das Umweltbewusstsein der Gesellschaft steigt und es sich nicht so belastend anfühlt, sich mit Nachhaltigkeit, Umwelt und Gerechtigkeit auseinanderzusetzen, sondern dass ein gemeinsamer Wille da ist. Ich habe das Gefühl, dass niemand sich mehr Zeit nehmen kann und will. Aber vielleicht täusche ich mich ja: Also bei Gelegenheit darf sich jede:r gerne die Fragen stellen: Brauche ich das wirklich? Warum will ich das? Was für sozial-ökologische Auswirkungen hat das? Wann werden Konsequenzen für mich spürbar sein? Einhergehend mit einer bewussteren Gesellschaft und dem damit verstärkten Druck auf die Politik, hoffe ich auf eine nachhaltige Entwicklung.

Wir gratulieren herzlich zum Abschluss und freuen uns, dass du unser Nachhaltig-in-Graz-Team bereicherst, liebe Melissa!

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