Zero Waste Graz Stammtisch #2 – Nachhaltige Zahnpflege

Dieser Beitrag stammt von Tanja Seidl (vielen Dank!) und stellt eine Zusammenfassung des Vortrags von Brigitte Pall (Expertin für Zahn- und Mundgesundheit von der Zahnklinik Graz) am Zero Waste Graz-Stammtisch vom 5.4.2017 dar.

Zum Zähneputzen:
Eigentlich brauchen wir nicht unbedingt eine Zahnpasta, wichtig ist aber eine Zahnbürste und für die Zwischenräume eine Zahnseide oder bei größeren Zwischenräumen so ein kleines Bürstchen. Hat man Probleme mit Zahnfleischentzündungen, dann wäre auch ein Zungenreiniger unterstützend.

Nach säurehaltigem Essen (z.B. Obst, Zucker) sollte man nicht gleich Zähne putzen, sondern nur mit Wasser spülen. Gerade beim Frühstück ist das oft der Fall, dass man viele säurehaltige Lebensmittel hat. Da sollte man nach dem Frühstück nur den Mund mit Wasser ausspülen und wenn man möchte, kann man dann ungefähr eine halbe Stunde später Zähne putzen (oder vor dem Frühstück).

Beim Putzen selber sollte man Zahn für Zahn in kreisenden Bewegungen putzen. Die Zahnbürste ist im 45Grad-Winkel zu den Zahnflächen aufzusetzen. Wichtig ist, darauf zu achten, dass der Zahn wirklich von allen Seiten gründlich geputzt wird. Man sollte immer vom Zahnfleisch zum Zahn putzen. Man kann dann auch noch als Selbstkontrolle mit der Zunge über die Zähne fahren um zu sehen, ob sie schön glatt sind. Kindern sollte man die Zahnbürste nicht zu früh alleine überlassen. Bis zum 12. Lebensjahr sollte man zumindest einmal am Tag nachputzen.

Ölziehen soll die Zähne weißer machen, auf jeden Fall hilft es aber unterstützend gegen Zahnfleischentzündungen. Wichtig beim Ölziehen ist, dass man das Öl richtig durch die Zähne durchzieht oder durchpresst und im Mund herumspült. Empfohlen wird, das vor dem Zähneputzen zu machen.  Laut Internet sollte man das ca. 10min machen – z.B. während dem Duschen :-).

Frau Pall hat nebenbei noch gesagt, dass Parodontitis (alles mit „-itis“ ist immer eine Entzündung) eben eine Entzündung im Mund ist, bei der das Zahnfleisch zurückgehen kann. Das wird durch Bakterien hervorgerufen.

Fotocredit: das Gramm mit wesual

 Zungenreiniger

Wenn man seine Zunge reinigen möchte (hilft gegen Bakterien) dann gibt es zB einen Zungenreiniger (Zungenspatel) aus Metall, mit dem man die Zunge einfach abzieht. Dieser kann danach ausgekocht und immer wieder verwendet werden und ist so sehr hygienisch und ressourcenschonend. Gerade für Raucher ist der Zungenreiniger wichtiger als für Nichtraucher.

Ökologische Zahnbürsten

Zu den Zahnbürsten wurde gesagt, dass – wenn man es richtig macht – das Putzen mit der Handbürste immer noch das Beste bzw absolut ausreichend ist. Wenn man aber „ein Tollpatsch ist“, kann eine elektrische Zahnbürste eine sinnvolle Alternative sein. Am besten ist es, den Zahnarzt zu fragen, was er so sieht auf den Zähnen (ob man richtig putzt). Wenn man eine elektrische Zahnbürste kauft, dann sollte es eine Schallbürste sein. Diese macht die meisten Umdrehungen. Sie hat einen normalen Bürstenkopf, wo sich jedes Bürstenbündel extra bewegt.

Bei Handzahnbürsten gibt es: Den Miswack, zu diesem konnte Frau Pall aber nichts Genaueres sagen. Es ist auf jeden Fall ein Zweig von einem bestimmten Baum, auf dem man kaut und damit die Zähne putzt. Wikipedia Link: https://de.wikipedia.org/wiki/Misw%C4%81k falls jemand etwas darüber nachlesen möchte. Der Nachteil hierbei ist aber unter anderem, dass er von sehr weit herkommt.

Dann gibt es Bambus-Zahnbürsten mit Kunstborsten, der Vorteil hierbei ist, dass die Borsten vorne abgerundet sind und man sich damit nicht so gut ins Zahnfleisch stechen kann, vor allem wenn die Borsten schon ein bisschen ausgefranst sind. Außerdem trocknen diese Borsten schneller und so haben Keime keinen guten Nährboden. Hier gibt es zum Beispiel Zahnbürsten von Hydrophil, diese haben einen Bambusgriff, allerdings Kunststoffborsten (Nylon). Seitens Hydrophil wird aber an der Entwicklung von abbaubaren Borsten gearbeitet.

Bambus-Zahnbürsten mit Naturborsten gibt es auch noch, der Vorteil hierbei ist natürlich, dass sie komplett biologisch abbaubar sind. Nachteil ist, dass die Borsten meistens maschinell abgeschnitten sind, deshalb können sie etwas scharfkantig sein. Damit kann man sich leicht ins Zahnfleisch pieksen, vor allem, wenn sie schon ein bisschen ausgefranst sind und das kann schlecht für das Zahnfleisch sein. Außerdem trocken sie nicht so schnell und deshalb können sich dort Keime besser verbreiten. Man kann das aber umgehen, indem man zum Beispiel zwei Zahnbürsten abwechselnd verwendet und darauf achtet, dass eine immer schön trocknet. Solche Zahnbürsten gibt es zum Beispiel von BeeClean.

Man sollte, egal ob man eine Zahnbürste mit Naturborsten verwendet oder eine mit Kunststoffborsten, immer die Zahnbürste vor dem Putzen mit heißem Wasser abspülen (weil sie dadurch weicher wird und auch wegen der Hygiene).

Eine Mundspülung kann bei einer Entzündung unterstützend wirken, muss aber bei gesunden Zähnen und Zahnfleisch nicht unbedingt sein.

Fotocredit: das Gramm mit wesual

Zahnpasten

Wie vorher schon gesagt, brauchen wir nicht unbedingt eine Zahnpasta zum Zähneputzen, aber es gibt uns doch einfach ein besseres, saubereres und frischeres Gefühl.

Zu den verschiedenen Stoffen:

Xylit: ist Birkenzucker, neutralisiert den Speichel (Säure) und macht einen guten Geschmack. Kann man zum Beispiel gut verwenden, um für Kinder Zahnpasta zu machen. Es sollte aber immer hochwertiger Birkenzucker verwendet werden.

Kokosöl: kann sehr gut für Zähne und Zahnfleisch sein und wirkt unterstützend gegen Entzündungen (antibakteriell). Kann man auch zum Ölziehen verwenden, davon sollen die Zähne weißer werden.

Fluorid: schützt den Zahnschmelz, allerdings nur in gewissen Mengen. Die Dosis macht das Gift. Wenn man einen Überschuss an Fluorid hat, dann bekommt der Zahnschmelz weiße Flecken. Grundsätzlich braucht man aber kein Fluorid, wenn man gesunde Zähne und eine gute Mundhygiene hat.

Tragantpulver: Kann man statt Natron (auf das ich noch später eingehen werde) verwenden. Es wird aus der Tragantpflanze gewonnen und kann auch anstatt Haftcreme als Haftpulver verwendet werden.

Kurkuma: Macht die Zähne angeblich weiß, kann aber zu Verfärbungen auf Kunststofffüllungen bzw. bei den Übergängen führen, wobei hier allerdings die Meinungen auseinander gehen.

Omnibiotik 6: Ist normalerweise für den Aufbau der Darmflora gedacht, kann aber auch unterstützend gegen Entzündungen im Mund wirken, wenn man damit spült. (Hinweis einer Stammtisch-Besucherin)

Aloe Vera: Kann bei Entzündungen unterstützend sein, wirkt gegen Bakterien.

Nicht oder nur eingeschränkt verwenden sollte man:

Ätherische Öle: können Verfärbungen verursachen.

Natron: (grobes) Natron reibt den Zahnschmelz ab. Die Zahnoberfläche ist dann angerieben und rauh und somit leichter anfällig für Verfärbungen. Außerdem können die Zähne durch Natron empfindlicher werden.

Bleaching: macht den Zahnhals empfindlich (Wärme, Kälte, Säure)

Fotocredit: das Gramm mit wesual

Zahnpasta selbst machen:

Laut Frau Pall spricht grundsätzlich nichts dagegen, seine Zahnpasta auch selbst zu machen. Eine Zahncreme sollte dann aus etwas Schmierendem bestehen, zum Beispiel Kokosöl und einem Basispulver. Das Basispulver sollte aber sehr fein sein. Wenn man es zwischen den Fingern reibt, sollte man keine Körnung spüren. Dann kann man noch andere Inhaltsstoffe dazutun, für den Geschmack zum Beispiel Xylit, das ist süß oder Dinge, die unterstützend sind gegen Entzündungen.

Zahnpflege ist sehr individuell und es gibt bei den Zahnpasten kein Einheitsrezept, das für jeden passt. Am besten mit dem Zahnarzt des Vertrauens darüber sprechen, der sieht auch, ob man gut und richtig putzt oder nicht.

Ergänzung: Unser nächster Stammtisch findet am Mittwoch, 3.5.2017 wiederum um 18 Uhr in der StadtSchenke statt und steht unter dem Motto „Natürliche Haarpflege“. Kräuterpädagogin Michaela Vyskocil und Apotheker Bernd Fink werden Tipps für die Zero Waste Haarpflege geben und versuchen, alle Fragen rund um Haarseife, Haarewaschen mit Mehlen, Shampoo selber machen etc zu beantworten.


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