Avocado – nachhaltiges Superfood??

Egal ob als Brotaufstrich, Salat oder Bindemittel für Süßspeisen: Die Wunderfrucht Avocado, die ungefähr 400 Gramm schwere Beere des immergrünen Laubbaumes, ist nicht nur bei Vegetariern und Veganern beliebt. Ist sie doch in der Lage, die sogenannten Problemzutaten Butter und Eier zu ersetzen. Darüberhinaus ist sie gesund, schmeckt gut, ist vielseitig verwendbar und irrsinnig trendig! Sie soll reich an ungesättigten Fettsäuren, Vitaminen und Kalium sein. Außerdem senkt sie den Cholesterin-Spiegel und ist gut für Haut und Nägel. Wir essen heutzutage Avocados wie unsere heimischen Äpfel – übrigens auch ein Superfood!

Um zu gedeihen braucht der Avocadobaum viel Sonne, Wärme und Wasser. Hauptanbaugebiete sind heutzutage Mexiko, Kolumbien, Indonesien, Chile, Peru, Brasilien, Kalifornien, Südspanien und Israel.

Jedoch: Die Umweltbilanz der angeblichen Superfrucht ist katastrophal.

Abholzung von Regenwald

Für die Anpflanzung der Trendfrucht wird Regenwald abgeholzt. Vor allem in Mexiko zerstört der weltweit wachsende Appetit auf Avocados wertvollen Naturraum, jährlich circa 4.000 Hektar Wald. Die Anbaufläche vergrößerte sich in Mexiko zwischen 2000 und 2010 von 95.000 auf 134.000 Hektar. Um Platz für immer mehr Avocadoplantagen zu schaffen, werden Pinien- und Tannenwälder Stück für Stück illegal abgeholzt. Menschen und Tiere leiden. Der Siegeszug der Avocado ist auch kein Wunder der Natur, sondern von langer Hand geplant. Unternehmen arbeiten daran, dass immer mehr Menschen meinen, ohne Avocado nicht leben zu können/wollen. Die Kultivierung der Avocadoplantagen ist für manche Großplantagenbesitzer ein einträgliches Geschäft geworden, nicht umsonst heißt die Avocado auch „grünes Gold“.

Kurzfilm: Mediathek Das Erste Avocado Umweltkiller Superfood

Kurzinfo: Das Erste Info Avocado Umweltkiller Superfood

Wasserverbrauch

Die Kultivierung der Avocado-Plantagen ist sehr bewässerungsintensiv (ein einziger Avocadobaum benötigt täglich rund 50 Liter Wasser, um 1 kg Avocado (circa 2 1/2 Stück) zu ernten, muss insgesamt 1.000 Liter Wasser investiert werden. (Vergleich: Salat in der gleichen Menge benötigt gerade 130 Liter Wasser, 1 kg Tomaten 180 Liter)). Gerade in Ländern, in denen das Grundwasser ohnehin knapp ist, führt dies zu einem enormen Absinken des Grundwasserspiegels. Dadurch können andere Felder nicht bewässert und auch Vieh nicht mit Wasser versorgt werden. Viele Grundnahrungsmittel müssen von diesen Ländern nunmehr importiert werden, weil die Avocadoplantagen bevorzugt bewässert werden. Nur Großplantagen profitieren vom Avocadoboom, kleine Bauern geben auf.

Lange Transportwege in Kühlcontainern

2010 wurden 28.000 Tonnen Avocado nach Deutschland eingeführt. 2015 waren es bereits 45.000 Tonnen! Damit hat die Avocado schon die Mango oder auch die Papaya abgehängt. Die verpackungsintensive gut ausgepolsterte Überfahrt (die Avocado verträgt keine Stöße) dauert oft ein Monat lang – in strombetriebenen Kühlcontainern bei 6 Grad.

Reifung in Reifekammern mit Ethan

Wenn die Avocados in Europa ankommen, sind sie noch immer steinhart und ungenießbar. Dann kommen sie für ungefähr 6 Tage in eine Reifekammer, in der das Gas Ethen dafür sorgt, dass die Avocado den richtigen Reifungsgrad für den Konsumenten erreicht. Ethen ist in geringen Mengen ungiftig (kommt auch aus Bananen, daher die Bananen immer getrennt von anderem Obst und Gemüse lagern). Auch die Reifekammer wird gekühlt.

Düngung, Pestizide

Bei konventionellen Avocados kommt als weiteres Problem noch der Kunstdünger bzw. der Einsatz von Pestiziden hinzu. Aus dem Avocadogeschäft ist eine Hightechbranche der reichen Farmer geworden.

Die Avocado „ist eine Frucht, in deren Produktion die Erde mehr Energie steckt, als sie auf Dauer zur Verfügung hat“.¹ Wie konnte es nur zu diesem Missverständnis kommen, dass die Avocado-Konsumenten annehmen, sie tun der Erde etwas Gutes?

Wer es sich trotz allem nicht nehmen lassen will, ab und zu eine Avocado zu verzehren, der sollte zumindest auf

  • die Kennzeichnung mit dem EU-Bio-Siegel (weder Kunstdünger noch Pestizide) und
  • auf ein möglichst nahes Herkunftsland achten.

¹ http://www.zeit.de/2016/43/avocado-superfood-anbau-oekologie-trend

Hinweis: Um schon für die Zeit nach dem Abebben des Avocadobooms auf das nächste Superfood zu setzen, werden bereits Dattelhaine zum Beispiel in Namibia aufgekauft. Übrigens: Datteln benötigen noch mehr Wasser als Avocados.

Edit 27.1.2019: Aktuelle Zahlen zur Avocado – Quelle: Welt-Avocado-Verband, Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO), Statistik Austria, Greenpeace (Kurier 26.1.2019):

  • 2018: 650.000 Tonnen Avocado-Konsum in Europa (um 65% mehr als im Jahr 2016) – für 2019 wird eine Steigerung um 35% erwartet.
  • 5.000.000 Tonnen Avocados Ernte weltweit pro Jahr in den vergangenen Jahren
  • 2018: In den USA werden 1.100.000 Tonnen Avocados verzehrt – absoluter Spitzenreiter!
  • 1.000 Liter Wasser sind nötig, um 1 kg Avocado zu produzieren (dies entspricht 3 Avocados)
  • 1.500 bis 4.000 ha Wald werden pro Jahr gerodet, um Avocados anpflanzen zu können
  • 2017: 8,3 Mio Kilo Avocados wurden nach Österreich importiert (im Vergleich: 2008: 1,9 Mio Kilo)
  • Zwischen 2006 und 2016 stieg die Avocado-Anbaufläche weltweit von 381.000 auf 564.000 ha (großteils in Mexiko)

Ein Kommentar:

  1. Was die Großkonzerne der Umwelt antun und den Menschen, die dort leben ist gruselig. Dafür verzichte ich gern auf Avocados. Trotzdem hat man das Gefühl, man ist den Konzernen hilflos ausgeliefert. Warum tun die Regierungen nicht mehr für die Umwelt und die Bevölkerung ?

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