Klima-Update 19.10.2023


Die Wahrheit ist uns zumutbar. Hier kommt unser Klima-Update vom 19.10.2023, mit Fakten, Infos & Geschichten als Einladung zu Information, Aufwachen und Handeln. Alle Folgen unserer Klima-Updates finden sich hier unter diesem Link. Wir sammeln für euch (fast täglich) die wichtigsten Themen rund ums Klima. Dabei darf natürlich auch Positives nicht zu kurz kommen.

Ebenfalls mehr als nur einen Blick wert: unsere laufend aktualisierte Linksammlung zu vielen verschiedenen Medienberichten zu Klima, Energie und Nachhaltigkeit.

Viele interessante Veranstaltungen gibt es diese Woche in unserem Terminkalender, auch gut geeignet zum Kennenlernen Gleichgesinnter und zum Mut holen.

1. Dr. Maja Göpel, Politökonomin und Transformationsforscherin

„Wir befinden uns in der sogenannten Zwischenzeit. In der Transformationsforschung bezeichnet man damit die Phase, in der das Alte stirbt, der Status quo also keine Zukunft bietet, das Neue aber noch nicht geboren und damit noch wenig anfassbar ist. Wir sehen im Moment, wie die Krisen stärker werden neben den spürbaren Folgen der Klimakatastrophe – Corona als Zoonose mit harter Wirkung auf die Menschen, der Krieg in der Ukraine, die Inflation und die geopolitschen Verschiebungen im Weltmaßstab. In dieser Unsicherheit beobachten wir die Versuchung, wieder ins Alte zurückkehren zu wollen, um unsere Unsicherheit einzuhegen. Und das ist kein gutes Rezept.“

Buchtipps: Maja Göpel „Unsere Welt neu denken (2020)“ und „Wir können auch anders“ (2022)

2. Schweizer Gletscher

Die letzten beiden Jahre waren die schlimmsten in der Geschichte der Schweizer Gletscher. Sie sind um 10% geschrumpft, so viel wie im gesamten Zeitraum 1960 bis 1990. Einige Gletscherzungen sind kollabiert und mehrere kleinere Gletscher vollständig verschwunden. Gletscher sind unter anderem als (Trink)Wasserspeicher von großer Bedeutung. => Mehr Information

Zerstörung für Weltcup – Thedoulgletscher Zermatt

Da verstört dann der Anblick solcher Fotos vom Theodulgletscher bei Zermatt, die gerade im Netz kursieren. Für die nahende Skisaison (Skiweltcup-Rennen Mitte November) wird Eis abgebaggert. Die Zuständigen rechtfertigen sich und beschwichtigen, der Gletscher werde „präpariert“. => Mehr Information Vor kurzem wurde auch berichtet, dass in Sölden der Gletscher mit Baggern für den Weltcupstart zerstört wurde. Ist Skifahren noch zeitgemäß? Bzw müssen um jeden Preis unsere doch relativ jungen Traditionen weiter geführt werden? Die FIS nennt sich aufgrund von Kompensationszahlungen sogar „klimapositiv“. Greenpeace Österreich dazu: „Umweltstandards müssen eine Bedingung für Austragungsorte sein! Gletscher dürfen nicht mehr durch einen Ausbau oder andere gravierende Eingriffe zerstört werden.“

Anmerkung 20.10.2023: Laut Greenpeace Österreich hat die Walliser Baukommission die sofortige Einstellung der illegalen Bauarbeiten für den Skiweltcup im November gefordert.

Bitte unterzeichne diese, von Protect Our Winters gestartete Petition an die FIS: Commit to climate action now!

3. Erfolg für Extinction Rebellion Niederlande

Protest & Aktivismus wirkt – Der Staat soll Klimaschädliches nicht mehr fördern! Klimaaktivist*innen der Organisation Extinction Rebellion Niederlande konnten Zehntausende Menschen aktivieren. Sie haben 27 Tage lang im September 2023 ab Punkt 12 Uhr einen Autobahnabschnitt im niederländischen Den Haag blockiert und ein Ende fossiler Subventionen gefordert. Sie demonstrierten dort, wo Politik und Wirtschaft sie nicht ignorieren konnten: auf der Straße. Mitunter waren gleichzeitig tausende Menschen auf der Straße, die selbst Wasserwerfern der Polizei und Verhaftungen trotzten. Musikgruppen spielten, teils auch ohne Instrumente (nachdem ihnen diese abgenommen worden waren). Ein beeindruckender Zusammenhalt.

Der Protest zeigte Wirkung: Das niederländische Parlament hat nun die Regierung aufgefordert, Szenarien für den Abbau fossiler Subventionen zu erstellen und diesen Ausstiegsplan noch vor der Weihnachtspause zu präsentieren. Aber Achtung! Damit ist zwar natürlich noch nichts umgesetzt, sondern nur ein erster Schritt gesetzt. Wenn nötig, hat Extinction Rebellion angekündigt, mit noch mehr Leuten zurückzukehren. Kohle, Gas und Öl werden vom Staat nach wie vor gefördert. Fossile Unternehmen erhalten derzeit bis zu 45 Milliarden Euro pro Jahr. Damit fördert man den Absatz und unterstützt die dazugehörigen Unternehmen. Erstaunlich: Selbst die Rechtsliberalen und Christdemokraten haben dem Antrag zugestimmt. Quelle: @klima.taz

4. Was bedeutet eigentlich „Letzte Generation“?

Allein der Begriff „Letzte Generation“ führt ja oft zu Schnappatmung, Beschimpfungen und Aggression. So glauben doch einige, dass die Aktivist*innen „sich selbst als Letzte Generation sehen“. Und das finden Karl-Heinz und Konrad dann entweder lächerlich … oder es scheint sie massiv zu verärgern. ABER: Die Bezeichnung bezieht sich überhaupt nicht darauf, dass wir alle aussterben werden. Sondern wir, also alle die jetzt auf der Welt und in der kognitiven Lage sind, das Pariser Klimaabkommen umzusetzen, sind die letzte Generation, die das überhaupt noch tun kann, bevor es zu spät ist. Dazu zählen nicht: kleine Kinder oder sehr alte Menschen, aber auch mangels Handlungsmöglichkeit Jugendliche; junge Menschen sind nämlich meist wenig in politischen Kreisen oder unternehmerischen höheren Etagen zu finden und haben daher keine Möglichkeit, in der dafür notwendigen Zeit Entscheidendes umzusetzen.

Das heißt, wir sind die erste Generation, die die Folgen der Klimakrise spürt, und gleichzeitig sind wir aber alle die Letzte Generation, die den unumkehrbaren Klimakollaps aufhalten kann, bevor Kipppunkte überschritten werden und sich alles verselbständigt. Auch Barack Obama hat 2015 kurz vor der Klimakonferenz in Paris gesagt: „Wir sind die letzte Generation, die etwas gegen den Klimawandel tun kann.“ Daher: Unsere Generation, unser Job!

Die in diesem Jahrzehnt getroffenen Entscheidungen und durchgeführten Maßnahmen werden sich jetzt und für Tausende von Jahren auswirken.

6. Sachstandsbericht des Weltklimarats IPCC, 20.3.2023

5. Warum sind 2 Grad wärmer denn schon ein Problem?

Nehmen manche die Klimakrise deshalb nicht ernst, weil für sie 1,5 Grad, 2, 3 oder 4 Grad wärmer gefühlt nicht so schlimm oder im Gegenteil sogar angenehm sind? Allerdings sind die 1,5 Grad globale Erwärmung, die wir laut Pariser Abkommen nicht hätten überschreiten sollen, ein globaler Mittelwert. Der Durchschnitt von allen Ländern und Meeren der Welt. Das bedeutet, dass es teilweise auch viel wärmer sein kann, gerade Europa erwärmt sich ja bekanntermaßen doppelt so schnell. Und wie so oft verwechseln wir gerne Wetter und Klima (hier mehr zum Unterschied Wetter – Klima). Ein 2 Grad wärmeres Wetter ist absolut kein Problem, ein 2 Grad wärmeres Klima aber sehr wohl. Auch wenige Grad Veränderung bedeuten damit nämlich eine komplett veränderte Welt. 1,5 Grad globale Erwärmung ist kein Kinderspiel, sondern bezeichnet das Limit, an das wir uns noch ohne große Verluste halbwegs anpassen können. Ab einer Erwärmung von 2 Grad ist Anpassung schwer bis gar nicht möglich.

Die letzte Eiszeit war zB nur um vier bis fünf Grad kälter als heute, sie hatte ihren Höhepunkt vor etwa 21.000 Jahren und ging vor etwa 10.000 Jahren zu Ende. Es reichte aus, um große Teile Europas unter dicksten Gletschern zu begraben. Teilweise bis zu drei Kilometer (! kein Schreibfehler) waren die Eisschilde dick. Der Meeresspiegel lag ca. 130 Meter unter dem heutigen Niveau, weil so viel Wasser als Eis gebunden war.

Auch unser menschlicher Körper ist im Prinzip so ein System: Unsere normale Körpertemperatur liegt zwischen 36,5 und 37,4 Grad. Mit 39 Grad geht es uns schon ziemlich schlecht, und 40 halten wir auf Dauer nicht aus.

6. UN befürchten weitere Katastrophen

„Die Vereinten Nationen befürchten durch den Klimawandel eine Zunahme von Katastrophen mit schweren Auswirkungen auf Landwirtschaft und Ernährungssicherheit. Dies geht aus einem Bericht hervor, den die UN-Ernährungs- und -Landwirtschaftsorganisation (FAO) veröffentlichte. Demnach nahm weltweit die Zahl an Katastrophen (schwere Unwetter, Fluten oder auch Dürren) in den vergangenen Jahrzehnten deutlich zu – von etwa 100 pro Jahr in den 1970er-Jahren auf 400.“ Quelle: Salzburger Nachrichten, 16.10.2023

7. Was bedeutet eigentlich „Zusammenbruch unserer Zivilisation“?

Hört man immer wieder und viele finden den Ausdruck wohl „übertrieben“ oder können sich nichts darunter vorstellen. Eine 2 Grad wärmere Welt wird nicht dazu führen, dass wir alle aussterben. Selbst bei 4 Grad plus wird ein kleiner Teil der Menschen, trotz widriger Bedingungen, wahrscheinlich überleben. Nur wird es ur-ungemütlich werden und zum Zusammenbruch unserer Industrie-Zivilisation kommen. Aber was bedeutet denn dieser „Zusammenbruch der Zivilisation“ eigentlich?

Im Buch „How Everything Can Collapse“ heißt es: „Ein Zusammenbruch ist der Prozess, an dessen Ende die Grundbedürfnisse (Wasser, Nahrung, Wohnen, Kleidung, Energie usw.) für die Mehrheit der Bevölkerung nicht mehr [zu angemessenen Kosten] durch Dienstleistungen gedeckt werden können.“

Es droht mit zunehmenden Temperaturen, mit Unwetterkatastrophen, mit dem Anstieg des Meeresspiegels sowie der weiteren Ausbeutung der Ressourcen unserer Erde der Zusammenbruch unserer Trinkwasser- und Essensversorgung, unseres Gesundheitssystems. Einen einzigen, plötzlichen Gesamtcrash wird es nicht geben. Nach und nach brechen einzelne Systeme zusammen. Was nicht bedeutet, dass die Menschheit ausgelöscht wird, aber dass die gegenwärtige Lebensweise unserer „industriellen Gesellschaft“ nicht mehr aufrecht zu erhalten ist. Es wird zu Massenflucht kommen, da in gewissen Ländern sehr rasch nicht mehr überlebt werden kann, weil zu heiß, zu trocken oder häufig wiederkehrende Extremwetterereignisse, von Bränden bis zu Überschwemmungen, alles zerstören. Um verbleibende fruchtbare und lebenswerte Flächen, um Nahrungsmittel und um Trinkwasser wird es zu Kriegen und katastrophalen Verwerfungen kommen. Es werden unsere demokratischen Strukturen und unser Rechtssystem zusammenbrechen. Wie Dominosteine werden unsere Systeme kollabieren: Finanzen, Wirtschaft, Politik, Sozialsysteme, Gesellschaft, Kultur …

Wenn die Gesellschaft zusammenbricht, wird das Leben wohl „einfacher“ werden (müssen). Es kann also sein, dass bis zum Ende des 21. Jahrhunderts (also in rund 75 Jahren) die Menschen wieder so leben, wie zu Beginn des 19. Jahrhunderts. => 10 Gründe, warum unsere Zivilisation bald zusammenbricht

8. Bio-Marktgärtnerei Am Buchberg

Übrigens: Die Marktgärtnerei hat noch freie Ernteanteile für die kommende Saison zu vergeben! Mehr darüber: Bio-Marktgärtnerei Am Buchberg

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