Wetter – Witterung – Klima: Wo liegt der Unterschied?


Kommen euch folgende Sätze bekannt vor? „Heiße Sommer hat es doch immer schon gegeben!“ Oder: „Heute ist es so kalt – wo bleibt denn da nur der Klimawandel?“ Oder: „Erderwärmung? Also ich hätte nichts dagegen, wenn es bei uns etwas wärmer wäre.“

© Johanna Ziegerhofer

Solche Aussagen fallen doch gerne mal im einen oder anderen Alltagsgespräch, oder? Sie zeigen deutlich auf, dass die Vorstellung von einer globalen Erwärmung nicht mit der persönlichen Erfahrung von tagelangem Regenwetter zusammenpasst. Das liegt daran, dass hier zwei Begriffe miteinander verwechselt werden, die zwar sehr eng zusammenhängen, aber trotzdem Verschiedenes bezeichnen, nämlich Wetter und Klima.

Beide Begriffe beschäftigen sich mit natürlichen Phänomenen in unserer Atmosphäre, jedoch unterscheiden sie sich darin, für wie lange diese Phänomene betrachtet und gemessen werden. Daher ist der wichtigste Unterschied zwischen Klima und Wetter die Zeitspanne der Beobachtung:

Das Wetter

Das Wetter ist der momentane Zustand der untersten Schicht der Atmosphäre an einem bestimmten Ort zu einer bestimmten Zeit.

© Johanna Ziegerhofer
  • Dieser Zustand ist abhängig von bestimmten Elementen, die an den Wetterstationen beobachtet und gemessen werden – zu ihnen zählen Lufttemperatur, Luftdruck, Luftfeuchtigkeit, Windgeschwindigkeit, Windrichtung, Bewölkung und Niederschlag.
  • Da diese Wetterelemente eng zusammenspielen und sensibel auf verschiedenste Einflüsse reagieren, verändert sich das Wetter besonders häufig und mitunter auch sehr kurzfristig: Innerhalb von wenigen Stunden kann das schönste Badewetter mit strahlendem Sonnenschein in ein heftiges Gewitter mit strömenden Regen umschlagen.
  • Genauso wichtig ist die regionale Betrachtung, denn das Wetter an einem Ort kann sich vom Wetter an einem anderen Ort – auch wenn er nur wenige Kilometer entfernt liegt – stark unterscheiden. Während es etwa im Murtal bereits dicke Flocken schneit, bleibt das Grazer Becken noch trocken.
  • Aufgrund dieser häufigen Schwankungen sind genaue Wettervorhersagen nur für fünf bis zehn Tage möglich.

Die Witterung

Bleibt ein bestimmter Wettercharakter über mehrere Tage, Wochen oder sogar Monate (bis hin zu Jahreszeiten) bestehen, spricht man von Witterung.

  • Sie wird durch die aktuelle Großwetterlage bestimmt – das ist die durchschnittliche Luftdruckverteilung in einem größeren Gebiet (z.B. Europa) über mehrere Tage hinweg.
  • Ein klassisches Beispiel für Witterung ist der Altweibersommer, also jene warmen und trockenen Tage Ende September und Anfang Oktober.

Das Klima

Das Klima bezeichnet den durchschnittlichen Zustand der Atmosphäre über längere Zeiträume hinweg (mindestens 30 Jahre).

  • Das bedeutet, dass das Klima selbst nicht direkt beobachtbar ist, sondern rechnerisch ermittelt wird: Auf Basis langfristiger Wetteraufzeichnungen wird der mehrjährige Durchschnitt von Lufttemperatur, Niederschlag, Sonnenscheindauer usw. berechnet. Auch Schwankungen, Abweichungen vom Durchschnitt und Extremwerte sind von großem Interesse in der Klimaermittlung. Zudem spielt auch hier die lokale Betrachtungsweise eine wichtige Rolle, denn das Klima kann sowohl für einen einzigen Ort als auch für größere Regionen oder auch die ganze Erde errechnet werden.
  • Das Klima ist also eine statistische Abbildung vom Zustand des Klimasystems der Erde. Die Grundbausteine des Klimasystems sind die sogenannten Geosphären – verschiedene Schichten, aus denen sich unser Planet zusammensetzt:
    • Atmosphäre: dünne Gashülle, die die Erdoberfläche schützend umgibt
    • Lithosphäre: Gesteinshülle der Erde, die aus Erdkruste und Erdmantel besteht
    • Pedosphäre: Bodenschicht, die die Atmosphäre von der Lithosphäre trennt – hier überschneiden sich alle Sphären und befinden sich im Austausch
    • Biosphäre: alle Arten von Pflanzen und Lebewesen (Menschen, Tiere, Insekten, Mikroorganismen) – sie ist entscheidend für den Kohlenstoffkreislauf – das „Atmen“ der Erde
    • Hydrosphäre: gesamtes Wasservorkommen auf der Erde (Ozeane, Seen, Flüsse, Wasserdampf…) – diese Schicht ist besonders eng mit den anderen Sphären verbunden
    • Kryosphäre: alle gefrorenen Teile der Hydrosphäre (Eis, Schnee, Gletscher, Permafrost …) – sie spielt eine wichtige Rolle beim Eis-Albedo-Rückkopplungseffekt
© Grafik & Design: Hannah Schedl – 10/2020

Diese „Grundbausteine“ des Klimas hängen komplex zusammen und werden durch äußere Einflüsse angetrieben. Dazu zählen die Sonnenenergie, Plattentektonik (das „Wandern“ der Erdkrustenteile), Vulkanismus, Schwankungen in der Erdumlaufbahn, die Neigung der Erdachse und die Treibhausgase, die die Erderwärmung durch die Sonne verstärken. Diese Faktoren verursachen einen ständigen Energieaustausch der Sphären, die stets ein Energiegleichgewicht anstreben. Beispielsweise bewirkt die Neigung der Erdachse, dass die Sonneneinstrahlung ungleich verteilt ist und die Erde sich unterschiedlich stark erwärmt. Unterschiedliche Temperaturen wirken sich wiederum auf den Luftdruck aus – dadurch entstehen Windbewegungen, um einen Ausgleich zwischen den unterschiedlichen Luftdruckgebieten zu erreichen. Dieser ständige Energieaustausch ist der Grund dafür, dass es Jahreszeiten und unterschiedliche Klimazonen gibt.

© Grafik & Design: Hannah Schedl – 10/2020

Beim Unterschied zwischen Wetter und Klima ist es – vereinfacht betrachtet – wie beim Schulnotensystem: Genauso wie das Wetter, werden auch die Leistungen der Schülerinnen und Schüler beobachtet, aufgezeichnet und durch Benotung messbar gemacht. Am Ende des Schuljahres wird aus allen über das Jahr gesammelten Noten aus Tests, Schularbeiten etc. der Durchschnitt berechnet, der als Jahresnote ins Zeugnis kommt. Hier lässt sich wieder ein guter Vergleich zum Klima ziehen, denn die Jahresnote ist ebenfalls eine statistische Größe und nicht direkt beobachtbar: Ich kann bei den ersten beiden Mathematikschularbeiten gerade noch einen 4er schaffen und mich bei den anderen zwei Schularbeiten jeweils zu einem 2er hocharbeiten – im Endeffekt kommt ein 3er ins Zeugnis, den ich eigentlich nie geschrieben habe, aber der den Durchschnitt meiner Gesamtleistung widerspiegelt.

Von einer einzelnen Schularbeit kann man daher nicht direkt auf die Gesamtnote schließen, genauso wenig wie von einer einzigen Wetterbeobachtung aufs Klima. Und das ist wichtig, um nicht in die anfangs erwähnten Denkfallen zu tappen: Erderwärmung bedeutet, dass sich die errechnete (!) Durchschnittstemperatur auf der Erde allmählich erhöht und dadurch das Energieaustauschsystem der Geosphären massiv beeinflusst wird. Das bewirkt wiederum Veränderungen im Wetterbereich, die sich regional unterschiedlich äußern – die Existenz von kaltem Wetter ist damit aber noch nicht gefährdet.

Wir danken Johanna Ziegerhofer (Studierende Global Studies) für die umfassende Recherche sowie Hannah Schedl (Studierende FH Joanneum Informationsdesign) für die informativen Grafiken! Johanna wird uns in Zukunft noch über weitere wichtige Klima-Themen aufklären.

Quellen:

  • https://www.alpinmesse.info/de/Wetter–Witterung-und-Klima?fbclid=IwAR05oU0bhz8Qbe-DX1pGpWjDAwX6ZhYzvN6avaoyd7iLvPGdy6pswEz0yUU
  • www.dwd.de/lexikon
  • https://herr-kalt.de/geographie/wetter-witterung-klima
  • https://mpimet.mpg.de/en/communication/climate-faq/whats-the-difference-between-weather-and-climate/
  • https://www.zamg.ac.at/cms/de/klima/informationsportal-klimawandel/klimaforschung/wetter-und-klima
  • https://www.zamg.ac.at/cms/de/klima/informationsportal-klimawandel/klimasystem/geosphaeren

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