Der Klimawandel – Was macht ihn so gefährlich?

„Klimaveränderungen hat es doch schon immer gegeben!“ Diese Aussage wird seitens klimawandelskeptischer Personen gerne dafür genutzt, um den gegenwärtigen Klimawandel zu verharmlosen und sämtliche Bemühungen, gegen ihn anzukämpfen, in Frage zu stellen. Doch wie viel Wahrheit steckt hinter diesem Argument? Ist die aktuelle Erderwärmung mit Klimaveränderungen in der Vergangenheit gleichzusetzen?

Grundsätzlich stimmt die Aussage, dass sich das globale Klima im Laufe der Erdgeschichte mehrmals gewandelt hat. Es gab auch schon Zeiten, in denen die globale Durchschnittstemperatur weitaus höher war als heute, genauso wie der CO²-Anteil in der Atmosphäre. Allerdings reichen diese Informationen nicht aus, um die aktuelle Erderwärmung auf die leichte Schulter zu nehmen. Auch minimale Veränderungen können die Prozesse in der Natur – und somit die Bedingungen, unter denen wir leben – massiv beeinflussen. Um das zu verstehen und die ausgehende Gefahr des gegenwärtigen Klimawandels begreifen zu können, ist es notwendig, einen Blick auf die Klimageschichte unseres Planeten zu werfen.

Warmklima vs. Eiszeitalter

Seit der Entstehung unsere Erde vor 4,6 Milliarden Jahren gab es mehrere natürliche Klimaschwankungen. In erster Linie werden dabei zwei Phasen unterschieden: Das Warmklima und das Eiszeitalter.

  • Das Warmklima kann quasi als „Normalzustand“ des Erdklimas betrachtet werden, in dem eine Durchschnittstemperatur von 20 bis 25°C herrscht (aktuell: 16°C). Dieses Warmklima wurde seitdem von mehreren Eiszeitaltern unterbrochen
  • Ein Eiszeitalter zeichnet sich dadurch aus, dass beide Pole vereist und mindestens 10% der Erdoberfläche ständig mit gefrorenem Wasser (Gletschereis, Meereis oder Schnee) bedeckt sind.
    Aus der Erdgeschichte wissen wir, dass es in den letzten 950 Milliarden Jahren mindestens sechs Eiszeitalter gab. Das letzte Eiszeitalter begann vor 2,6 Millionen Jahren und dauert bis heute an – das heißt, dass sich unser Planet gegenwärtig in einem Eiszeitalter befindet.

Als Hauptursache für die unterschiedlichen Phasen gilt die Plattentektonik (Bewegungen der Erdkrustenteile): Erst wenn sich große Landmassen in der Nähe der Pole befinden, können sich diese vereisen. Die Vereisung wiederum bewirkt eine selbstverstärkende Eis-Albedo-Rückkopplung. (Mehr dazu im kommenden Artikel „Rückkopplungseffekt“).

Warmzeiten und Kaltzeiten innerhalb des Eiszeitalters

Im Eiszeitalter werden wieder zwei Phasen unterschieden, die sich einander abwechseln, nämlich Kaltzeiten und Warmzeiten:

  • Kaltzeit (Glazial): In dieser Phase sind große Gebiete der Erde vereist. Umgangssprachlich wird die Kaltzeit auch „Eiszeit“ genannt, allerdings führt diese Bezeichnung häufig zu Verwechslungen mit dem Eiszeitalter.
    Die letzte Kaltzeit (die sogenannte „Würm-Eiszeit“) begann vor 115 000 Jahren und endete vor ungefähr 12 000 Jahren. Am Höhepunkt dieser Phase reichte das Polareis bis ins heutige Deutschland und auch große Teile der Alpen waren vergletschert. Dadurch, dass große Mengen an Wasser im Polareis gespeichert waren, lag der Meeresspiegel 120 bis 130 Meter unter dem heutigen Niveau. Somit war etwa Großbritannien mit dem europäischen Festland und Sibirien mit Alaska verbunden. 
  • Warmzeit (Interglazial): In dieser Phase ist die Erde nur zu einem kleinen Teil vereist. Vor 12 000 Jahren setzte der Übergang von der Würm-Eiszeit zur Warmzeit ein und dauerte einige Tausend Jahre. Seit 11 000 Jahren befindet sich die Erde also in einer relativ stabilen Warmzeit, dem sogenannten „Holozän“.

Ausgelöst werden die Schwankungen zwischen Warmzeiten und Kaltzeiten durch regelmäßige Veränderungen der Erdumlaufbahn und der Neigung der Erdachse. Dadurch verändert sich das Ausmaß an Sonnenenergie, das auf die Erde einwirkt. Hier können schon Schwankungen von wenigen Watt pro Quadratmeter Erdoberfläche Veränderungsprozesse in Gang setzen, die durch Rückkopplungseffekte (z.B. Eis-Albedo-Rückkopplung) verstärkt werden.

Der Temperaturunterschied zwischen Kalt- und Warmzeit beträgt durchschnittlich 4°C, zwischen den heißesten Warm- und den kältesten Kaltphasen 6°C. Hier ist deutlich erkennbar, welche großen Auswirkungen bereits eine um wenige Grade veränderte Durchschnittstemperatur der Erde haben kann.

Harmlose Klimaschwankungen oder doch problematische Übergänge?

Der Blick in die Vergangenheit zeigt, dass Klimaschwankungen stets die Entwicklung der Menschheit beeinflusst haben:

Vor 200 000 Jahren entwickelte sich der heutige Mensch (homo sapiens sapiens) in Afrika. Von dort aus breitete er sich nach Asien und Europa aus – als Grund für diese Wanderbewegungen gelten klimatische Veränderungen, da sie mit dem Beginn der letzten Kaltzeit („Würm-Eiszeit“) zusammenfallen. So kam es, dass sich der Mensch während der Kaltzeit global ausbreitete. Begünstigt wurde das durch den niedrigen Meeresspiegel, der Wasserwege verkürzte.

Mit dem Übergang von der Kaltzeit zur Warmzeit, dem heutigen Holozän, wurde der Mensch allmählich sesshaft und die enorme kulturelle und technische Entwicklung des Menschen nahm ihren Lauf. Eine besonders entscheidende Rolle spielte dabei die Phase des sogenannten „Klimaoptimums“ auf der Nordhalbkugel. Dieses begann vor ca. 8000 Jahren und hielt vier Jahrtausende an. Die mitteleuropäische Durchschnittstemperatur in dieser Phase war sehr hoch und vergleichbar mit jener der 2010er-Jahre. Während dieser Zeit trocknete die Sahara, die damals ein fruchtbarer Landstrich mit vielen großen Säugetieren war, aus. Somit gab es dort nicht mehr ganzjährig die Möglichkeit, vom Jagen und Sammeln zu leben und die Menschen waren gezwungen, auf Ackerbau und Viehzucht umzusteigen. Infolgedessen wurden sie aber auch vom lokalen Wetter abhängig, das sich auf den Ernteertrag auswirkte. Auf diese Weise entwickelten sich die Lagerhaltung und der überregionale Warenaustausch. Diese kulturelle Umstellung aus klimatischen Gründen gestaltete sich zu Beginn besonders schwierig (Skelettfunde zeugen von verstärkter Mangelernährung), führte aber langfristig gesehen zu Städte- und Staatenbildung und der Ausbildung der ersten Hochkulturen in Ägypten, Mesopotamien, China und Indien.


Diese Grafik zeigt den Verlauf der globalen Durchschnittstemperatur der letzten 500 Millionen Jahre. Die Null-Linie repräsentiert das Durchschnittsniveau im Zeitraum von 1960 bis 1990 und die Schwankungen zeigen an, wie viele Grade die Durchschnittstemperaturen früherer Zeiten von diesem Vergleichszeitraum abweichen (linke Seite Celsius, rechte Seite Fahrenheit). Die beiden roten Punkte am rechten Ende der Grafik symbolisieren das errechnete „worst case“-Szenario der möglichen Temperaturabweichungen in den Jahren 2050 und 2100.
Quelle: Glen Fergus, All palaeotemps, CC BY-SA 3.0 (https://en.wikipedia.org/wiki/Paleoclimatology#/media/File:All_palaeotemps.svg)

Mit dem Sesshaft-Werden des Menschen ging also seine Abhängigkeit vom Wetter und dessen Schwankungen einher, die ja Auswirkungen klimatischer Bedingungen sind. Seit dieser Phase gab es mehrmals Klimaschwankungen, die auf die Lebensweise der Menschen und historische Entwicklungen großen Einfluss hatten (z.B. eine Kaltphase während der Zeit der Völkerwanderung oder die sogenannte „Kleine Eiszeit“ zwischen dem 14. und 19. Jahrhundert). Auch jetzt befinden wir uns wieder in einer Veränderungsphase, in der unsere Anpassungsfähigkeit gefordert ist. Die eindeutigen Zeichen dieser klimatischen Veränderung sind eine steigende globale Durchschnittstemperatur und das Schmelzen der Polkappen und Gletscher. Der aktuelle Klimawandel unterscheidet sich jedoch von allen anderen darin, dass er nicht wie alle bisherigen Klimaschwankungen auf natürliche Auslöser zurückzuführen ist, sondern menschliches Handeln der Ursprung ist. (Mehr dazu im kommenden Artikel „Treibhauseffekt“)

Auf Basis dieser Fakten können wir sagen: Ja, Klimaschwankungen gab es tatsächlich schon immer, jedoch hatten sie massiven Einfluss auf die Lebensumstände der Menschen und lösten auch kulturelle Veränderungsprozesse aus. Das passierte allerdings über Jahrhunderte oder Jahrtausende hinweg. Die aktuelle Erderwärmung schreitet hingegen enorm schnell voran, sodass die globale Durchschnittstemperatur in diesem Jahrhundert sogar um weitere 4 Grad ansteigen könnte. Wie wir gesehen haben, machen bereits wenige Grade den Unterschied zwischen einer Kaltzeit und einer Warmzeit bzw. zwischen einem Eiszeitalter und einer Warmphase aus. Dadurch ist eindeutig erkennbar, welche große Bedeutung der vom Menschen verursachte Klimawandel für unser Leben hat und welche Gefahren von ihm ausgehen können.

Quellen:

  • Kromp-Kolb, Helga; Formayer, Herbert: +2 Grad. Warum wir uns für die Rettung der Welt erwärmen sollten. Wien, Graz: Molden Verlag, 2018
  • https://www.esa.int/Space_in_Member_States/Germany/Klimageschichte_1_Leben_im_Eiszeitalter
  • https://www.zamg.ac.at/cms/de/klima/informationsportal-klimawandel/klimavergangenheit/palaeoklima/4-6-mrd.-jahre

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2 Kommentare:

  1. Hallo! Sehr interessant. Ihr könntet evt. auch dahin verlinken für weitere Infos: https://klimawissen.uni-graz.at/de/

  2. Pavicsits Wilhelm

    Die vermehrten Brandkatastrophen als deutlichstes Kennzeichen des „Klimawandels“ kommen sicher nicht vom Brandhemmer und Brandlöscher CO2 sondern von den Brennspiegeln am Himmel, in der Art der Wolken aus Eiskristallen, die zusätzlich eine Treibhauswirkung haben. Mit dieser 2-fach-Wirkung, die synchron zu ihrer optischen Erfassung messbar ist, sind die Wolken aus Eiskristallen nicht nur die gefährlichsten sondern auch die mit großem Abstand am besten bewiesenen Wetter- bzw. Klimaveränderer.

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