Zigarettenstummel

Die Zahlen, die uns GLOBAL 2000 liefert, nämlich dass in Österreich pro Jahr zwischen 13 und 16 Milliarden Zigaretten geraucht werden, schockieren. Diese Menge ergibt einen Müllberg von 4.500 bis 5.500 Tonnen Zigarettenstummel. Die leider zu einem gar nicht so geringen Anteil in der Natur oder in unseren Städten auf dem Boden landen.¹

Warum ist es bei uns üblich und anscheinend nicht verpönt, dass die Tschickstummel einfach auf dem Boden landen oder aus dem Auto geworfen werden?


Außerdem sind die Zigarettenstummel ja nicht nur ein ästhetisches Problem, sondern vielmehr ein sehr giftiges: in den Filtern, die zunächst vor dem Rauchen selbst ungiftig wären, sind unzählige giftige Chemikalien in hoher Konzentration gespeichert, die mehr oder weniger langsam ihre Giftstoffe in die Umwelt abgeben. Dazu zählen neben Nikotin auch Arsen, Blausäure, Dioxine und Schwermetalle wie Blei, Kupfer, Cadmium und Chrom. Direkt betroffen sind Fische, wenn die Zigarettenstummel im Wasser landen (bereits 1 Stummel pro 1 l Wasser reicht aus, dass innerhalb von nur 4 Tagen die Hälfte der darin befindlichen Fischpopulation stirbt) aber auch kleine Kinder oder Hunde, die sie verschlucken. Der Verrottungsprozess dauert bei den Zigarettenstummeln zwischen 10 und 15 Jahren. Indirekt wandern die Giftstoffe durch Regen und Ausschwemmung langsam in Grundwasser, Boden und Kanalisation.

Dabei kann das achtlose Wegwerfen eines Zigarettenstummels (oder sonstigen Mülls) auf Straßen, Gehsteigen oder in Parks von der Grazer Ordnungswache ab dem 15.6.2017 als Verstoß gegen die Grazer Straßenreinhalteverordnung mit € 35,- Strafe belegt werden. Die momentan 54 Angestellten der Ordnungswache haben nun auch den Auftrag, sich verstärkt der Einhaltung der Sauberkeit der Stadt zu widmen. Seit Anfang Mai ist dazu auch eine Radfahrstreife der Ordnungswache unterwegs und kann so relativ schnell eingreifen. Wurde bisher hauptsächlich abgemahnt, soll nun auch mehr angezeigt und gestraft werden. Zahlen der Grazer Ordnungswache vom 1.1.2016 – 30.4.2017: Verstoße gegen die Grazer Straßenreinhalte-verordnung: 783 Ermahnungen, 1 Organmandat und 5 Anzeigen.²

Zum Vergleich Wien: dort sind es seit Anfang des Jahres 2017 bis zu € 90,– Strafe. Dafür gibt es auch rund 50 eigene hauptberufliche „Waste Watcher“, die dafür sorgen sollen, dass die Stadt sauberer wird. Einnahmen aus den Strafen werden für Säuberungsmaßnahmen verwendet. In den in Wien bei allen Mistkübeln angebotenen Aschenrohren landen jährlich rund 100 Millionen Zigarettenstummel (dafür laut GLOBAL 2000 trotz der Strafen noch immer rund 868 Millionen Stück auf dem Boden).

Kleiner Ausflug nach Wien zu einem Bericht der Waste Watcher: https://inwien.at/Ein-Tag-unter-WasteWatchern.ein-tag-unter-wastewatchern.0.html

5-Minuten-Sammelaktion rund um die Pfarre St. Leonhard


Tipps für RaucherInnen:

  1. Bei den meisten Grazer Mistkübeln befinden sich Aschenbecher, in die nicht nur die Asche, sondern auch der Zigarettenstummel entsorgt werden darf.
  2. Für Ausflüge ins Grüne: es gibt tragbare Aschenbecher oder eine kleine zweckentfremdete, nicht brennbare Dose würde hier auch ihre Dienste erfüllen.

Tipps für Alle:

  1. Mit dem Rauchen aufhören oder gar nicht mit dem Rauchen beginnen!
  2. Ab und zu auch ein paar herumliegende Zigarettenstummel aufheben und in den Müll werfen! Einfach daran denken, dass man dadurch verhindert, dass sich die Giftstoffe lösen und in Grundwasser und Boden gelangen. Wie hat heute eine Freundin formuliert, die auch immer wieder Müll einsammelt?: „sie ist auf der Welt, um ihr zu dienen!“ – das gefällt mir!
  3. Eventuell direkt ansprechen, wenn Leute offensichtlich ihre Zigarettenstummel achtlos wegwerfen.
  4. Ein Ansatz wäre es, die Tabakindustrie für die Kosten der Stummelreinigungsaktionen aufkommen zu lassen.

Quellen:
¹) https://www.global2000.at/zigarettenstummel
²) Der Grazer, 14.5.2017

2 Kommentare:

  1. Es gab vor gut vier Jahren die Möglichkeit, Zigarettenstummel über eine Firma in Wien zu recyceln. An diesem Programm haben wir teilgenommen und fanden es gut. Dann zog die dahinterstehende Firma wohl keinen Profit daraus und das Programm wurde eingestellt. Wir sammeln unsere Tschick nach wie vor, müssen sie aber jetzt in den Restmüll werfen. Ich denke, da könnte man schon einmal von der Stadtregierung Lösungen einfordern.
    Als rigoroser Mülltrenner sehe ich mit Bestürzen, dass von diversen Putzkolonnen auch säuberlich getrennter Müll in einen großen Sack geleert und dann im Restmüll versenkt wird. In den meisten Büros wandert aber einfach alles in einen Papierkorb und der zuständige Raumkosmetiker hat zu wenig Zeit, um das alles dann heraus zu fieseln (ca. 15 Minuten pro Büro) Und da helfen keine Strafen von der Ordnungs-wache! Da muss wieder mehr Aufklärung und Bewusstsein in der Öffentlichkeit geschaffen werden – für den einzelnen Bürger. Die nun geschaffene Vernaderungsmöglichkeit ruft nur neue „Blockwarte“ ins Leben – die üblichen Querulanten, die gerne Grätzelsherrifs wären.
    Die gewerbsmäßigen Müllsünder werden nach wie vor ihr Unwesen treiben, denn von ihrer Tätigkeit hängen ja Arbeitsplätze ab – sagen sie.

  2. Eine ganze Menge Anregungen!
    Für jeden einzelnen kommt Müllvermeidung kommt noch immer vor Mülltrennung. Für Raucher empfiehlt sich (meiner Meinung) der Umstieg auf Naturtabak und filterlos.
    Mülltrennung ist uns natürlich ein großes Anliegen und gerade große Unternehmen machen hier einen wichtigen Teil aus. Wir stimmen zu, das mehr Aufklärung und Bewusstsein in der Öffentlichkeit geschaffen werden muss.

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