Zigarettenstummel

Tschickstummel … pures Gift für die Umwelt

Anlässlich des Weltnichtrauchertags am 31. Mai aktualisieren wir unseren alten Beitrag über die achtlos weggeworfenen Tschickstummeln. Sie sind nicht nur ein ästhetisches Problem, sondern schädigen massiv unsere Ökosysteme. Daher treffen wir uns auch am 31.5.2022 um 17 Uhr mit einigen Bezirkspolitiker*innen des Bezirksrates St. Leonhard beim Nachhaltigkeitsladen in der Leonhardstraße 38, um Müll zu sammeln (Schwerpunktaktion Zigarettenstummel). Mehr zur Müllsammelaktion hier. Wir sind uns leider sicher, dass wir auch dieses Mal besonders viele Zigarettenkippen sammeln werden.

Die Zahlen, die uns GLOBAL 2000 liefert, nämlich dass in Österreich pro Jahr zwischen 13 und 16 Milliarden Zigaretten geraucht werden, schockieren. Diese Menge ergibt einen Müllberg von 4.500 bis 5.500 Tonnen Zigarettenstummel. Die leider zu einem gar nicht so geringen Anteil in der Natur oder in unseren Städten auf dem Boden landen.¹

Warum ist es bei uns üblich, gesellschaftsfähig und anscheinend nicht verpönt, dass die Tschickstummel einfach auf dem Boden landen oder aus dem Auto geworfen werden? Die Welt – ein Aschenbecher?

Die Probleme gibt es – wahrscheinlich mit Ausnahme von Singapur – auf der ganzen Welt. Barcelona erlässt (nicht nur) aufgrund seines massiven Zigarettenkippenmülls ab Juli 2022 zum Beispiel ein Rauchverbot an allen Stadtstränden und folgt damit bereits einigen anderen spanischen Stränden. ²

Inhaltsstoffe

In der Natur weggeworfene Zigarettenstummel, vor allem Reste von Filterzigaretten sind ein giftiges Problem. In den Filtern, die zunächst vor dem Rauchen selbst ungiftig wären, sind unzählige giftige Chemikalien in hoher Konzentration gespeichert, die mehr oder weniger langsam ihre Giftstoffe in die Umwelt abgeben. („Bis zu 4.000 unterschiedliche Chemikalien stecken im Filter, 250 davon sind giftig, 90 sogar krebserregend“, so Saubermacher-Unternehmenssprecherin Bernadette Triebl-Wurzenberger – Quelle: Grazer Woche 5.2.2020). Dazu zählen neben Nikotin auch Arsen, Blausäure, Dioxine, Formaldehyd und Schwermetalle wie Blei, Kupfer, Cadmium und Chrom.

Direkt betroffen sind Fische und andere Organismen wie zB Wasserflöhe und Mikroorganismen, wenn die Zigarettenstummel im Wasser landen (bereits 1 Stummel pro 1 l Wasser reicht aus, dass innerhalb von nur 4 Tagen die Hälfte der darin befindlichen Fischpopulation stirbt) aber auch kleine Kinder oder Hunde, die sie verschlucken. Auch in den Gulli oder Kanaldeckel soll daher der Zigarettenstummel nicht geschnippt werden. Auf Frankreichs Kanaldeckel steht übrigens: „Werfen Sie nichts hinein, denn hier beginnt das Meer!“

Dauer der Verrottung

Der Verrottungsprozess dauert bei den Zigarettenstummeln zwischen 10 und 15 Jahren. Indirekt wandern dabei die Giftstoffe nach und nach durch Regen und Ausschwemmung langsam in Grundwasser, Boden und Kanalisation. Im Salzwasser kann die Zersetzung sogar mehrere hundert Jahre dauern.

Brandgefahr

Seit dem Klimawandel und den dadurch immer heißer und trockener werdenden Sommern ist auch in unseren Breiten vor der Brandgefahr durch achtlos weggeworfene Zigarettenstummel auch im Stadtbereich eindringlichst zu warnen. Ich erinnere mich an eine Veranstaltung bei einem Grazer Studentenheim im Sommer 2020, als jemand aus einem Fenster der oberen Stockwerke einen noch brennenden Tschickstummel aus dem Fenster warf (!!!) und leider die Stoffabdeckung meines Lastenrades traf. Obwohl sofort entfernt, blieb ein Loch zurück.

Wohin mit den Zigarettenkippen?

Restmüll
Sie gehören in den Restmüll. Bitte auf keinen Fall in den Biomüll schmeißen! Aschenbecher bei Müllsammelbehältern (siehe Foto oben) nehmen nicht nur Asche, sondern auch Stummel auf. Sollte kein Aschenbecher vorhanden sein, dann warten, bis die Zigarette gut ausgedämpft ist und den Stummel in den normalen Abfalleimer entsorgen.

Taschenaschenbecher
Für unterwegs bietet sich auch ein Taschenaschenbecher an. Auch eine kleine zweckentfremdete Dose tut ihre Dienste.

Ballot Bins – Abstimmungsboxen
Ob solche Ballot Bins dazu führen, dass Menschen ihre Kippen verstärkt einwerfen? Was meinst du? Laut Studien reduziert der Ballot Bin die Anzahl achtlos in die Umgebung geworfener Zigarettenstummel um bis zu 46%. Leider ist das Angebot in Graz zu diesen positiven Anreizen noch ziemlich bescheiden. Hast du weitere Fotos solcher Abstimmungsboxen für uns?

Ein sogenannter „Ballot Bin“ zur Abstimmung findet sich am Grazer Hauptplatz

Rechtliche Situation in Graz

Dabei kann das achtlose Wegwerfen eines Zigarettenstummels (oder sonstigen Mülls) auf Straßen, Gehsteigen oder in Parks von der Grazer Ordnungswache seit dem 15.6.2017 als Verstoß gegen die Grazer Straßenreinhalteverordnung mit rund € 35,– Strafe belegt werden.

Zum Vergleich: Rechtliche Situation in Wien

Dort sind es seit Anfang des Jahres 2017 bis zu € 90,– Strafe. Dafür gibt es auch rund 50 eigene hauptberufliche „Waste Watcher“, die dafür sorgen sollen, dass die Stadt sauberer wird. Einnahmen aus den Strafen werden für Säuberungsmaßnahmen verwendet. In den in Wien bei allen Mistkübeln angebotenen Aschenrohren landen jährlich rund 100 Millionen Zigarettenstummel (dafür laut GLOBAL 2000 trotz der Strafen noch immer rund 868 Millionen Stück auf dem Boden).

Kleiner Ausflug nach Wien zu einem Bericht der Waste Watcher: https://inwien.at/Ein-Tag-unter-WasteWatchern.ein-tag-unter-wastewatchern.0.html

5-Minuten-Sammelaktion rund um die Pfarre St. Leonhard

Tipps und weitere Informationen:

  1. Ab und zu auch ein paar herumliegende Zigarettenstummel aufheben und in den Müll werfen! Einfach daran denken, dass man dadurch verhindert, dass sich die Giftstoffe lösen und in Grundwasser und Boden gelangen. Die Erfahrung zeigt, dort wo schon einige Stummel liegen, werden rasch auch weitere entsorgt.
  2. Unsere Müllsammelaktion am 31.5.2022 – sei dabei!
  3. Wenn du genug Mut hast, eventuell direkt ansprechen, wenn Leute offensichtlich ihre Zigarettenstummel achtlos wegwerfen.
  4. Ein Ansatz wäre es, die Tabakindustrie für die Kosten der Stummelreinigungsaktionen, zumindest für die Sensibilisierung über Umweltauswirkungen zahlen zu lassen.
  5. Abbaubare Filter helfen meiner Meinung nach nur, das Problem zu reduzieren, nicht aber, es zu beseitigen. Es besteht absolut keine Notwendigkeit und Legitimation, Müll – auch wenn dieser klein ist – einfach wegzuschmeißen.

Quellen:
¹) https://www.global2000.at/zigarettenstummel
²) https://www.travelbook.de/news/rauchverbot-spanien-straende
– https://www.quarks.de/umwelt/muell/auswirkungen-der-zigarettenkippen-auf-die-umwelt/

Dieser Beitrag erschien erstmals am 10. Juni 2017 und wurde zuletzt am 30.5.2022 aktualisiert.


Falls ihr keine wichtigen Beiträge oder Termine von ‚Nachhaltig in Graz‘ verpassen wollt, abonniert doch bitte gerne unseren Newsletter! Er kommt unregelmäßig und nicht zu häufig – versprochen!

Liebe Community!
Wenn euch gefällt, was wir auf dieser Plattform tun, nämlich bereits seit 2017 über nachhaltige Projekte, Klima- und Umweltschutz zu informieren, dann unterstützt uns doch bitte auch finanziell, um unsere Webseite in dieser Qualität und Fülle weiterführen zu können – uns hilft jeder Beitrag!

Verein „Nachhaltig in Graz“
BIC: STSPAT2GXXX
IBAN: AT20 2081 5000 4200 1552
Verwendungszweck: Spende/Sponsoring
 (Mehr zum Sponsoring hier)

2 Kommentare:

  1. Es gab vor gut vier Jahren die Möglichkeit, Zigarettenstummel über eine Firma in Wien zu recyceln. An diesem Programm haben wir teilgenommen und fanden es gut. Dann zog die dahinterstehende Firma wohl keinen Profit daraus und das Programm wurde eingestellt. Wir sammeln unsere Tschick nach wie vor, müssen sie aber jetzt in den Restmüll werfen. Ich denke, da könnte man schon einmal von der Stadtregierung Lösungen einfordern.
    Als rigoroser Mülltrenner sehe ich mit Bestürzen, dass von diversen Putzkolonnen auch säuberlich getrennter Müll in einen großen Sack geleert und dann im Restmüll versenkt wird. In den meisten Büros wandert aber einfach alles in einen Papierkorb und der zuständige Raumkosmetiker hat zu wenig Zeit, um das alles dann heraus zu fieseln (ca. 15 Minuten pro Büro) Und da helfen keine Strafen von der Ordnungs-wache! Da muss wieder mehr Aufklärung und Bewusstsein in der Öffentlichkeit geschaffen werden – für den einzelnen Bürger. Die nun geschaffene Vernaderungsmöglichkeit ruft nur neue „Blockwarte“ ins Leben – die üblichen Querulanten, die gerne Grätzelsherrifs wären.
    Die gewerbsmäßigen Müllsünder werden nach wie vor ihr Unwesen treiben, denn von ihrer Tätigkeit hängen ja Arbeitsplätze ab – sagen sie.

  2. Eine ganze Menge Anregungen!
    Für jeden einzelnen kommt Müllvermeidung kommt noch immer vor Mülltrennung. Für Raucher empfiehlt sich (meiner Meinung) der Umstieg auf Naturtabak und filterlos.
    Mülltrennung ist uns natürlich ein großes Anliegen und gerade große Unternehmen machen hier einen wichtigen Teil aus. Wir stimmen zu, das mehr Aufklärung und Bewusstsein in der Öffentlichkeit geschaffen werden muss.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.