MoVe iT – Verkehrswende für ein lebenswertes Graz

Am 1.10.2019 fand im Grazer Meerscheinschlössl die Auftaktveranstaltung einer neuen Initiative statt. Vor einem vollen Saal stellt der Verein MoVe-iT (Mobilität und Verkehr in Transformation) seine Forderungen für eine Wende in der Grazer Verkehrspolitik vor.

Am Podium vertreten waren:

  • Mag. Dr. Christian Kozina – KFU Graz
  • DI Dr. Günter Getzinger – TU Graz
  • Dr. Stephan Landgraf – Radlobby Stmk
  • Martin Wolf- ProBim,
  • Leonie Groihofer, BSc – System Change not Climate Change.

Vertreter einiger Interessensvertretungen haben sich hier zusammen gefunden, um eine geeinte Stimme für ein lebenswerteres Graz zu sein. Nach einer Vorstellung der Initiative wurde eine Bestandsaufnahme der momentanen Situation präsentiert. Hier zeigte sich, dass Graz in vielen relevanten Zahlen weit hinter vergleichbaren Städten in Europa liegt, die eine Reduzierung des motorisierten Individualverkehrs ernst nehmen. Generell wird bis 2030 ein sozial gerechtes und ökologisch nachhaltiges Mobilitätssystem gefordert, in dem die negativen Auswirkungen des Verkehrs auf Gesundheit, Umwelt und Klima auf ein Minimum reduziert werden.

Zum Vergleich wurde Freiburg in Deutschland genannt. Eine Stadt mit 230.000 Einwohnern. Hier werden nur mehr 21% aller Wege mit dem Auto zurückgelegt. In Graz liegt dieser Wert bei 42%!

Dann wurden die 12 Forderungen der Initiative in den drei Bereichen Fußgänger, Radfahrer und ÖV präsentiert. Es gibt auch eine Petition, die man unterschreiben kann (liegt auch im Verschenkladen in der Leonhardstraße 38 auf). (www.move-it)

Es gab dann noch die Möglichkeit mit den einzelnen Experten persönlich zu sprechen. Abgerundet wurde die gelungene Veranstaltung durch ein sehr gutes Buffet von Parks Graz.

Die 12 Forderungen:

1. Sichere Schulwege für Kinder

Pro Jahr vor mind. zehn Schulen Verkehrsberuhigung (z.B. kein Durchzugsverkehr, keine Haltemöglichkeiten, Kfz-Verkehrsbefreiung), inkl. Errichtung direkter und sicherer Geh- und Radwege zu diesen Schulen.

2. Kurze und direkte Fußwege

Pro Jahr mind. 3 Mio. Euro für direkte und sichere Fußwege zu Nahversorgung und Haltestellen sowie den Ankauf von Flächen und Wegerechten

3. Große Fußgänger*innen-Zonen

Pro Jahr Ausweitung der Fußgänger*innen-Zonen um mind. 10% rund um die Innenstadt sowie in allen Bezirkszentren, mit hoher Aufenthaltsqualität (Sitzgelegenheiten etc.)

4. Ein Radschnellwege-Netz

Pro Jahr Errichtung von mind. 10 km durchgehender, breiter, baulich getrennter Radschnellwege entlang von / parallel zu allen Vorrangstraßen, mit Anbindungen für Radpendler*innen aus dem Umland

5. Genug Radabstellplätze

Pro Jahr mind. 1.000 neue, sichere Radabstellplätze an Stellen mit hohem Bedarf (z.B. direkt vor Eingängen)

6. Genug Geld für den Radverkehr

Pro Jahr mind. 10 Mio. Euro für den Radverkehr

7. Ein dichtes städtisches ÖV-Netz

Straßenbahn in alle Bezirke, hochwertige Umsteigeknoten, leistbare Ticketpreise, baulich getrennte Trassen, Tagestakt bis mind. 20 Uhr, zu Randzeiten und am Wochenende mind. alle 15 Minuten; jährliche Erhöhung der Beförderungskapazität um 5%

8. Ein dichtes ÖV-Netz ins Umland

S-Bahn und Regio-Bus im 15-Minuten-Takt vom Hbf, im Stadtverkehr als schnelles ÖV-Netz (mehr Bahnhalte, abgestimmte Taktung, eigene Busspuren)

9. Sichere Kreuzungen

Fuß-, Rad- und ÖV baulich und bei Ampelphasen konsequent priorisieren; pro Jahr mind. fünf verkehrsreiche Kreuzungen für den Fuß- und Radverkehr sicher machen

10. Genug Personal für die Planung

Bis 2021 im Magistrat drei Mitarbeiter*innen nur für Rad- und zwei nur für Fußverkehrsplanung (Vollzeit), die bei jedem Bauvorhaben von Beginn an einbezogen werden; klare Kompetenzenteilung zwischen Stadt, Land, Verkehrsverbund und Verkehrsbetrieben.

11. Begrünte Straßen und Plätze

Pro Jahr Pflanzung von mind. 200 zusätzlichen Bäumen entlang von Straßen, Begrünung und Entsiegelung von Plätzen und Haltestellen.

12. Verkehrsberuhigte Wohngebiete

Pro Jahr Schließung von mind. zehn „Schleichwegen“ für Kfz – stattdessen kindgerechte Wohnstraßen, Begegnungszonen, Grünflächen etc.

Links:
Webseite MoVe iT: www.move-it
Bericht über die Petition

Danke an Bernhard für den Bericht!

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