VORTRAG: Baumharze – Heilsames Pech 2.10.2017

Am 2.10.2017 lud das Sonnentor zum 29. Kräuter-Stammtisch ein – dieses Mal hielt die zertifizierte Kräuter- und Naturkosmetikpädagogin Michaela Vyskocil (www.kraeutlwerk.at) einen Vortrag über Baumharze, bei dem auch eine Pechsalbe hergestellt wurde.

Vielen lieben Dank an Bianca P. für die Mitschrift! 🙂

Geschichte des Harzes:

Das Baumharz, auch Pech genannt, ist schon seit jeher Bestandteil der Volksheilkunde, geht bis in die Antike zurück. Seine Blütezeit hatte es im Mittelalter unter Hildegard von Bingen. Aber auch in der Zwischen- und Nachkriegszeit war die Pecherei ein angesehener, aber auch sehr schwerer Beruf. Ein Pecher betreute bis zu 4.000 Bäume. Im Destillationsverfahren wurde daraus Terpentinöl und das sogenannte „Kolophonium“ (festere Masse) gewonnen, das als Schuhcreme, zur Möbelpflege aber auch für die Papier- und Seifenindustrie verwendet wurde. Ab 1960 ist das Pechhandwerk aber langsam ausgestorben, bedingt durch Billigimporte und indem mit Mineralöl Kunstharz hergestellt werden konnte. In Hernstein in NÖ gibt es noch immer eine sehr empfehlenswerte Schaupecherei.

Das Harz ist ein Stoffwechselprodukt der Nadelhölzer, es ist öllöslich, aber nicht wasserlöslich (Gummi hingegen ist wasserlöslich). Das bekannteste Baumharz ist der Weihrauch und hat den Weg aus Indien, Oman, etc. zu uns gefunden. Man könnte auch den Weihrauch zu einer Salbe verarbeiten. Michaela Vyskocil hat unzählige Weihrauchsorten zuhause und hat uns einige zum Riechen und Ansehen mitgebracht.

Harz wurde früher aber nicht nur für medizinische Zwecke, sondern auch in vielen anderen Bereichen verwendet:

  • Rituelle Räucherungen – alte Ägypter haben die Leichen mit Myrrhe eingerieben, die Griechen haben ihren Wein geharzt (Retsina), dieser hält so länger
  • In der Vorzeit hat man die Speerspitzen mit Harz eingerieben, Gefäße dicht gemacht und es als Kleber verwendet

Gummi Arabicum ist ein Wundsaft vom Baum und ein natürliches Gemisch von Polysacchariden (Mehrfachzuckern), deren Hauptkomponente auch Arabinsäure genannt wird. Gummi Arabicum ist wasserlöslich und dem Kirschgummi (heimische Art) wird eine hautfreundliche und hautpflegende Wirkung zugesagt (man kann man gut in eine Hautcreme verarbeiten).

Heimische Harzarten:

  • Fichtenharz – holziger-krautiger Duft
  • Tannenharz – zitroniger Duft, frischer
  • Lärchenharz – helleres Harz, fast gelblich, leichter frischer zitroniger Duft
  • Zirbenharz – schwierig zu bekommen, da Zirbe eher weiter oben harzt, tolles Harz

Waldweihrauch – tropft in heißen Sommern eher ab – kann man tröpfchenweise teilweise unter einem Baum liegend aufsammeln, angeblich findet man den besten Waldweihrauch auf Ameisenhügeln (weil die Ameise das Harz mit Säure anreichert, soll das Harz noch effektiver sein; die Ameisen halten mit dem Harz den Haufen gesund).

Bernstein (ist eigentlich Baumharz, wird aber heute als fossiles Harz bezeichnet, weil es von Wäldern stammt die von Meer überdeckt wurden) tritt hauptsächlich an der Ost/Nordsee zu Tage. Waldgürtel im Norden Europas ist im Meer versunken (immer wieder Bernsteinvorkommen).

Harzgewinnung:

Bei der Harzernte ist zu beachten, dass man das Harz nur oberflächlich vom Baum (am besten mit einem Taschenmesser) abtragen sollte, da man den Baum sonst noch mehr verletzen könnte. Harz stammt von Baumverletzungen, der Baum kittet diese Verletzung mit Harz. Auch sollte man nur so viel Harz nehmen, wie man wirklich benötigt. Harz muss nicht frisch sein, wenn es aber frisch ist, ist es dünner. Im Winter ist es eher härter. Falls mehr Harz abgesondert wurde, dann ist der Winter fast besser (kann leicht entnommen werden). Harz kann man auch kaufen – leider hauptsächlich übers Internet. Eventuell über Fr. Mag. Kauderer probieren.

Grundrezept der Universal-Pechsalbe:

  • 100g Öl (Olivenöl oder wer es regional mag, Sonnenblumenöl) (100 g Öl sind rund 110 ml – Faktor 1,1)
  • 30g Harz (maximal 1/3 Harz, egal welches Harz) – muss nicht vor der Zubereitung gereinigt werden (ist eine ziemliche Prozedur – deswegen einfach in Öl schmelzen und danach durch ein feines, billiges Sieb gießen, Rückstände bleiben zurück). Wenn das Harz ganz stark verunreinigt ist, dann muss man insgesamt etwas mehr nehmen.
  • 10g Bienenwachs (10% Wachs): wer die Salbe gerne weicher hätte, kann das Bienenwachs auf ca. 7-8 g reduzieren; Bienenwachs kann auch von einer Kerze genommen werden; wer es vegan mag, kann stattdessen Kakaobutter vewenden – Achtung: darf nicht wärmer als 35 Grad sein)

Zubereitung der Universal-Pechsalbe:

  • Öl mit dem Baumharz in einen Topf geben und bei kleiner Hitze schmelzen lassen (es werden keine Rückstände im Topf zurückbleiben)
  • Bienenwachs dazugeben und bei geringer Hitze (das Wachs darf nicht wärmer als 65 Grad werden) auflösen, öfters umrühren.
  • Optional kann man zu dem Öl-Pechgemisch noch einen Kräuterauszug hinzufügen. Kräuter können die Wirkung von Harz noch verstärken (zB Schafgarbe: ganzes Kraut (Blätter und Blüte) hat viele äther. Öle und Gerbstoffe, oder Hirtentäschl, Vogelmiere, Birkenblätter, Fichtenwipfel). Je zerkleinerter und frischer (Frühjahr!) die Kräuter werden, umso mehr Inhaltstoffe können sich lösen. Gleich am Anfang ins Öl geben, 1 mal kurz aufkochen, 15-30 Minuten dahinsimmen lassen und dann erst das Harz dazugeben.
  • Die Gläser, in die die Pechsalbe abgefüllt wird, müssen unbedingt desinfiziert werden, damit sie keimfrei sind (zB mit hochprozentigem Alkohol besprühen).

… die Verunreinigungen bleiben dann zurück …

Anmerkungen zur Pechsalbe:

  • ist sehr lange haltbar
  • wenn zu viel Harz drinnen ist (Universalrezept mit 1/3 Harz) und man die Salbe auf eine offene Wunde gibt, dann schließt die Wunde zu schnell. Von innen ist sie aber noch nicht geheilt, das ist nicht gut. Daher nicht auf offene Wunden geben, wenn mehr Harz drinnen ist.
  • für Rheuma ist es aber wieder besser, wenn mehr Harz drinnen ist (zB 40-45%).

Wirkung von Harzen:

Myrrhe-Tinktur ist gut bei Zahnfleischproblemen, Entzündungen im Mundraum – hierfür ein kleines Fläschchen mit Alkohol und Myrrhe mischen – regelmäßig schütteln und als Tinktur verwenden.

Pech: desinfizierend, entzündungshemmend, durchblutungsfördernd (wurde schon früh bei Rheuma, Gicht und Gelenkschmerzen angewendet – es geht tief in die Hautschichten, wirkt auf das Gewebe wärmend und schmerzstillend), antiviral und antibakteriell – Harz war im Prinzip das erste Pflaster, dass die Menschheit gekannt hat, keine Keime können eindringen, hemmt die Entzündung.

Alle Harzarten kann man auch innerlich einnehmen – sie wirken entkrampfend auf den Magen-Darmtrakt (verdauungsfördernd) und lindern Halsschmerzen, Mundentzündungen und sogar Zahnschmerzen kann man damit auch gut behandeln. Die sogenannte Zahnfistel kann man gut mit Baumharz-Tinktur beträufeln und so wieder loswerden. Auch Zahnpasta kann man damit herstellen.

 

Ein Workshop zu diesem Thema ist unbedingt empfehlenswert. Das Kräutlwerk bietet diesen (und andere) immer wieder an.

 

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