Urban-Gardening-Rundgang mit Michael Flechl

Am 20.7.2017 nahm ich am Urban-Gardening-Rundgang teil, den Michael Flechl (michaelflechl@hotmail.de; 0664/4984258) neben seinen laufenden Kräuterwanderungen (Kräuterwanderungen und Gartenführungen) von Zeit zu Zeit in Graz anbietet. Es war einfach traumhaft – nie hätte ich diese Gärten erwartet!

Wir besuchten die beiden Gärten

  • Allmende Leech, Zinzendorfgasse 3, 8010 Graz (2 Grundstücke vor und hinter der Leechkirche)
  • Attemsgarten, Attemsgasse 25, 8010 Graz

Unter „Urban Gardening“ versteht man jede Form des städtischen Gärtnerns, erklärt uns Michael Flechl zuerst. Seien es nun Gemeinschaftsgärten, Garteln auf ungenutzten Grünflächen im Stadtgebiet, auf Balkonen, Dachterrassen, Fensterbrettern und auch Fassaden.

Der erste Grazer Gemeinschaftsgarten war der Ökohof Mariagrün, der schon vor rund 30 Jahren gegründet wurde. Die meisten anderen Gärten sind aber erst in den letzten Jahren, ab circa 2010 entstanden. Diese Gärten erfreuen sich zunehmender Beliebtheit, mittlerweile kann Graz bereits fast 25 städtische Gärten aufweisen (Liste aller derzeitigen Urban Gardening Projekte). Das gemeinsame Garteln stärkt das Miteinander, bietet Erholungsraum und steigert die Lebensqualität. Außerdem tragen die Gärten zur Ernährungssouveränität bei. Wenn mindestens acht Haushalte an einem Urban Gardening Projekt teilnehmen, können auch Förderungen von der Stadt Graz für die Anschaffung von Gartenmaterial oder auch für die Pachtkosten beantragt werden, siehe dazu unseren eigenen Bericht zu Urban Gardening. Werden größere Parzellen bewirtschaftet, nennt man das Ganze nicht mehr Urban Gardening, sondern Urban farming.

Allmende Leech – ein wahres Paradies!

Der erste Garten (unter der Bilderreihe folgt der zweite besuchte Garten): Die Allmende Leech war bis vor wenigen Jahren noch ungenützt. Die Diözese Graz-Seckau / KHG stellte den Grund neben der Universitätskirche Maria am Leech zur Verfügung und fördert dieses Gartenprojekt. „Allmende“ bedeutet Gemeingut, Gemeinschaftsbesitz. Das Team des 2012 gegründeten Gemeinschaftsgartens Allmende Leech ist sehr studentisch geprägt, rund 15 Personen sind derzeit beteiligt.

Ein wundervoller Garten, komplett biologisch bewirtschaftet, mit einer Kräuterspirale, einem Biotop, zwei Bienenstöcken mit sehr aktiven Stadtbienen, Blumen, Gemüse und Obst, einem Gewächshaus, einer Liegewiese und … viel Raum zum Genießen und Entspannen!Das Regenwasser wird mittels einer tollen Konstruktion vom Kirchendach aufgesammelt, man könnte daher sagen, dass es hier deshalb so üppig wächst, weil es mit geweihtem Wasser gegossen wird – mit Michael Flechl gibt es neben viel Wissenswertem auch immer etwas zu lachen!

Regenwasser von der Leechkirche

An Gemüse finden sich im Garten Allmende Leech zum Beispiel Zucchini, Kürbis, Rote Rüben, Karfiol, Artischocken, Brokkoli, Karotten, natürlich Salate, Buschbohnen, Zuckermais, Chilis, Gurken, Kartoffeln (auch Raritäten wie die Süßkartoffel, die grundsätzlich ohne weiteres bei uns wachsen kann, aber von den großen Supermärkten leider meistens von weit her importiert wird). Neben der Andenbeere (Physalis peruviana) und der Erdkirsche (Physalis purinosa) wachsen auch verschiedene Tomatensorten – viele von ihnen im selbst gebauten Gewächshaus. Im hinteren Teil des Gartens ist auch ein Terra Preta-Experiment zu finden (äußerst fruchtbare, schwarze Erde, stammt ursprünglich aus dem Amazonasgebiet).

Terra preta

Auf der riesigen Kräuterspirale gedeihen neben den üblichen gängigen Kräutern das Colakraut (auch Eberraute oder Artemisia abrotanum genannt), Beinwell und viele verschiedene Minzen, wie die Mojito-Minze. Immer wieder dürfen, ja sollen wir kosten. Zwischen Obst und Gemüse wachsen auch immer wieder viele, zu verschiedenen Zeiten blühende Blumen, wie die Ringelblume oder Rittersporn – ein Fest für die Bienen! Wo Samen vorhanden waren, durften wir auch, wenn wir wollten, welche mitnehmen.

Der Garten Allmende Leech ist ein Traum, ein wirklich magischer Ort! Der Garten ist tagsüber offen zugänglich, Genießen ist gewünscht, Kosten ist erlaubt, Ernten nur bei Beteiligung am Projekt. Am 23.9.2017 findet übrigens die 5-Jahres-Feier im Garten Allmende Leech statt!

Nähere Informationen: http://khg.graz-seckau.at/aktivitaeten-gruppen/allmende-leech#.WZB6wVFJaUk

Der zweite Garten: Der etwas kleinere Attemsgarten befindet sich im Innenhof der Attemsgasse 25, 8010 Graz. Er wurde ca. 2013 gegründet und wird ebenfalls großteils von Studenten bewirtschaftet. Der Garten ist jederzeit zugänglich und kann auch zum Entspannen genützt werden. Hier finden sich unter anderem viele verschiedene Salate (der Rucola wuchert gerade), Weinstöcke, kleine Obstbäume, viel Rhabarber und eine Kräuterspirale. Bis zum Jahr 2016 war sogar eine Aquaponik-Kultur in Betrieb. Von den GärtnerInnen wurde hier auch eine automatische Bewässerungsanlage gebastelt.

2 Kommentare:

  1. Die sog. Terra Preta in Graz stammt nicht aus dem Amazonas-Gebiet, sondern ist der originales Terra Preta nachempfunden.

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