Welterschöpfungstag – Earth Overshoot Day

Am 22.8.2021 wird heuer voraussichtlich – gleich wie im Vorjahr – Welterschöpfungstag (oder Erdüberlastungstag)! Dieser Tag markiert den Punkt, an dem wir mehr konsumieren, als die Natur sich selbst erneuern kann. Zum zweiten Mal seit 50 Jahren ist 2021 der Welterschöpfungstag – Corona „sei Dank“ – an einem späteren Tag als in den Jahren zuvor. Die Ausbeutung der Ressourcen macht eine kurze Erholungspause (die CO2-Konzentration leider nicht). Und trotzdem: Ab dem 22.8. leben wir den Rest des Jahres auf Kosten unserer Kinder und Enkelkinder.

Überlastungstage im Vergleich:

  • global: 22.8.2021
  • Österreich: 7.4.2021
  • Indonesien: 18.12.2021

Für Österreich ist bereits am 7. April „die Welt erschöpft“. Wenn die ganze Welt so viele Ressourcen verbrauchen würde wie Österreich, hätte sie an diesem Tag alles verbraucht, was der Planet in einem Jahr wiederherstellen kann. Aber wird reduziert? Nein, wir schöpfen sie weiter aus.

© Global Footprint Network National Footprint Accounts 2021

Wir bräuchten derzeit global gesehen also rund 1,70 Erden, um die gesamte Nachfrage nach Ressourcen zu befriedigen und um alle Treibhausgase und Kohlendioxid aufzunehmen: wir verschwenden nämlich zu viele Rohstoffe, verwenden zu viel Plastik, fangen zu viele Fische, verschmutzen unser Wasser, holzen zu viel Wald ab, versiegeln und vergiften zu viele Böden und produzieren zu viel Kohlendioxid. Würden alle Länder so leben wie wir in Österreich, dann bräuchten wir sogar 3,5 Erden!

Im Vergleich dazu (aufgrund verschiedener Berechnungsmethoden können sich leicht abweichende unterschiedliche Daten ergeben) hier einige Vorjahre:

Die Berechnungen der Welterschöpfungstage werden durch Global Footprint Network (GFN) durchgeführt. Dabei wird die Biokapazität der Erde (Fähigkeit, Rohstoffe zu erzeugen und Schadstoffe abzubauen) mit dem Ökologischen Fußabdruck verglichen.

Dass es aber auch heuer überhaupt bis zum 22. August reicht, haben wir den ökonomisch schwachen Ländern zu „verdanken“, weil der Ressourcenverbrauch ungleich verteilt ist. Würden alle Länder so leben wie in unserem reichen Land Österreich, läge der Erschöpfungstag nämlich schon am 7. April (das liegt sogar noch vor dem EU-Durchschnitt (10. Mai) sowie vor Deutschland (5. Mai)! Das heißt, wir leben nicht nur auf Kosten künftiger Generationen, sondern auch auf Kosten anderer Länder!

Was können wir tun?

Der Erschöpfung unserer Erde kann aber entgegen gewirkt werden – und zwar durch jedeN einzelnen. Der 22.8. lässt sich durch die Umsetzung folgender Tipps wieder um viele Wochen nach hinten verschieben (wir sollten uns aber wohl nicht mehr viel Zeit für diese Maßnahmen lassen):

  1. Weniger bzw anders/bewusster konsumieren – in jedem Konsumgut stecken Ressourcen und Energien:
    • Keine unnötigen Produkte kaufen! – Weniger ist mehr! Bewusster Nicht-Konsum!
    • Second-Hand statt Neu-Kauf!
    • Tauschen, leihen und Teilen!  Sharing-Tipps auf unserer Seite
    • Reparieren statt neu kaufen!
    • Nicht benutzte Dinge nicht lagern, sondern weiter geben! zB in unseren Verschenkladen
    • faire, regional aus ökologischem Material gefertigte Qualitätsprodukte kaufen, die langlebig und reparierbar sind – natürliche Ressourcen müssen im Kreislauf geführt werden.
  2. Lebensmittel/Nahrung: 
    • Lebensmittelverschwendung vermeiden!
    • Biologisch, regional, saisonal, fair kaufen!  Nachhaltig produziert
    • Weniger Fleisch konsumieren!
    • Mehr selbst kochen, weniger Fertigprodukte!
    • Mehr Unverpacktes kaufen, Mehrweg statt Einweg!
    • Selbst Gemüse und Obst anbauen (Garten, Balkon, Gemeinschaftsgärten)
  3. Mobilität:
    • Statt Auto, mehr zu Fuß, mit dem Rad und mit den Öffis!
    • Carsharing? Fahrgemeinschaften bilden?
    • Lastenrad anschaffen/ausleihen!  Förderungen und Gratisverleih
    • Urlaub: besser weniger und näher; besser mit Bahn, Bus, Rad, Auto statt Flugzeug oder Kreuzfahrt!
  4. Energie/Wohnen:
    • Strom sparen! Auf Ökostrom umsteigen!
    • Heizungswärme sparen! Häuser besser isolieren!
    • Näher wohnen, kleiner wohnen!
  5. Ganz, ganz wichtig: Engagement:
    • Andere informieren und motivieren!
    • Wünsche laut formulieren: zB nein danke, kein Plastikstrohhalm …
    • Sich in Umweltorganisationen engagieren!
    • An Politik und Wirtschaft entsprechende Signale senden, je nach Typ: leiser oder lauter!

Habt ihr noch Tipps, um aus dem August wieder einen September, Oktober, November oder Dezember zu machen? Schreibt uns doch!

Dieser Beitrag erschien erstmals am 1.8.2018 und wurde zuletzt am 28.7.2019, am 21.8.2020 sowie am 7.4.2021 aktualisiert.

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Ein Kommentar:

  1. Liebes Nachhaltig-in-Graz-Team,

    den Earth Overshoot Day wieder weiter nach hinten zu verschieben, wird meiner Ansicht nach eher schwierig werden. Ein Problem ist die Tatsache, dass der Mensch ein Gewohnheitstier ist und einmal über Jahre oder Jahrzehnte sich angeeignete Gewohnheiten nur sehr schwer ablegen kann, wenn nicht von außen ein entscheidendes „Ereignis“, z.B. durch den Klimawandel, eintritt.

    Das fängt schon in Politik und Wirtschaft an, dass immer Wachstum gepriesen und angestrebt wird. Es erkennt im öffentlichen Leben scheinbar niemand, dass man auf einem begrenzten Planeten mit begrenzten Ressourcen nicht unbegrenzt wachsen kann.

    Die Arbeitslosigkeit war schon vor Corona hoch (Digitalisierung, Automation, Robotik: die unbezahlte Mitarbeit der Konsumenten – Onlineformulare ausfüllen für Behörden etc., selbst Updates durchführen, Bedienungsanleitungen herunterladen, selbst Banküberweisungen durchführen, Auszüge holen und vieles mehr) beseitigt Arbeitsplätze. Die Politik will aber keine Arbeitslosigkeit. Da müssten neue Arbeitsplätze entstehen. Würden sie entstehen, hätten wir noch mehr Ressourcenverbrauch (Energie, Wasser, Strom, auch zusätzliche Rohstoffe wären erforderlich). Neue Arbeitsplätze brauchen Baugrund und Gebäude, Räumlichkeiten, Ausrüstungen, etc. Besser wäre es die vorhandene Arbeit aufzuteilen, Wochenarbeitszeitverkürzung auf 30 Stunden und darunter, wo es möglich ist, keine Überstunden mehr.

    Die Weltbevölkerung wird weiterwachsen, bis 2100 werden es 11,2 Milliarden Menschen sein, Europa wird schrumpfen, andere werden mehr (laut den Prognosen: siehe dazu das Buch von Harald Lesch, „Die Menschheit schafft sich ab – Die Erde im Griff des Anthropozän“). Die Menschen sind ja nicht einmal bereit, die Lockdowns einzuhalten. Waren beim ersten Lockdown kaum Personen oder Fahrzeuge auf der Straße unterwegs, waren es beim zweiten schon mehr, beim dritten und jetzt verlängerten Lockdown noch mehr. Ich kann so gar nicht mehr von einem Lockdown sprechen bei dem Verkehr wie er jetzt im Jänner 2021 herrscht, und das obwohl viele Geschäfte, Schulen und andere Einrichtungen geschlossen haben.

    Selbst für neue, sogenannte „grüne“ Technologien brauchen wir Ressourcen: seltene Metalle und Erden wie Europium, Iridium, Neodym für E-Fahrzeuge, die zwar die Luft nicht verunreinigen, aber genauso eine hohe Ökobilanz haben, was CO2 anbelangt. Die seltenen Metalle und Erden (auch für Windkraftanlagen für die Rotorblätter nötig, die regelmäßig getauscht werden müssen) werden in Länder wie Bolivien, Chile, etc. abgebaut auf Kosten der dort lebenden Bevölkerung, die ihre Gegend wegen der durch den Abbau verursachten Umweltverschmutzung oft verlassen muss, weil das Land durch bleihaltige und manchmal auch radioaktiv verseuchte Abwässer kontaminiert wird, viele Menschen dort auch krank werden und sterben.

    Alles müsste viel gerechter verteilt werden, auch die Arbeitszeit wie oben erwähnt. Arbeitszeitverkürzung auf 30 Stunden und darunter, damit wieder mehr einen Arbeitsplatz haben, ist die Lösung. Aber wer ist dazu bereit? Und wieviel sinnentleerte Arbeit gibt es, die ebenfalls Ressourcen frisst (Stichwort David Graeber, „Bullshit Jobs“)?

    Eines ist klar: macht die Menschheit, vor allem in den hochentwickelten Ländern, weiter wie bisher („business-as-usual“), dann wird die Menschheit in naher Zukunft schon gezwungen werden, umzudenken, wenn durch den anthropogenen Klimawandel die Erderwärmung weiter ansteigen wird. Der Erde ist es letztendlich egal, ob wir hier sind oder nicht. Die Erde und auch die Natur kennt keine Katastrophen, sie reagiert nur entsprechend auf die Umweltbedingungen. Für die Menschheit mögen die Konsequenzen katastrophal und fatal sein, für die Erde nicht.

    Es wäre um den Planeten schade. Und um die Menschheit. Die Erde wird noch lange sein, selbst wenn die Menschheit einmal nicht mehr sein wird. Zur Zeit findet das sechste Massensterben statt, der Rückgang der Biodiversität, was auch für die Natur schlecht ist. Das siebente und letzte Massensterben wird wohl die Menschheit sein, dann schliesst sich der Kreis (Gott soll die Welt an sieben Tagen erschaffen haben). Aber das siebente Massensterben muss nicht schon bald einsetzen.

    Was mich am meisten stört bei all den Diskussionen, die in Politik und Gesellschaft geführt werden, ist die Tatsache, dass ein Haufen von Politikern, Betriebswirtschaftswissenschaftern und anderen Ökonomen, Juristen, Wirtschaftskammervertretern, Industriellenvertretern und ähnlich Gesinnte anwesend sind, aber KEINE Naturwissenschafter, also keine Geologen, keine Klimatologen, keine Physiker (keine Geo- und Astrophysiker). Diese sollten viel mitreden dürfen bei Entscheidungen, die für die Menschheit einfach wichtig sind, wie z.B. Ressourcen sparen, CO2 einschränken, Klimawandel verzögern (völlig aufhalten lässt er sich wahrscheinlich nicht mehr), und trotzdem ein Leben ohne Angst vor Armut zu führen. Das ist ein großes Anliegen von mir, dass man Naturwissenschafter in die öffentlichen Diskussionen und in Entscheidungen mit einbezieht, und diese sollen nichts schönreden wie es in Politik und Wirtschaft immer gemacht wird.

    Wer ist schon bereit nach einem Hamsterrad-Arbeitstag Bücher zu lesen, Bücher über den Klimawandel, Bücher über Ressourcen und deren Vergeudung, Bücher über Konsum und Folgen? Da kann niemals ein Bewusstsein entstehen für die Lage der Menschheit und für die reale Situation auf der Erde, weil die Menschen offensichtlich aufgehört haben, zu denken, nachzudenken und kritisch zu hinterfragen.

    Die Zukunft – unsere Zukunft und jene unserer Nachkommen – muss neu gedacht werden. Dass es keine Schande ist, vielleicht nur mehr drei oder vier Stunden am Tag zu arbeiten, weniger zu konsumieren und dabei viel nachhaltiger zu leben als zuvor.

    Ich hoffe, ich konnte mit diesem langen und zugegebenermaßen stellenweise nicht sehr erbaulichen Schreiben Ideen liefern, was man alles beachten muss, will man wirklich den Earth Overshoot Day nach hinten verschieben. Leicht wird es nicht werden. Die Technologien und das Know-How sind laut Harald Lesch vorhanden, allein die Absicht und die Einsicht fehlen. Wir müssen konsequent und richtig handeln, Zeit für Versuche und Testen haben wir nicht mehr, wenn wir die Biokapazität der Erde nicht unwiederbringlich zerstören wollen. Das richtige Handeln, so Lesch, „muss auf einer tiefen Nachhaltigkeit basieren und auf einem Systemwandel, der ein Leben in Würde und Wohlstand für alle ermöglicht, … all dies muss der Menschheit in den nächsten 35 Jahren gelingen, sonst verlieren alle womöglich alles“.

    Ich würde mir keine 35 Jahre Zeit lassen wollen. Handeln, ja – aber JETZT.

    Liebe Grüße

    Stefan Risto

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