Richtig nachhaltig heizen

Herbst ist es, die Heizsaison hat begonnen. Das Heizen ist aber nicht nur teuer, sondern verbraucht Energie und verursacht einen CO2-Ausstoß. Wie können wir daher Geld sparen und gleichzeitig das Klima schonen, ohne dabei frieren zu müssen? Schließlich wollen wir uns ja auch im Winter zuhause wohlfühlen.

Zahlen zum Heizen

  • 60 bis 75 % des gesamten Energieverbrauches eines durchschnittlichen Haushaltes entfallen auf das Heizen.
  • Der Anteil erneuerbarer Energien an Österreichs Wärme- und Kälteversorgung beträgt derzeit nur rund 34% (EU-weit sind es sogar nur 22%).*
  • Eine ein bis zwei Grad geringere Raumtemperatur führt dazu, dass wir bis zu sieben Prozent Energie einsparen.
  • Welche Heizsysteme gibt es?
    • Gas (fossil)
    • Öl (fossil)
    • Strom (fossil / erneuerbar)
    • Wärmepumpe (erneuerbar / fossil): nutzt die Sonnenenergie, die in Erde, Wasser und Luft gespeichert ist. Die Geräte benötigen allerdings viel Strom. Gute Kombination mit Solar.
    • Solarenergie (erneuerbar)
    • Biomasse (erneuerbar, zB Holz, Pellets oder Biogas)
      • Holz: Heizen mit Holz ist zwar grundsätzlich CO2-neutral (es wird nur so viel CO2 frei gesetzt, wie der Baum während seines Wachstums aufgenommen hat), allerdings ist das größere Problem hier das des produzierten Feinstaubs! Auch in Innenräumen steigt bei Holzöfen, vor allem bei jenen ohne Filter, die Feinstaubbelastung. Ein Test mit einem Feinstaub-Messgerät verschafft diesbezüglich Klarheit.
      • Pellets: sind grundsätzlich durch die Produktion nicht mehr CO2-neutral.
    • Fernwärme: Aktuelles Versorgungsgebiet Graz
    • usw …

Fenster & Türen

  • Jalousien und Rolläden bei Dunkelheit oder in nicht benützten Räumen überhaupt ständig schließen, damit über die Fensterfronten nicht viel Kälte entweichen kann. Das reduziert den Kälteverlust um bis die Hälfte! Auch zugezogene Vorhänge (vor allem je dicker und dichter sie sind) helfen hierbei.
  • Fenster und Türen gehören gut abgedichtet, notfalls hilft auch ein Zugluftstopper.

Lüften

  • No-Go: Dauerhaft oder lange gekippte Fenster – denn so kühlen auch Wände und Möbelstücke aus.
  • Besser ist stoßlüften bei weit geöffneten Fenstern (im Winter zB 2 bis 5 Minuten)
  • Vor dem Lüften die Heizung abdrehen und erst bei geschlossenen Fenstern wieder raufschalten.
  • Dauer: Einige wenige Minuten lang, dreimal am Tag.
  • Das verhindert, dass Wände und Möbel auskühlen und nach dem Schließen der Fenster kann sich die ausgetauschte Luft wieder rasch erwärmen.

Häuser

  • Wärmedämmung
    • Wärmeverluste an die Umgebung sind zwar unvermeidbar, aber eine gute Wärmedämmung ist das A und O des Heizkosten-Sparens. Die einmaligen (mitunter hohen) Kosten einer Sanierung können sich nach einigen Jahren durch verminderte Heizkosten amortisieren.
    • Empfehlenswert: Eine/n Energieberater*in heranziehen, die/der bei der Recherche und Entscheidung unterstützt. Das Land Steiermark bietet zum Beispiel kostenlose Energieberatungen und einen Gebäudecheck. Mehr dazu hier.
    • Mithilfe einer Wärmebildkamera können Wärmeverluste und Baumängel am Haus sichtbar gemacht werden.
    • Bis zu 70% Heizkosten kann man durch richtige Dämmung und Isolierung sparen.
    • Vor allem Außenwände, Dachstuhl und Keller gehören isoliert.
    • Wärmeschutzverglaste Fenster sind auch eine gute Investition.
    • Förderungen: Für thermische und energetische Sanierungen gibt es auch Förderungen des Landes Steiermark! Mehr dazu zum Beispiel hier.
  • Wohnraumgröße
    Je größer der Wohnraum pro Person, umso größer der Heizaufwand, umso höher die Heizkosten, umso höher der ökologische Fußabdruck. Wir sollten daher am besten wieder „auf kleinerem Fuß“ leben und mit weniger Platz auskommen.
  • Art des Wohnens
    Ein Reihen- oder Mehrparteienhaus hat ebenfalls Vorteile gegenüber dem Wärmeverlust der vielen Außenwände eines Einfamilienhauses.

Kleine Abhilfen

  • Kleidung
    Es muss nicht sein, dass wir im Winter zuhause wie im Sommer nur mit T-Shirt herumlaufen. Ein Pulli, dicke Socken, Patschen, etc helfen uns dabei, nicht zu frösteln und müssen dennoch nicht gleich unbequem sein. Vor allem die Füße sollten es warm haben. Auch ein Halstuch liefert sehr viel Wärmegefühl. Manche frieren vor allem über den Kopf, auch indoor eine – dünne – Haube aufzuhaben, ist doch gar nicht so verrückt, oder ist es sogar cool?
  • Decke
    Beim Kuscheln auf der Couch oder sogar sitzend am Schreibtisch in eine warme Decke hüllen, unterstützt dabei, sich wohl zu fühlen. Und auch im Bett sollten wir in den kalten Monaten auf die richtige Decke achten. Es muss nicht die Sommerdecke sein, denn dann ist klar, dass wir die Heizung raufstellen müssen.
  • Wärmende Ernährung
    Es helfen auch ein warmer Tee, wärmende Suppen und Eintöpfe, um uns so richtig von innen zu beheizen. Ein warmes Frühstück ist nicht nur gesund, sondern gibt Energie und wärmt auch optimal. Wärmende Gewürze sind zum Beispiel Chili, Zimt, Ingwer, Muskat und Knoblauch.
  • Wärmeflasche
    Omas Wärmeflasche kann uns das Bett vorwärmen oder sogar beim Schreibtisch bei den Füßen liegen, falls diese kalt sind.

Die richtige Raumtemperatur

  • Ein angenehmes Raumklima entsteht durch das optimale Zusammenspiel von Temperatur, Feuchtigkeit (im Winter: 40 bis 60%) und Sauerstoffgehalt.
  • Es müssen nicht alle Räume gleich warm beheizt werden.
  • Räume, in denen man sich nicht aufhält, müssen eventuell gar nicht oder nur sehr gering geheizt (rund 12 Grad) werden. Zu achten ist allerdings auf Schimmelgefahr – dann sollten unbewohnte Räume dennoch regelmäßig gelüftet und beheizt werden.
  • Im Schlafzimmer reichen meist 16 bis 17 Grad (es schläft sich besser!), in der Küche (mit der durch Geräte und Kochen abgegebenen Wärme) genügen 18 Grad. Sonst sind 20 Grad optimal, eventuell im Bad etwas mehr.
  • Nachtabsenkung: Die Heizung schon eine Stunde vor dem Schlafengehen um bis zu 5 Grad runterdrehen hilft beim Energiesparen.
  • Abwesenheiten: Bei mehr als zwei Tagen Abwesenheit kann die Durchschnittstemperatur auf 15 Grad gesenkt werden, bei längerer Abwesenheit sogar auf 12 Grad (je nach Gefahr der Schimmelbildung).

Gesundheit

Ständig überheizte Räume führen dazu, dass wir anfälliger für Viren werden, denn die Schleimhäute trocknen bei ständig trockener Heizungsluft aus. Das begünstigt Erkältungen.

Heizung & Heizkörper

  • Sollten frei stehen und nicht durch Möbel oder Vorhänge bedeckt werden. Auch das Thermostat sollte frei sein.
  • Wäschestücke sollten nicht auf der Heizung getrocknet werden.
  • Heizkörper gehören auch regelmäßig gesäubert und von Staub befreit.
  • Freiliegende Heizungsrohre geben viel Wärme ab, eine Isolierung bessert dies. Achtung: Es sollten auch die Sperrventile abgedichtet werden, da hier ebenfalls Wärme entweichen kann.
  • Entlüftung: Gluckernde Geräusche sind Anzeichen dafür, dass sich im Heizkörper Luft befindet. Dadurch kann aber Wärme nicht mehr gleichmäßig verteilt werden und der Heizkörper wärmt den Raum nicht so schnell auf. Regelmäßige Entlüftung, vor allem zu Beginn der Heizperiode, ist hier von Vorteil.
  • Das gesamte Heizsystem sollte regelmäßig gewartet werden, um optimale Verbrennungswerte mit minimiertem CO2-Ausstoß zu erzielen.
  • Wäre nicht gerade der optimale Zeitpunkt, die Öl- oder Gasheizung auszutauschen? Das Land Steiermark gewährt mit der Förderung „Heizungstausch & Raus aus Öl“ auch 2021 einen Zuschuss. Mehr dazu hier.
  • Elektro-Öfen und Heizungslüfter kosten am meisten Geld.

Die Zahlen auf den Heizkörpern

stehen für bestimmte Temperaturen. Wichtiger Hinweis: Es wird nicht schneller warm, wenn man die Heizung raufdreht (weil einem zum Beispiel beim Heimkommen kalt ist), sondern die einzelnen Stufen werden gleich schnell warm, die Heizung heizt nur länger und stoppt dann automatisch bei der eingestellten Temperatur.

  • 1 = 12 Grad
  • 2 = 16 Grad
  • 3 = 20 Grad
  • 4 = 24 Grad
  • 5 = 28 Grad

Jeder Zwischenstrich steht für ein Grad mehr oder weniger.

Regler und Thermostate

Heizkörper sind mit Reglern oder Thermostaten ausgestattet, die die Raumtemperatur messen und die Heizung abschalten, wenn die eingestellte Temperatur erreicht ist. Programmierbare Thermostate können so eingestellt werden, dass nachts oder wochentags, während alle außer Haus sind die Temperatur etwas absenkt und kurz vor dem Aufstehen bzw Heimkommen es wieder wärmer wird. Achtung: Wenn die Heizung ganz abgeschalten und die Temperatur zu stark gesenkt wird, braucht man wieder mehr Energie, um die Räume zu erwärmen.

Gas- und Ölheizungen

Manchmal ist es nicht so einfach, bestehende Gas- oder Ölheizungen auszutauschen, dabei wäre hier die Einsparung am CO2-Ausstoß wirklich sehr groß. Ein Umstieg auf („echtes“) Biogas ist allerdings auch bei einer bestehenden Gasheizung möglich, ein Wechsel des Anbieters bewirkt hier wie beim Stromtarif-Wechsel hin zu Ökostrom schon sehr viel. Wo es möglich ist, sollte man einen Fernwärmeanschluss überlegen. Wenn nicht, kann auch Solarthermie die bestehende Heizung zumindest unterstützen und der Heizaufwand reduziert werden.

Weitere interessante Links:

Welche Tipps habt ihr noch für uns? Wie spart ihr im Winter Heizkosten?

Quellen:

  • https://www.ich-tus.steiermark.at/cms/beitrag/12627789/72442079/
  • https://praxistipps.focus.de/zahlen-auf-der-heizung-das-sind-die-temperaturen_97264
  • https://utopia.de/ratgeber/heizkosten-sparen-guenstig-heizen/
  • https://www.instagram.com/fraeulein.oeko/
  • * https://kurier.at/cm/waerme-wie-koennen-wir-sie-nachhaltig-nutzen/401736510

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