Natürliche Wäschepflege

Tipps für eine nachhaltige Wäschepflege

Der 4. Stammtisch von „Zero Waste Graz“ fand am 7.6.2017 unter dem Motto „Natürliche Wäschepflege“ statt. Maria vom Blog „Widerstand ist zweckmäßig hat sich wirklich sehr ausführlich mit dem Thema beschäftigt und bereits viel Erfahrung gesammelt. Diese will sie an uns weitergeben. Es folgt eine Kurzzusammenfassung über den Vortrag, die Langversion findet sich auf ihrem Blog.

GRUNDSÄTZLICHE ÜBERLEGUNGEN

Das Material, aus dem die Kleidung besteht, beeinflusst den Waschrhythmus und die Lebensdauer des Kleidungsstückes. Bei Wolle reicht oft Lüften aus, muss nicht so schnell gewaschen werden. Kunstfaser dagegen fängt schnell zu „riechen“ an, muss ich nach einmaligem Gebrauch schon waschen. Wir sollten uns daher eigentlich schon im Vorfeld gut überlegen, welche Kleidung wir uns zulegen.

Waschrhythmus: Je weniger oft man waschen muss, umso länger lebt die Kleidung, umso öfter kann man sie tragen – der ökologische Fußabdruck des Kleidungsstückes wird dadurch geringer. Das Waschen in der Waschmaschine kostet Energie und Wasser und auch die Maschine selbst wird pro Waschgang „verschlissen“.

Es gibt farbecht gefärbte Stoffe, die man auch mit 60 Grad waschen kann und nicht farbecht gefärbte Stoffe, die regelmäßig Farbe abgeben. Diese Stoffe kann man nur bis maximal 40 Grad waschen. Erkennen tut man die letzteren am Etikett-Hinweis „Nur mit ähnlichen Farben waschen“. Diese Kleidung wird rasch unansehnlich, verliert ihre Farbe, verfärbt eventuell andere Kleidung in der Maschine und man wird sie wohl bereits nach wenigem Tragen nicht mehr anziehen. Daher sollte der Kauf solcher Produkte grundsätzlich vermieden werden!

VOR DER WÄSCHE – Was ist zu tun?

Fleckbehandlung: Flecken sollten sofort (!) entsprechend behandelt werden:

  • Grundsätzlich: hilft immer ein Einweichen in Wasser bis zur endgültigen Wäsche, Wäsche entsprechend einreiben, im Wasser liegen lassen, feucht lassen, Wasser einmal täglich wechseln, falls man nicht sofort wäscht, Fleck nicht vor dem Waschen noch einmal eintrocknen lassen!
  • Blut: nur kaltes Wasser
  • Gallseife: das beste Mittel überhaupt – verpackt in einem Seifensackerl ist gleich eine gewisse Scheuerwirkung damit kombiniert (Achtung: bei empfindlichen Stoffen!)
  • Kernöl: Sonne (auch andere Flecken bleichen bei Sonne aus – ein gutes günstiges Mittel, vorausgesetzt der Stoff hält die Sonnenstrahlung aus)
  • Grasflecken: Gallseife
  • Rotwein: Salz
  • Fettflecken: Wasser und 1 EL Waschsoda – bei Fettflecken auf alle Fälle auch Waschsoda (1 EL) mit in die Waschmaschine geben!
  • Eventuell Programm „Vorwäsche“ bei der Maschine benutzen
  • Hat man fleckige Wäsche so vorbehandelt, braucht man für den Waschvorgang in der Maschine weniger Waschmittel und Temperatur
Gallseife

Lüften: Entweder man wäscht die Wäsche gleich nach dem Tragen oder man lässt sie zuerst auslüften und trocknen. Nicht verschwitzt in den Wäschekorb stopfen! Beachtet man dies nicht, fängt sie nämlich sicher zu riechen an. Manchmal kann man durch richtiges Lüften der Wäsche ein Waschen noch einmal hinauszögern.

Schadstellen: Löcher, lockere Knöpfe … gehören schon vor dem Waschen beseitigt, da sie durch das Waschen in der Maschine größer werden können.

Reißverschlüsse und Knöpfe immer schließen (damit sie selber nicht kaputt werden und auch andere Wäschestücke nicht „verletzen“)

Empfindliche Dinge (Aufdrucke, Stickereien, …) umdrehen oder einen Wäschesack verwenden (Tipp Maria: auch ein alter Kopfpolster ist dazu geeignet)

Bügel-BHs, Feinstrumpfhosen: in einen Wäschesack stecken

Sortieren der Wäsche: entweder nach Waschtemperatur oder nach Farben oder auch Material (Wolle, …)

Steife, schwerere Dinge gehören umgedreht, zB Jeans oder Jacken (vor allem bei dunklen Farben): damit vermeidet man die hellen Waschstreifen

Durchsicht der Taschen der Kleidungsstücke, um unangenehme Überraschungen bei Entnahme der Wäsche aus der Waschmaschine zu vermeiden! 😉

WASCHWIRKUNG:

Wasser: ist das Wichtigste für eine gute Waschwirkung – mit Wasser sollte daher nicht gespart werden. Viele Waschmaschinen sparen automatisch Wasser, hier sollte man eher die „Wasser plus“-Taste aktivieren oder das Vorwaschprogramm wählen. Der Schmutz und die Bakterien müssen ja gut abtransportiert werden. Weiches Wasser wäscht besser als hartes Wasser.

Mechanische Waschwirkung – Reibung: Auch die Befüllung der Waschtrommel mit verschiedenen Größen an Kleidung ist wichtig, damit sich die Wäsche etwas „reiben“ kann (daher nicht unbedingt nur große oder nur kleine Wäschestücke in die Trommel füllen – vor allem Bettwäsche besser aufteilen). Auch die Zugabe von Frotteehandtüchern erhöht die Waschwirkung (vor allem bei fleckiger Kleidung sollte man Handtücher mitwaschen; auch wenn man Turnschuhe wäscht, gibt man am besten ein paar Handtücher dazu, damit genug Reibung vorhanden ist).

Befüllung der Waschmaschine: immer „richtig“ befüllen – nicht zu wenig und nicht zu voll stopfen – wie ich in der Schule gelernt habe: eine Faust sollte noch reinpassen. Wäschestücke locker hineinfüllen, nicht zusammengefaltet (kann sich während des Waschvorganges oft nicht entfalten). Bei Feinwäsche eine geringere Beladung wählen.

Temperatur: Laut Maria genügt bei Beachtung aller vorgenannter Punkte ein Waschen mit meist 40 Grad. Ein Auskochen ist ihrer Meinung nach nicht nötig. (Exkurs: Meine Waschmaschine dagegen fordert ab und zu ein Kochprogramm („Hygieneprogramm“) ein, wenn ich längere Zeit nichts ausgekocht habe. Das gönne ich ihr auch. Bernadette Grossauer von den biologischen Waschmitteln Pach aus Übelbach meint dagegen, dass ruhig wieder mehr „gekocht“ werden sollte.)

Waschmittel: soll die Oberflächenspannung des Wassers reduzieren. Ist nicht das Wichtigste, daher steht es hier auch am Ende der Aufzählung aller bedeutenden Faktoren für die Waschwirkung. Waschmittel nicht zu hoch dosieren – es reinigt so nicht besser, sondern eher im Gegenteil, zurück bleiben dann helle Streifen.

ALTERNATIVE WASCHMITTEL

Beim Wahl des richtigen nachhaltigen Waschmittels sollte man sowohl die Inhaltsstoffe als auch die Verpackung beachten.

Indische Waschnuss: wie man mittlerweile wahrscheinlich weiß, ist diese nicht empfehlenswert, da sie:

  • einen weiten Transportweg hinter sich hat
  • durch den massenweisen Export für die indische Bevölkerung unleistbar geworden ist (und diese daher zu konventionellem Waschmittel greifen müssen)
  • eigentlich auch zusätzlich noch in Plastik abgepackt sind
  • sie mit der Wäsche mitgewaschen werden und nach einmaligem Gebrauch immer noch eine Waschwirkung haben (sie können ja öfters (2 bis 3x) verwendet werden) => der Schaum ist daher in der Wäsche noch drinnen.

Selbst gemachtes Waschpulver: Hier gibt es eine Vielzahl von Rezepten in diversen Büchern als auch im Netz (sowohl für Waschpulver als auch für Flüssigwaschmittel). Dazu folgt in Kürze einmal ein eigener Beitrag von uns.

Nachfüllbares Flüssig-Waschmittel aus dem Bioladen: leider verbleiben hier die Kanister als Überbleibsel-Problem …

Efeu: Efeu enthält natürliche Saponine. Entweder man verwendet die Blätter direkt in der Waschmaschinentrommel (ein paar Blätter kurz abwaschen, etwas zerteilen, in ein Wäschenetz geben und gut verschließen) oder man setzt einen Sud an. Einen eigenen Artikel über das Waschen mit Efeu findet ihr hier auf unserer Website.

Unser Garten – Efeu in Hülle und Fülle
  • Blätter direkt: Maria wendet bei dieser Methode ein, dass sich hier auch noch am Ende des Spülvorgangs Schaum in der Wäsche befinden könnte. Wenn ich aber die Efeublätter betrachte, die ich dann meiner Maschine entnehme, kann ich mir nicht vorstellen, dass hier noch Schaum rausgeht. Ich habe gelesen, dass die Konzentration der Saponine im Efeu um einiges weniger stark (2-6%) ist, als in Kastanien (10-15%).
  • Efeusud: eine Handvoll Blätter (ca. 60g) kurz abspülen, klein zerschneiden und in kochendes Wasser geben (ca. 0,6 l). Wahlweise kann auch ein TL Waschsoda hinzugefügt werden (das Waschsoda tötet Keime und steigert die Fettlösekraft). Unter Rühren mindestens 5 Minuten kochen lassen, abkühlen lassen und in ein verschließbares Schraubglas füllen, ab und zu schütteln. Die Flüssigkeit beginnt nach einiger Zeit zu schäumen. Blätter abseihen und pro Waschgang ca. 200ml in die Waschmaschine füllen. Das Efeu-Waschmittel hält nur wenige Tage, sollte man nur wenig Wäsche haben, entsprechend weniger Waschmittel ansetzen. Je frischer der Sud ist, umso besser. Bei heller Wäsche gibt man noch zusätzlich etwas Waschsoda ins Waschmittelfach. Am besten geeignet sind die dunkleren, älteren Blätter.

Kastanien:

Aus zerkleinerten Kastanien (am besten ohne Schale – mit Schale wird der Sud dunkler und kann die Wäsche verfärben, ist aber kein Muss) kann man sich einen Waschmittelsud zubereiten. Dazu ca. 3 bis 5 klein geschnittene Kastanien mit etwas 400 ml Wasser in einem Schraubglas ansetzen und mehrere Stunden stehen lassen. Schüttelt man das Glas, sieht man schon den Schaum. Die Kastanien abseihen und den Sud (Menge reicht für 2 Maschinen) in die Waschmaschinen-trommel füllen. Die Kastanien lassen sich sehr schwer schälen und auch nicht so leicht zerkleinern. Am besten, man lässt die Kastanien nicht zu sehr antrocknen, sonst werden sie hart.

Ich erledige das Zerkleinern mit einem großen gewellten Messer. Gut bewährt hat sich bei mir auch das lockere Aufbewahren der Kastanien im Herbst in der Wiese. Im kalten Zustand konnten die Kastanien relativ leicht zerkleinert werden. Perfekt wäre natürlich eine robuste Küchenmaschine oder ein Häcksler. Anschließend ist es aber wichtig, dass die Kastanienschnitze rasch getrocknet werden. Dazu empfiehlt sich ein lockeres Auflegen auf einem Kuchenblech und ein Trocknen bei der Heizung oder im lauwarmen Backrohr (das einen Spaltbreit geöffnet ist, damit die Feuchtigkeit entweichen kann). Sind die Kastanien dann völlig trocken, können sie in Behälter gefüllt und mehrere Monate gelagert werden, bevor sie zum Wascheinsatz gelangen. Einen eigenen Artikel zum Waschen mit Kastanien mit vielen Tipps findet ihr auf unserer Website hier.

TROCKNEN der WÄSCHE:

Besonders wichtig bei der nachhaltigen Wäschepflege ist, dass die Wäsche schnell und ökologisch (dh möglichst ohne zusätzliche Ressourcenverschwendung) trocknen kann. Die richtige Trockenmethode verhindert daher ein Stinken der Kleidung.

KEIN Wäschetrockner! Verbraucht schon allein bei der Herstellung zu viele Ressourcen, benötigt zu viel Strom und verkürzt die Lebensdauer der Kleidung (pro Trockengang lösen sich unglaublich viele Fasern) und oft geht die Kleidung auch dabei ein.

Am besten ist das Trocknen an der frischen Luft. Selbst im Winter hilft ein Übertrocknen der Wäsche draußen (auch wenn die Wäsche gefroren ist, ist sie trockener geworden). Durch das Trocknen im Wind wird die Kleidung auch weicher. Wenn möglich, Waschtage daher am besten nicht fix legen, sondern nach dem Wetter richten.

Pralle Sonne eher meiden oder hier nur ganz kurz trocknen – außer, man will Flecken entfernen!

Auch im Winter kann bei Minustemperaturen die Wäsche draußen getrocknet werden – man nennt das Phänomen Sublimation und wir haben hier darüber berichtet.

Feuchte Wäsche gut ausschütteln und zurecht richten (man spart sich das Bügeln!). Wäscheklammern helfen dabei, dass nichts doppelt überschlagen hängt (dauert sonst länger zu trocknen). Wolle und Feinwäsche sollte liegend getrocknet werden, damit sie sich nicht verformen.

Wäsche nicht zu dicht aufhängen, wenn möglich, mehrere Wäscheständer verwenden, auch wenn alles auf einem Platz hätte. Je mehr Luft zur Wäsche dazu kann, umso schneller kann sie trocknen und beginnt nicht zu stinken.

„Großkampftag – bei Wind und Sonne schnell getrocknet“

BÜGELN der Wäsche:

Je weniger, umso besser (Stromverbrauch!). Es hilft richtiges Aufhängen der Wäsche (Blusen und Hemden bereits auf Kleiderbügel, …). Mit Bügeln kann aber auch etwaigen Keimen der Kampf angesagt werden (zB Stofftaschentücher überbügeln – tötet Keime), falls man hier Bedenken hat. Dadurch ist es nicht nötig, dass sie mit 90 Grad ausgekocht werden.

SONSTIGE TIPPS:

Gegen schlechte Gerüche in Textilien hilft auch weißer (billiger) Vodka. Mit etwas Wasser verdünnt und mit einer Sprühflasche (Kleidung kann sogar noch feucht sein) aufgesprüht, sollen die ärgsten Gerüche verschwinden. Hinweis: Die Kleidung riecht dann nicht nach Vodka, weil dieser selbst geruchlos ist.

Essig aber auch Soda helfen ebenfalls gegen schlechte Gerüche.

Lavendelöl (oder andere Sorte): 1 oder 2 Tropfen (eventuell gemeinsam mit Essig) ins Weichspülerfach geben – wenn jemand unbedingt einen kleinen Duft haben will (Wäsche riecht sonst neutral).

Weichspüler ist grundsätzlich keiner nötig.

Hartes Wasser:

  • 1 El Essig zum Waschgang
  • auch Soda hat eine wasserenthärtende Wirkung
  • Von der Fa. Pach gibt es auch einen sehr günstigen, biologisch abbaubaren Wasserenthärter, mit dem man ganz lange auskommt.

Habt ihr noch Tipps? Dann hinterlasst uns doch bitte einen Kommentar! Die Langversion von Marias Vortrag bzw ihre beiden Blogeinträge dazu finden sich hier: https://widerstandistzweckmaessig.wordpress.com/

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Ein Kommentar:

  1. Hier noch eine Bemerkung zum Waschmittel der Fa. Pach: wollte ich vor kurzem kaufen, nach einem Durchlesen der Inhaltsstoffe musste ich enttäuscht feststellen, dass meine Suche nach regionalen, ökologischen und nachhaltigen Putz- und Waschmitteln weitergeht.
    Kokos- und Palmöl, die Hauptinhaltsstoffe, haben genau wie Waschnüsse einen weiten Transportweg, für den Anbau wird Regenwald abholzt, Land enteignet und Arbeit unter sklavenähnlichen Bedingungen geleistet. Dadurch, dass es in der Steiermark verarbeitet wird, bekommt es ein grünes Mascherl, mehr allerdings nicht!

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