Stoffwindeln – Erfahrungsbericht von Evelyn

Stoffwindeln – Ein Langzeit-Erfahrungsbericht von Evelyn Rath (Vision müllfrei)

Von der Geburt bis zum Sauberwerden fällt pro Kind im Schnitt etwa eine Tonne Müll durch Wegwerfwindeln an. Ein guter Grund, sich als Eltern mit der Möglichkeit eines Mehrwegsystems auseinanderzusetzen.

In unserer Familie wurden drei der vier Kinder mit Stoffwindeln gewickelt. Wir haben die Windeln während heißer Sommer, langer Ausflüge, in Fremdbetreuung und trotz Neurodermitis verwendet, und wurden zu begeisterten Stoffwindeleltern. Die Wahl für die Marke Popolini ist dabei eher zufällig gefallen, da uns ein gebrauchtes Starterpaket von Freunden angeboten wurde.

Zugegeben, anfangs mussten wir uns erst ein wenig zurechtfinden, denn immerhin besteht dieses Windelsystem aus vier Teilen: Vlies, Extra-Einlage (für mehr Saugfähigkeit während der Nacht), Windelhöschen und Überhöschen. Nur gut, dass Neugeborene sich noch sehr geduldig von den ungeübten Eltern wickeln lassen! Bald schon hatten wir den Dreh raus, und wurden immer routinierter. Heute schaffen es sogar unsere Kinder, ihre Puppen perfekt mit Stoffwindeln zu wickeln.

Und so funktioniert es: Im Inneren liegt ein Vlies, das den Stuhl einfängt und später entsorgt wird. Darüber kommt die eigentliche Stoffwindel, die durch ihre Druckknöpfe größenverstellbar ist. Eine saugfähige Stoffeinlage zwischen Windel und Vlies empfiehlt sich für die Nachtstunden, wenn in größeren Intervallen gewickelt wird. Eine Überwindel bildet die äußerste Schicht und dient als Nässeschutz. Die Innenwindel und die Einlage werden bis zum nächsten Waschgang (etwa alle zwei bis drei Tage) in einem Kübel mit Essigwasser aufbewahrt, die Überwindel wird nur bei Bedarf gewaschen.

Ja es stimmt, ein wenig mehr Wäsche fällt natürlich an. Wenn wir uns aber vor Augen halten, wie viel Abfall wir nicht produziert haben und welche Unsummen an Geld wir einsparen konnten, dann war es eindeutig die richtige Entscheidung.  Zudem bieten Stoffwindeln zwei weitere große Vorteile zu Einwegwindeln: Sie halten sogar im Tragetuch dicht und die Kleinen werden deutlich schneller rein (bei unseren Kindern jeweils noch vor dem zweiten Geburtstag).

Stoffwindel-Wetbag

Auch für Feuchttücher gibt es eine müllfreie und dennoch praktische Alternative, die sich sogar für unterwegs bewährt: Aus einem alten Flanellleintuch mit einer Zick-Zack-Schere Tücher von ca. 12 x 12 cm schneiden. Zudem 100 ml abgekochtes Wasser mit einigen Tropfen nativem Pflanzenöl mischen und in eine kleine Pumpflasche füllen. Beim Wickeln nun die Öl-Wasser-Mischung schütteln und großzügig auf den Babypopo sprühen, dann mit einem der Tücher reinigen. Anschließend mit der Stoffwindel zusammen in den Kübel und bei der nächsten Gelegenheit in die Waschmaschine. Wer unterwegs ist, transportiert die schmutzige Wäsche in einem Wetbag oder einfach einem Plastiksackerl.

Feuchttücher-Ersatz

Folgende Tipps möchten wir mit auf den Weg geben:

  • Es gibt oft günstige Gelegenheiten, neuwertige Stoffwindeln Second Hand zu kaufen.
  • Wir haben unsere Kinder immer erst ab einem Gewicht von mindestens 3,5 kg mit diesem System gewickelt. Da die Windeln größer und dicker sind, liegt der Kopf des Neugeborenen andernfalls tiefer als der Popo. Es mag anfangs irritieren, dass das winzige Baby einen scheinbar überdimensionalen Windelpopo hat, doch die gesunde Reifung des Hüftgelenks wird dadurch unterstützt.
  • Der Windelpopo ist bei Babys mit Stoffwindeln zwangsläufig größer und breiter. Stylische Leggins oder Babyjeans passen daher oft nicht. Am besten und bequemsten ist in jedem Fall die gute altmodische Strampelhose.
  • Eine Waschtemperatur von 60°C ist ausreichend. Wer heißer wäscht, vergeudet nicht nur Energie, sondern strapaziert auch das Material unnötig und verkürzt somit die Lebensdauer der Windel.
  • Wenn sich die Stoffwindel nach dem Trocknen „bockig“ statt flauschig anfühlt, genügt es sie ein wenig zu kneten.
  • Hartnäckige Schatten auf der Windel lassen sich durch Sonnenlicht sehr gut entfernen.

© vision müllfrei (Evelyn Rath)

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