Verwandtschaftstreffen
Ich möchte euch heute die drei Schwestern vorstellen. Nein, das sind leider nicht meine Geschwister, sondern 3 grandiose Pflanzen, die – zusammen angebaut – wunderbar miteinander harmonieren, sich gegenseitig fördern und stützen und so auch noch maximalen Ertrag bei minimaler Umweltbelastung liefern. Seid’s jetzt neugierig geworden?
Die drei Schwestern – The three sisters
Die „Drei Schwestern“ nennt man Kürbis, Mais und Bohnen, die zusammen angepflanzt werden. Das ist seit Jahrhunderten eine gebräuchliche und ertragreiche Anbaumethode (in manchen Gegenden auch „Milpa“ – das nahe Feld – genannt). Ob Azteken, Majas oder nordamerikanische Indigene – alle betrachteten diese drei Feldfrüchte als göttliche Gaben, als Erhalter des Lebens, die traditionellerweise miteinander gezogen werden.
Dieser gemeinsame Anbau ist eine sehr alte Form der Mischkultur und hat auch vor vielen Jahren in meinem Garten Einzug gehalten – ein Erfahrungsbericht war daher schon überfällig.
Welche Vorteile hat die Mischkultur?
- Gefahr einer Massenausbreitung von Schädlingen ist geringer als bei einer Monokultur
- Pflanzendüfte vermischen sich, Schädlinge erkennen sie nicht und ziehen verwirrt weiter
- Nährstoffe im Boden werden optimal genutzt, jede Art hat einen anderen Nährstoffbedarf
- Bodenmüdigkeit wird reduziert
- Partner fördern sich gegenseitig
- sehr gute Klimaresilienz
Gerade weil die Drei Schwestern aus unterschiedlichen Pflanzenfamilien stammen, unterstützen sie sich auf besondere Weise:
Mais: Ausgewachsen ein strammer Kerl, ist er für die anderen perfekte Rankhilfe, Stütze und Windschutz in einem; Flachwurzler
Kürbis: Durch sein resolutes Ausbreiten bedeckt er den Boden wie eine Mulchschicht, so kann sich ein eigenes Microklima bilden und der Boden bleibt länger feucht, Mutterboden ist geschützt, weniger Beikräuter können sich durchsetzen.
Bohnen: Teilen gerne mit den anderen, reichern den Boden mit Stickstoff an – in kleinen Knöllchen, die sich an ihren Wurzeln bilden, binden spezielle Bakterien Stickstoff; Tiefwurzler, lockern den Boden, Feuchtigkeit kann besser eindringen
Alle haben ähnliche Bedürfnisse, lieben Sonne und warme Temperaturen, stammen doch Kürbis und Mais ursprünglich aus Mittel- und Südamerika. Und: Willst du es heuer auch probieren?

Wie geht’s?
Ein nicht zu kleines Beet vorbereiten, Boden lockern, Kompost, Hornspäne einarbeiten. Im April ist die beste Zeit, Mais (Monatsanfang) und Kürbisse (Monatsmitte) in kleinen Töpfchen vorzuziehen. Drinnen starten, mit Blick auf das Thermometer können die kleinen Pflänzchen auch draußen schon ein bissl abgehärtet werden.
Welche Sorten?
Mais:
Nur eine Sorte anbauen, Eigenschaften bleiben sonst oft nicht erhalten z.B.:
- Zuckermais z.B. Golden Bantam, True Sweet Gold,
aber Achtung! Erntezeitpunkt nicht übersehen, tritt beim Anritzen der Körner eine milchige Flüssigkeit aus, nichts wie rauf auf den Grill oder rein in die Suppe. Nur den Kolben ernten, Stängel bleiben für Bohnen stehen. - Popcornmais: hier bleibt der Kolben bis zur vollkommenen Reife am Stängel
- alte, ausgefallene Sorten wie Bloody Butcher oder Glass Gem
Mehr zum Mais erfährst du auch in diesem Blogartikel: Da Gugarutz (Mais)
Kürbis:
Noch schwieriger die Entscheidung beim Kürbis, die Möglichkeiten sind unüberschaubar vielleicht einfach mal mit etwas Bekanntem starten – Hokkaido, Pattison = Ufokürbis, Butternut; gute Erfahrungen habe ich auch mit Ungarischer Blauer, Blue Ballett, Sweet Dumpling oder Honeycut gemacht.
Bohnen:
KEINE Buschbohnen verwenden! Stangenbohnen z.B. Neckargold, Golden Gate, Blauhilde … oder mal Spaghettibohnen versuchen.
Anfang bis Mitte Mai pflanze ich die Maiszöglinge in das vorbereitete Beet, sind sie 15 – 20 cm hoch, setze ich 4-5 Bohnen um sie herum, nicht zu tief! Die zwei bis drei Kürbispflanzen von einer Sorte platziere ich eher am Rand, gern auf einer Extraportion Kompost oder Mist. Die Ranken suchen sich ihren Weg dann schon allein.
Generell bei jungen Pflanzen muss man gierige Schnecken im Auge behalten, die allem Zarten den Garaus machen – so schnell kannst gar nicht schauen.
Was tun gegen Schnecken?
- vorbeugend mit Urgesteinsmehl oder Holzasche bestäuben
- Häufchen aus Polentagries anbieten, die Plagegeister fressen sich recht gern damit voll
Sobald die Pflanzen größer und robuster sind ist die Gefahr vorbei.
Die Drei Schwestern sind keine großen Zicken, was die weitere Betreuung angeht und für einen guten Schluck Brennnesseljauche jederzeit zu haben. Gibt es allerdings längere Trockenperioden wird man ums Gießen nicht herumkommen.

Noch einige Tipps gefällig?
- am Rand Sonnenblumen pflanzen, auch an ihnen können Bohnen hochklettern
- Phacaelis = Bienenfreund in enger Nachbarschaft lockt mehr Bestäuber an
- keine Gurken oder Zucchini in nächster Nähe pflanzen, könnten sich mit ihrem Cousin Kürbis kreuzen
- schlechte Partner sind auch Kartoffel, eher ins andere Garteneck einquartieren
Macht’s mit bei diesem friedlichen Verwandtschaftstreffen, es ist eine große Freude allen gemeinsam beim Wachsen zuzuschauen!
Weitere interessante Beiträge:
- Da Gugarutz (Mais)
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