Warum Gartenerde ohne Torf?

Gartenerde – Pflanzerde – Moore – Torf

Schau genau – der Inhalt macht den Unterschied!

Die neue Gartensaison ist bereits voll im Gange, der Indikator dafür ist die Anzahl der Säcke mit Blumen- und Pflanzerde, die aus Gartencentern und Baumärkten geschleppt wird. Doch diese Erde hat es in sich – nämlich Torf, in verschieden hoher Konzentration oder gar pur. Unser Wunsch: dass wir alle bei Torf haltiger Blumenerde „sicher nicht!!“ rufen und den Sack wie eine heiße Kartoffel fallen lassen, denn mit jedem Sack trägt man einen Teil eines zerstörten Moores in seinen Garten.

Moore

Moore sind spezielle Landschaftsbereiche mit ständigem Wasserüberschuss, bestehen seit ca. 10.000 Jahren und sind unglaublich wertvolle Ökosysteme mit einer einmaligen Artenvielfalt, viele Exemplare können überhaupt nur dort existieren. Seggen, Binsen Torfmoose, Wollgras, Rosmarinheide und der fleischfressende Sonnentau gehören da dazu. Außerdem wachsen Moore extrem langsam – ca. 1 mm pro Jahr (entfernt man nur 25 cm Torf, würde es 250 Jahre dauern, diese Schicht zu ersetzen).

Was ist Torf?

Torf hat sich, wie auch Kohle und Erdöl, über sehr lange Zeiträume hinweg gebildet. Es ist ein dunkler, faseriger Boden, der in Mooren entsteht. Durch die wassergesättigte Umgebung werden Pflanzen wie z.B. spezielle Torfmoose, nur teilweise zersetzt, unter Sauerstoffabschluss bilden die konservierten Pflanzenreste immer höhere Schichten. Diese so eingelagerten Pflanzenteile bestehen zum Großteil aus Kohlenstoffverbindungen.

Deshalb sind Moore gewaltige CO2-Speicher, sie speichern fast doppelt so viel als Wälder und sind damit wirklich sehr klimarelevant.

Doch sobald Moore abgebaut oder trockengelegt werden, entweicht dieses CO2 in unsere Atmosphäre und heizt den Treibhauseffekt noch mehr an. Aber auch Methan und Lachgas, über tausende Jahre gut im Moor gespeichert, werden durch Torfabbau freigesetzt. Denn sobald Teile der Torfschicht aus ihrer gewohnten wassergesättigten Umgebung entfernt werden, beginnen sich die organischen Bestandteile an der Luft zu zersetzen, schon Entwässerungsgräben im Moor reichen, um diesen Prozess zu starten.

Aber wieder zurück zum Baumarkt und unserem Sack Pflanzerde, den wir mitnehmen wollen. Warum ist da jetzt gerade Torf drinnen?

Das liegt an seinen Eigenschaften:  

  • speichert sehr gut Wasser
  • niedriger pH-Wert, gerade für Moorbeet-Pflanzen ideal
  • geringes Gewicht in trockenem Zustand, leicht zu transportieren

Ein Faktencheck in einem Gartencenter ergibt, dass von 18 gelagerten Erden gerademal vier (!) torffrei sind. Aber auch von den Säcken, die sich mit der Aufschrift „torfreduziert“ präsentieren, sollte man die Finger lassen. Mehrzweckerde enthält oft bis zu 70% Torf, wieviel genau, ist nicht immer herauszufinden.

Eine engagierte und kompetente Fachkraft meint, sie würde in erster Linie torffreie Schwarzerde empfehlen und ihre positiven Eigenschaften hervorheben. Kunden würden auch vermehrt nach torffreier Erde fragen und sie trotz höheren Preises kaufen – es besteht also doch noch Hoffnung, dass für manche Menschen das Wohlergehen unseres Erdballes wichtiger ist, als das ihrer Pelargonien und Hortensien.

Alternativen – kaufen oder selber machen:

Die Inhaltsstoffe der torffreien Erden: Kompost, Sand, Holzfaser, Kokosfaser, Tonminerale etc. Als Ersatz für Torf ist Kompost gut geeignet; jeder, der einen Garten hat, kann ihn aus organischen Grünabfällen sogar selbst herstellen. Auch Rinden- und Holzabfälle sind zum Kompostieren geeignet, reiner Laubkompost ist ideal für Moorbeete oder auch Schwarzbeeren.

Der Abbau von Torf hat eine jahrhundertealte Geschichte, diese fossile Substanz wurde getrocknet als Heizmaterial verwendet (Torf stechen), als Füll- und Dämmstoff beim Häuserbau, als Streu im Stall. Einige schottische Whiskeydestillerien verwenden Torffeuer noch heute, um den typisch rauchigen Whiskeygeschmack zu erzeugen. Und in manchen Ländern wird aktuell noch mit Torf geheizt, wie teilweise in Skandinavien oder im Baltikum.

Es gibt noch eine wichtige Funktion der Moore, neben CO2-Speicherung und wertvollem Ökosystem: sie sind großartige Wasserspeicher – bei umfangreichen Niederschlägen saugen sie die Feuchtigkeit wie ein Schwamm auf, geben sie aber nur langsam, ja tröpfchenweise wieder ab. Bei Starkregenereignissen können sie große Mengen aufnehmen und Hochwässer mildern. Sie geben auch in Trockenzeiten Feuchtigkeit in die Umgebung ab, halten sie in der Landschaft und durch den Verdunstungskreislauf wird auch im Gebiet Regen niedergehen.

Obwohl man um die enorme Wichtigkeit der Moore weiß, werden sie weiterhin weltweit rücksichtslos zerstört, indem man industriell Torf abbaut, der als Pflanzerde in den Gärten landet.

In Zentral – und Südostasien werden tropische Moorwälder und Torfmoore trockengelegt, um noch mehr Flächen für Ölpalmenplantagen nutzen zu können, dabei kommt es auch häufig zu kaum löschbaren Schwelbränden. 50% aller Mooremissionen kommen aus SO-Asien.   

Situation in der Steiermark

Für Prof. Johannes Gepp, Präsident des steirischen Naturschutzbundes, ist Moorschutz der billigste Weg, 1% der Klimagasemissionen des Landes zu vermeiden. Durch das Trockenlegen der Moore kommt es zur Freisetzung von enormen Mengen an CO2 und anderen klimaschädlichen Gasen. Er schätzt, dass in Österreich jährlich durch Trockenlegung 1-2 Mill. Tonnen CO2 freigesetzt werden.

Prof. Gepp informiert weiters, dass im Österreichschnitt bereits an die 90 % der steirischen Moorflächen zerstört wurden. Und in den letzten fünf Jahren in der Steiermark mehr Moorflächen für Pistenbau und Schneeteiche weichen mussten als sonst wo in Österreich.

In der Steiermark ist der Schutz der Moore äußerst mangelhaft. Es gibt zwar eine „steirische Moorschutzstrategie 2030+“, in der es um Renaturierung und Wiedervernässung geht, doch den Verantwortlichen scheint die Dringlichkeit der Maßnahmen nicht klar zu sein – handelt JETZT – nicht erst, wenn die meisten Moore verschwunden sind!

Seit mehr als 30 Jahren ist bekannt, dass die Verwendung torfhaltiger Erden und die Zerstörung der Moore massivst die Umwelt schädigen, global wie regional.

Warum wird sie immer noch produziert? Vielleicht, weil wir sie säckeweise aus dem Baumarkt tragen? Es ist unsere Entscheidung, zur torffreien Erde zu greifen -tun wir´s einfach!

Tipps von Barbara:

Absolut empfehlenswerte Erden gibt es z.B. von der Fa. Sonnenerde: biologisch, nachhaltig und von hoher Qualität. Bioschwarzerde von multikraft ist auch eine gute torffreie Erde (enthält aber Anteile von Kokosfasermark).

Exkursions-Tipp: Das Naturkundemuseum bietet jedes Jahr empfehlenswerte Exkursionen zu steirischen Mooren an.

Quellen:       

  • Johannes Gepp: Moore – unterschätzte Multitalente
  • Dave Goulson: Wildlife Gardening
  • Stephan Glatzel: Moore als CO2-Speicher
  • www.plantura.at

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Fotocredits: Barbara Kochauf

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