Der Kren

Der Kren – kein Grund zu weinen … ganz im Gegenteil.

Armoracia rusticana, Kren oder Meerrettich ist eine fantastische Gabe der Natur und nicht umsonst Heilpflanze des Jahres 2021, es geht sich vor Jahresende grad noch aus, euch das Wichtigste von ihm zu berichten.

An der Erdoberfläche sind von ihm ausdauernde, lange grüne Blätter und im Sommer kleine weiße Blüten zu sehen, der wahre Schatz ist jedoch unter der Erde zu finden – die Krenwurzel. Außen beige-braun, innen weiß, und prall gefüllt mit für uns wertvollen Inhaltsstoffen. Der Kren enthält unter anderem mehr Vit.C als eine Zitrone, Vit.B1/B2/B6, Magnesium, Kalium, Calcium, Eisen, Flavone (gelbe Farbstoffe), ätherische Öle, Senföle.      

Senföle werden von Pflanzen als natürliche Abwehr gegen ihre möglichen Fressfeinde benutzt (haben beim Menschen aber irgendwie versagt 😊), sie entstehen erst durch eine akute Verletzung an der Pflanze, bzw. an den Pflanzenzellen. Wie auch beim Kren typisch: die ganze Wurzel riecht kaum, erst beim Schneiden oder Reiben dringt uns sofort die typische Krenschärfe in Nase und Augen.

Wie wirkt der Kren?

Innerlich:

  • antibakteriell (gegen Bakterien)
  • antiviral (gegen Viren)
  • antimykotisch (gegen Pilze)
  • entzündungshemmend und immunstärkend
  • verdauungsfördernd
  • schleimlösend 

Äußerlich:

  • durchblutungsfördernd
  • schmerzlindernd bei rheumatischen Muskelschmerzen

Auch Ärzte erkennen die antimikrobielle Wirkung der Senföle im Kren an (www.aerztezeitung.de), Versuche mit Zellkulturen ergaben, dass das Wachstum bestimmter Viren und Bakterien teilweise um bis zu 90% gehemmt wurde. In der Volksmedizin wird der Kren schon sehr lange verwendet, Hildegard von Bingen hat ihn in ihren Rezepten erwähnt, er wird auch manchmal als pflanzliches Antibiotikum bezeichnet.

Zum Einsatz kommen kann er bei Infektionen der Atemwege, Bronchitis, Husten, bei Harnwegsinfekten, er unterstützt die Verdauung, stärkt die Abwehrkraft und bringt Linderung bei leichten Muskelschmerzen durch Steigerung der Durchblutung im betroffenen Bereich.

Ganz unten findet ihr noch zwei meiner Lieblingsrezepte.

Kren im Garten

Sobald man eine Krenwurzel im Garten hat, kann man davon ausgehen – sie ist gekommen um zu bleiben. Jedes noch so kleine Wurzelstück wächst weiter. Dieser ausdauernde und winterharte Kreuzblütler, verwandt mit Radieschen und Kohlgemüse, liebt ein ruhiges Plätzchen, auch gern im Halbschatten z. B. neben dem Komposthaufen, neben Himbeeren und Ribiseln, wo er ungestört wuchern kann, denn das „Plätzchen“ wird mit der Zeit recht groß. Ab und zu gießen und im Herbst eine gute Portion Kompost, ansonsten bekommt er von mir nur dann Aufmerksamkeit, wenn ich ein Stück Wurzel ausgrabe. Nachzulesen ist, dass man Kren im Frühling und Herbst erntet, im Garten grabe ich ihn dann aus, wenn ich ihn gerade brauche – das beste Lager für den Kren ist der Erdboden – unter fließendem Wasser abbürsten und verarbeiten. Die Schärfe ist direkt nach der Ernte am intensivsten und nimmt mit der Zeit ab.

Übriggebliebene Stücke in einem leicht feuchten Tuch oder einem Schraubglas im Kühlschrank aufbewahren. Falls man im Herbst doch mehrere Wurzeln ausgräbt, weil das später bei gefrorenem Boden nicht mehr möglich ist, kann man sie in einer Kiste mit leicht feuchtem Sand im Keller lagern. Eine Vermehrung ist mit den dünnen Seitenwurzeln (Fechser) möglich, die man am besten gleich nach dem Ausgraben der großen Wurzel leicht schräg wieder eingräbt. Kurz erwähnt sei auch noch der kulinarische Aspekt, vielen Gerichten, Soßen und Salaten verleiht erst der Kren den richtigen Pfiff. Ihr seht also – wirklich kein Grund zu weinen, wenn`s um den Kren geht.                                                                         

Rezepte:

Ich möchte hier 2 bewährte Rezepte mit euch teilen, die meine Oma häufig angewandt hat (nicht immer zur Freude vom Opa 😊). Vor dem Ausprobieren aber bitte folgende Hinweise beachten!

  • für Kinder ist der scharfe Kren nicht geeignet!
  • Nach dem Krenreiben gleich ausgiebig Hände waschen, um nicht unabsichtlich Augen oder Schleimhäute zu berühren, das brennt höllisch.
  • Achtung, für empfindliche Haut kann das Krenpflaster zu stark sein, Hautstelle gut beobachten!
  • Nicht verwenden bei Magen- und Darmproblemen, Nierenentzündung und Schilddrüsenerkrankungen
  • Hausmittel ersetzen nie den Besuch beim Arzt!!

Krenhonig gegen Husten
Ein ca. 3-4 cm langes Stück Krenwurzel (am besten frisch) reiben und mit der doppelten Menge Honig in ein Schraubglas geben, über Nacht stehen lassen und dann abseihen.  2-3x tgl. einen kleinen Löffel davon nehmen (oder mit warmem Wasser verrühren und trinken).

Krenpflaster bei Muskel- und Nackenschmerzen
Einen gut gehäuften Esslöffel geriebenen Kren auf ein kleines Tuch geben, Tuch so zusammenfalten, dass sich auf der Seite, die auf die Haut gelegt wird, nur eine Schicht Stoff befindet und auch der Kren nicht herausrutscht. Auf die schmerzende Stelle oder den Nacken drücken, nach 10 min wieder entfernen.  

Noch kurz einige interessante Infos:

  • Japanischer Meerrettich = Wasabi, das man zum Sushi isst
  • Zarte erste Blättchen im Frühjahr = fein schneiden und aufs Butterbrot oder in den Salat.
  • Fast der gesamte österreichische Kren kommt aus der (Süd-)Steiermark
  • Steirischer Kren g. g. A. = geschützte geografische Angabe, eine anerkannte Herkunftsbezeichnung, die den Anbau in der Steiermark garantiert. Allerdings gilt das nicht auch für die Verarbeitung.
  • Konventioneller Krenanbau ist sehr arbeitsaufwändig, angeblich gibt es steiermarkweit nur einen einzigen Bio–Krenbauern.

Quellen:

  • Siegried Hirsch/Felix Grünberger: Die Kräuter in meinem Garten
  • Marie-Luise Kreuter: Mein Kräuterbuch
  • Wikipedia
  • www.phytodoc.de
  • www.landschaftleben.at                                                                                   

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Fotocredits: Barbara Kochauf

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