Die Mistel

Die Mistel – ein geheimnisumranktes Problem?

Als traditionelle Dekopflanze in der Advent- und Weihnachtszeit ist die Mistel nicht wegzudenken, immergrüne längliche Blätter und runde weiße Beeren verschönern den Adventkranz. Aber über die Mistel gibt es mehr zu sagen, als dass es Glück bringen soll, sich unter einem aufgehängten Mistelzweig zu küssen. Misteln sind Halbschmarotzer (= Photosynthese betreiben sie selbst, Ernährung kommt vom Wirt) und immer auf ihren Wirtsbaum angewiesen. Betroffen ist Weichholz wie Birken, Pappeln, Linden, Apfelbäume etc., aber auch Nadelbäume wie die Kiefer (= Föhre) werden von der Föhrenmistel bewachsen. Es gibt allerdings auch mistelfeste Bäume wie z.B. Walnuss, Magnolie oder Birnen und Steinobst.

Wie wächst die Mistel?

Um einen Baum befallen zu können, muss ein Same auf einen Ast gelangen. Das passiert ausschließlich durch Vögel, die sich die Mistelbeeren sehr gerne schmecken lassen. Entweder streifen sie am Schnabel klebengebliebene Samen direkt am Ast ab oder sie scheiden den Samen unverdaut wieder aus, wodurch er ebenfalls auf den Baum gelangen kann. In beiden Fällen beginnen die Samen zu keimen und mit unglaublicher Kraft bohrt sich ein winziger Spross durch die Rinde bis zu den Leitungsbahnen des Baumes, hat sich nach einigen Jahren verzweigt und bedient sich ganz ungeniert vom Wasser und den Mineralstoffen des Wirtsbaumes. Besonders im Winter kann man auf den laublosen Bäumen die großen, kugelrunden, grünen Büschel gut sehen. Vitale starke Bäume sind in der Lage, diesen Primärspross der Mistel zu überwachsen und sie stirbt in der Folge ab. Aber zu starker Befall kann zum Problem werden. Nun kommt es durch den Klimawandel zu langen regenarmen Hitzephasen im Sommer und immer wärmeren Wintern, was bei den Bäumen zu enormen Trockenstress führt und die Widerstandskraft reduziert. Dadurch hat der Mistelsame ein leichtes Spiel, sich auf Ästen anzusiedeln und man hat tatsächlich eine stärkere Ausbreitung der Mistel in den letzten Jahren registriert.

So beginnt ein Teufelskreis

Dem strapazierten Baum entnimmt die Mistel hemmungslos Wasser und Nährstoffe- der Baum wird schwächer, die Mistel dagegen noch stärker – es kommt nach Trockenjahren zu immer massiverem Nadelverlust und diese Komponenten führen zum Absterben des Baumes!

Nicht nur Kiefern sind da stark betroffen, besonders auch bei alten Streuobstwiesen, die eine hohe ökologische Wertigkeit haben, kann man eine Zunahme der Mistel beobachten, vor allem wenn sie nicht mehr gut gepflegt werden. Die ungebremste Vermehrung der Mistel führt irgendwann zum Tod des Baumes und damit leider häufig zum Verlust einer uralten Apfelsorte.

Was kannst du tun, wenn dein Apfelbaum von Misteln befallen ist?

Kleinere Äste kann man gleich ganz entfernen, ca. 50 cm unterhalb des Parasiten gerade absägen. Hat sich der unliebsame Mitbewohner allerdings schon zu stark vermehrt, einfach die grünen Büschel mit einer Gartenschere ganz knapp am Ast abzwicken. Ganz vom Tisch ist das Problem damit nicht, aber die Mistel benötigt ungefähr 4 Jahre, um wieder Beeren zu bilden. Um Vögel und Insekten etwas Gutes zu tun, kann man aber ruhig ein paar Büschel belassen, der Baum hält das aus. Die beste Zeit zum Schneiden: November, Dezember, Jänner.

Doch ACHTUNG, vor allem bei Kindern. Stängel und Blätter sind leicht giftig, die Beeren nicht zum Verzehr geeignet!!

Trotz der leichten Giftigkeit ist die Mistel in der Heilkunde seit dem Altertum in Verwendung und fehlte bei kaum einem Heil- und Zaubertrank (was wir ja seit Asterix und Obelix wissen 😊). Zahlreiche Geschichten und Geheimnisse ranken sich um sie. Tatsächlich war die Mistel bei den keltischen Druiden eine Pflanze mit mächtiger Wirkung, die Ernte erfolgt nach einem genauen Ritual mit goldenen Sicheln. Bei den Germanen galt sie als Glücksbringer und in Schweden soll ein Büschel Misteln unterm Dachfirst schlimme Ereignisse abwehren. Zum Räuchern wird sie auch heute noch häufig verwendet.

Der Mistel wird blutdrucksenkende, krampflösende und sogar krebshemmende Wirkung nachgesagt und obwohl es Rezepte für Tee, Tinktur und Umschläge gibt, rate ich sehr davon ab, sie selbst herzustellen. Bei selbstgemachten Mistelprodukten ist eine genaue Dosierung unmöglich. Mit fertigen Produkten aus der Apotheke ist man auf der sicheren Seite – frag deinen Arzt oder Apotheker.

… und ich stell mich jetzt noch schnell unter den Mistelzweig.

Quellen

  • Siegrid Hirsch/Felix Grünberger: Die Kräuter in meinem Garten
  • Bayrische Landesanstalt für Wald- und Forstwirtschaft
  • Wikipedia
  • selbermachen.de
  • mein-schöner-garten.de
  • Bild aus den Asterixbänden von Uderzo/Goscinny                                                                                        

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Fotocredits: Barbara Kochauf

Dieser Beitrag erschien erstmals am 4. Dezember 2021 und wurde zuletzt aktualisiert am 25.11.2022.

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