Nachhaltig Reisen ab Graz


Zu reisen ist für viele ein menschliches Urbedürfnis. Auch wenn der Sommerurlaub noch weit entfernt ist, fangen manche vielleicht schon mit der Planung an. Und ein Kurztrip geht sich dazwischen auch immer gern mal aus. Hier hat Martina für euch ein paar Tipps gesammelt, wie ihr eurem Reisefieber nachkommen könnt, ohne auf den ökologischen Fußabdruck zu vergessen.

Wir wissen durch Fakten wie den Welterschöpfungstag – Earth Overshoot Day, dass es besser ist weniger und näher zu reisen und es ist auch besser mit Rad, Bahn, Bus eventuell auch Auto statt Flugzeug oder Kreuzfahrt unterwegs zu sein. Ihr könnt dazu auch mehr in Anna Kodek’s Artikel Nachhaltig Reisen – Gegensatz oder Chance? lesen. Außerdem hat sie in einem weiteren Artikel über Verantwortungsvoll Reisen geschrieben, was nachhaltig und verantwortungsvoll Reisen bedeutet. Hier möchte ich euch nun zusätzlich einen Überblick und Tipps geben, wie ihr konkret von (gr)A(z) nach B kommt.

Fernweh stillen

Zug- und Busreisen

Als Jugendliche war ich besonders von Fernweh geplagt und bin viel und weit gereist. Daher verstehe ich die Sehnsucht. Kürzlich bekam ich den Tipp eines Bahnreisebüros (https://www.traivelling.com/) für weltweite Reisen per Zug. Hier lässt sich eine Auflistung von vielen Ländern finden, die per Zug erreichbar sind.

Wer sich selbst die Zugfahrt organisieren möchte, kann natürlich zum Beispiel per Nachtzug der ÖBB reisen. Ab Graz Hauptbahnhof kommt man zum Beispiel mit dem ÖBB Nightjet direkt nach Zürich (Schweiz) und ab Juni 2022 (mit Sparschiene) auch nach Berlin.

Mit Umstieg in Bruck/Mur hat man eine größere Auswahl an Nachtzug-Zielen: mehrere Bahnhöfe in Italien (Mailand, Pisa, Florenz, Rom) oder im Sommer (Juni bis September) bis nach Split in Kroatien. Und natürlich kann man mit Bus oder Zug nach Wien fahren und von da aus gibt es Nachtzüge nach Paris, Venedig, Brüssel, Amsterdam, Hamburg, Warschau, mehrere Ziele in Ungarn,…. Apropos Ungarn: seit Dezember 2021 gibt es eine fünfstündige Direktverbindung von Graz nach Budapest.

Die Nachtzug-Strecken werden laufend erweitert. Wer sich genauer über die Nachtzüge informieren möchte kann hier klicken: https://www.nightjet.com/de/reiseziele

Wer will kommt per Zug ab Graz ganz schön weit…

Nachtbusse bringen uns ebenfalls in viele europaweit beliebte Destinationen: https://www.flixbus.at/nachtbus Mit dem Flixbus lassen sich (ab Graz direkt ohne Umstieg) tolle Ziele erreichen wie:

  • München, Berlin, Hamburg, Bremen und Frankfurt (Deutschland)
  • Prag (Tschechien)
  • Antwerpen und Brüssel (Belgien)
  • Zagreb (Kroatien)
  • Sarajevo (Bosnien und Herzegowina)
  • Krakau (Polen)
  • Ljubljana (Slowenien; mehrere Umstiegs-Möglichkeiten um weiter in den Süden zu fahren)

Oder für etwas Meeresluft und eine gute Portion „Vitamin Sea“:

  • Triest (Italien)
  • Rijeka, Rovinj und Pula (Kroatien).

Mit ein bisschen Recherche, Umsteigen und Planung lässt sich fast jedes Ziel erreichen wenn man will. Wenn der Wunsch da ist einmal nach China zu kommen, gibt es z.B. Züge über Wien bis Moskau und von da weg fährt die Transsibirische Eisenbahn bis Peking. Dank der neuen Eisenbahn zwischen Laos und China lässt sich theoretisch eine Reise ausschließlich durch Zugverbindungen in 21 Tagen von Portugal bis Singapur bewältigen (= die längste Zugstrecke der Welt; mehr dazu unter https://www.derstandard.at/story/2000131994392/die-laengste-zugstrecke-der-welt-fuehrt-von-portugal-nach-singapur )

Reisen mit Fahrrad

Du willst im Urlaub auf dein geliebtes Rad nicht verzichten? Warum auch? Es gibt genug Möglichkeiten, mit Fahrrad auf Urlaub zu fahren.

Mit der ÖBB lassen sich viele Ziele inklusive Fahrradmitnahme gut erreichen. Reserviert euch hierfür vorab zur Sicherheit einen Stellplatz unter www.oebb.at/de/reiseplanung-services/im-zug/fahrradmitnahme. Mehr Infos dazu bzw. auch über internationale Strecken mit dem Biking International Ticket zum Preis von € 12,- findet ihr ebenfalls auf dieser Seite.

Auch Flixbus erlaubt Fahrradmitnahme. Genauere Infos dazu unter: https://www.flixbus.at/service/fahrrad-mitnahme

Lasst eurer Fantasie freien Lauf und holt euch Inspirationen wie zum Beispiel von Fotograf Bruno Maul und Manuela Wetzel, die mit Fahrrad (und sieben Monate alter Tochter im Fahrradanhänger) quer durch ihre Heimat Deutschland gefahren sind. https://www.bruno-maul.de/diavortraege/uebersicht/die-deutschland-entdecker/

Bekannt und beliebt: pilgern nach Mariazell, aber warum nicht auch mal was anderes probieren?

zu Fuß

Das Transportmittel der Zukunft ist definitiv sowohl das Fahrrad als auch unsere Füße. Viele Touren gehen durch Österreich – warum nicht mal eine Pilgertour machen, um den Kopf gehend frei zu bekommen und die Natur zu genießen? Barbara erzählt zum Beispiel in ihrem Beitrag Mit den Öffis auf den Berg, wie sie mit dem Zug eine Wandertour ab Graz auf den Hochschwab organisiert hat. Wer einfach gern gehen will, muss jedoch nicht zwingend bis zu einem Berg fahren. Wusstet ihr zum Beispiel, dass es einige Weitwanderwege gibt, die durch Österreich verlaufen? Bekannt ist natürlich der Jakobsweg (ich kenne zumindest nicht nur Promis wie Hape Kerkeling oder DJ Ötzi, sondern auch einige Leute aus meinem Bekanntenkreis, die bis nach Santiago de Compostela in Spanien gegangen sind). Man muss jedoch nicht den gesamten Weg bis Spanien marschieren, sondern kann auch nur Teilstrecken gehen. In Thal bei Graz startet zum Beispiel der Jakobsweg Weststeiermark. Mehr dazu, sowie zu weiteren Weitwanderwegen in Österreich unter www.weitwanderwege.com/. Es gibt ein paar interessante Touren, die den Rahmen hier jedoch sprengen würden und ich bin auch keine Expertin dafür. Aber ich denke, am besten lässt es sich mit den Worten von Konfuzius sagen: „Wohin du auch gehst, geh mit deinem ganzen Herzen.“ Es gibt auch da Extrembeispiele wie den Weltenwanderer Gregor Sieböck, der drei Jahre von Bad Ischl über Südamerika und die USA bis Japan und dann noch in Neuseeland gewandert ist um seine Initiativen vorzustellen, wie wir im Einklang mit der Erde und unserer Natur leben können.

Mit dem Elektroauto lassen sich mittlerweile viele Ziele gut erreichen – wie zum Beispiel Dänemark

(Elektro-)Auto

Manchmal ist bei Reisen doch ein Auto die beste Option. Dass elektrisch betriebene Autos die mit fossil betriebenem Brennstoff fahrenden Autos ablösen werden, zeigt sich immer deutlicher. Die elektrischen Ladestationen werden immer mehr und Städte, Quartiere und Sehenswürdigkeiten rüsten entsprechend nach. Wenn man sich ein bisschen mit der Thematik beschäftigt, gibt es per Elektroauto kaum Einschränkungen mehr was die Erreichbarkeit von Reisezielen angeht.

Um sich ein Elektroauto zu mieten gibt es mehrere Möglichkeiten:

Mit dem Zug lassen sich Fahrzeuge wie das Auto oder Motorrad mittransportieren. Bei Mitnahme von Motorrad und Auto sind aktuell jedoch nur ein paar Strecken möglich wie zum Beispiel:

  • Innsbruck <> Hamburg (Deutschland)
  • Wien <> Livorno (Italien)
  • Bratislava/Wien <> Split (Kroatien)

Ich persönlich habe im Sommer 2020 zum ersten Mal einen 4-köpfigen (2 Erwachsene, 2 Kinder) Urlaub mit Elektroauto nach Dänemark geplant. Abgesehen davon, dass ich begeistert war von diesem Land der Wind- und Fahrräder, war ich auch begeistert davon, dass es recht einfach möglich war, das Auto zu laden. Ein bisschen „Ladeweile“ schenkte uns zudem auch Zeit und genügend Ruhe für Pausen, Gespräche, weitere Planung und (vor allem für die Kinder dringend nötige) Bewegung an der frischen Luft (oder eben auf der Grünfläche am Rastplatz neben der Autobahn).

Flugreisen – was tun wenn es sich nicht vermeiden lässt?

Flugreisen

Dass Flugreisen klimatechnisch (mehr als) ungünstig sind, wissen wir. Die Problematik von Flugreisen ist wunderbar in dem Buch „Ändert sich nichts, ändert sich alles!“ von Katharina Rogenhofer beschrieben. Was aber, wenn sich ein Flug nicht vermeiden lässt?

Dann sollte man zumindest immer die CO2-Kompensationszahlungen in Kauf nehmen. Man kann sich den Betrag über https://klimaneutralität.boku.ac.at/co2-kompensation/ ausrechnen. Mit dem errechneten Betrag kann man dann ein Projekt eigener Wahl unterstützen (kann natürlich auch nach eigenem Ermessen Nachhaltig in Graz sein). Außerdem kann man kurze Flüge oder sogenannte „Zubringerflüge“ (z.B. Graz<>Wien) durch eine Zugfahrt ersetzen. Bei Strecken unter 750 km erscheint auf der Kompensationsseite der BOKU auch gleich die Info, dass eine Zugverbindung besser ist. Ich persönlich habe bei einem Angebot im Reisebüro auch mal gesagt, dass ich auf den angebotenen Zubringerflug bewusst verzichten will und stattdessen mit dem Zug von Wien nach Graz fahre. Das Reisebüro hat mir den Flug dann sogar kostenlos mit der Zugfahrt ersetzt. Solange wir erkennen, was keinen Sinn macht und unsere Stimme dafür einsetzen, kann sich auch etwas ändern.

Weitere Tipps

Pizi schreibt im Artikel Urlaub in Österreich – nachhaltiger Tourismus weitere tolle Tipps und Ideen wenn es darum geht im Urlaub die regionale und nationale Wirtschaft zu fördern.

Für nachhaltige und individuell gestaltete Gruppenreisen gibt es weiters bereits einen tollen Beitrag auf unserer Seite:

Ich persönlich bin als Jugendliche sehr gerne und oft mit Gruppen gereist – kann ich daher nur empfehlen. Es gibt auch noch eine abenteuerlichere Variante: Jakob Horvat schreibt in seinem Buch „Weltnah“ davon, dass er per Anhalter gereist ist und das auch über den Atlantik – per Segelschiff. Wenn man sich die Zeit nimmt, kann man also weit kommen.

Und was Souvenirs angeht denke ich immer an den Spruch „Collect moments, not things“. Als Fotografin ergänze ich das noch gern damit, dass ein paar schöne Fotos sowieso besser sind als billige 0815-Gegenstände. Lasst euch lieber auf die Kultur des Ortes ein, sprecht mit Menschen, lasst euch Zeit und verhaltet euch respektvoll. Und falls ihr eine regionale Spezialität besonders gut findet oder ein spezielles Kunsthandwerk bekannt für den Ort ist, nehmt am besten davon etwas in hochwertiger Qualität mit nach Hause wenn ihr auf ein „greifbares“ Souvenir einfach nicht verzichten wollt/könnt.

Derzeit recherchiere ich auch noch konkrete nachhaltige Destinationen, die gut ab Graz erreichbar sind und die ich in einem eigenen Artikel bald online stelle.

Zum Schluss möchte ich nochmal hervorheben: Auf bisher gewohnte klimatisch ungünstige Fortbewegungsmittel zu verzichten ist eine große Chance für neue kreative Ideen. Ich freue mich, wenn ihr durch die Infos in diesem Artikel zu einem nachhaltigeren Urlaub inspiriert seid. Feedback und Kommentare bzw. auch weitere InsiderInnen-Tipps sind gern gesehen!


Dieser Beitrag wurde von Martina Anger verfasst – vielen Dank!
Martina Anger: Fotografin (Vorstadtfarben), Autorin, Nachhaltigkeitsbegeisterte und Gründerin des Repaircafé Premstätten. E-Mail: martina@vorstadtfarben.at, Website: www.vorstadtfarben.at

Weitere Beiträge von Martina auf unserer Website:


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