Naturparadiese Streuobstwiesen

Warum der Erhalt von Streuobstwiesen so wichtig ist

Streuobstwiesen liefern uns nicht nur gesundes und regionales Obst. Sie spielen auch eine bedeutende Rolle für die Tier und Pflanzenwelt und für den Erhalt der Artenvielfalt, da sie ein reiches Nahrungsangebot für Insekten, Vögel, Amphibien, Spinnen- und Säugetiere und einen geschützten Lebensraum bieten. Diese wichtigen Ökosysteme gelten aus diesem Grund auch als „Europas kleine Regenwälder“.

Historisches zu Streuobstwiesen

Eine Streuobstwiese mit blühenden Obstbäumen

Streuobstwiesen sind bzw waren Teil einer traditionellen und bewährten Landwirtschaft. Es gab sie überall in Europa, auch in Österreich, waren sie doch durch die Doppelnutzung als Futterfläche auf der Wiese und dem Obstanbau auf Hochstämmen ein Erfolgsmodell. Das Mostviertel in Niederösterreich weist vom Namen her auf besonders viele Streuobstwiesen hin. Aber man fand sie in ganz Österreich auf fast jedem geologischen Untergrund, denn sie sind grundsätzlich für fast alle Lagen geeignet. Allerdings ist ihr Bestand ab Mitte des 20. Jahrhunderts durch die allgemeine Intensivierung der Landwirtschaft stark zurückgegangen. Große Plantagen mit aufgereihten niedrigstämmigen Obstbäumen, intensiv gedüngt, mit Spritzmitteln behandelt und in der Regel auch maschinell abgeerntet, wurden von der EG/EU jahrzehntelang auch noch stark gefördert, daher stellten viele Landwirte um. In Deutschland gab es bis 1973 sogar eine Geldprämie für Obstbaumrodung, da die Streuobstwiesen als unrentabel und ineffektiv galten.

In letzter Zeit hat man aber die Bedeutung der Streuobstwiesen erkannt, man pflegt sie wieder und verjüngt mit Neupflanzungen. Denn ohne Pflege und Nutzung brechen die Bestände mit der Zeit zusammen.

Eine Kiste voll Äpfel vor einem Baumstamm

Woher kommt der Begriff Streuobst?

Dachtet ihr auch, dass mit Streuobst das Fallobst gemeint ist? Aber nein, sondern auf einer Streuobstwiese sind die Bäume über die Fläche unregelmäßig „verstreut“ angepflanzt, daher stammt der Name. Der ursprüngliche Hintergrund bestand darin, das Vieh mit gutem Heu und die Menschen mit frischem Obst zu versorgen.

Merkmale einer Streuobstwiese:

Streuobstwiesen erfüllen eine Vielzahl an Funktionen – ein Jammer, dass man dieses perfekt funktionierende Ökosystem so reduziert hat:

  • In Streuobstwiesen findet man mittel- bis hochstämmige Obstbäume verschiedener Sorten und unterschiedlichen Alters (1,80m sollte der Stamm mindestens hoch sein, bevor der erste Astring beginnt).
  • Die Obstbäume sind in Reihen, Gruppen oder flächig auf Wiesen und Äckern locker verstreut mit großem Abstand angepflanzt.
  • Sie haben genug Platz und Licht für ein üppiges und gesundes Wachstum. Manche Bäume werden 100 Jahre und mehr.
  • Extensive Bewirtschaftung mit einem weitestgehenden Verzicht auf Pflanzenschutzmitteln und auf Mineraldünger, denn dieses funktionierende Ökosystem ist in sich stabil, reguliert sich selbst und kommt ohne Düngemittel und Pestizide aus. Ein Glücksfall für Tiere, Pflanzen und Mensch!
  • Typisch für Streuobstwiesen sind alte und resistente Obstsorten. Sie sind vielfältiger und geschmacklicher als auf Größe, perfektes Aussehen und lange Lagerfähigkeit gezüchtetes Obst. Dabei sind sie oft weniger empfindlich gegenüber Schädlingen, können an manchen Standorten viel besser wachsen und manche Sorten eignen sich viel besser für eine Lagerung. Von Allergikern werden alte Sorten auch besser vertragen (sollte uns das nicht überhaupt mehr zu denken geben?). Auch die Temperaturerhöhung durch den Klimawandel stecken alte Sorten besser weg, als die Züchtungen für den industriellen Obstanbau.
  • Die Wiesen werden selten gemäht, sind besonders artenreich und geben bestes kräuterreiches Heu.
  • Manchmal werden die Wiesen auch durch Schafe, Rinder und Hühner beweidet.
  • Im Sommer sind die Bäume dann auch Schattenspender.
  • Das Fallobst dient vielen Tieren als Futterquelle.
  • Im Frühjahr bieten die Blüten der Obstbäume bzw auch im Sommer die Blüten der Wiesen reichlich Nektar und Pollen für Insekten. Diese sind wiederum Nahrungsgrundlage vieler Vögel und diese Insektenvielfalt lockt auch Kleinsäuger und Reptilien an.
Eine Streuobstwiese
  • Der Stamm ist Lebensraum für Moose und Flechten, Fledermäuse, Garten- und Siebenschläfer leben in Baumspalten, Singvögel und Spechte nisten in Baumhöhlen und Astlöchern. Für viele Vogelarten sind Streuobstwiesen ein wesentlicher Lebensraum.
  • Altbäume mit Totholz und Baumhöhlen spielen eine besondere Rolle, denn dort können sich gewisse Insekten, wie zB gewisse Prachtkäferarten, entwickeln.
  • Das weite Wurzelsystem der alten Streuobstbäume ist auf ein intaktes Bodenleben angewiesen.
  • Streuobstwiesen speichern Kohlenstoffdioxid, produzieren Sauerstoff und sorgen für ein kühlendes Mikroklima.
  • Die Wiesen schützen auch vor Wind und Erosion.
  • Die Kombination all dieser Faktoren machen Streuobstwiesen zu sehr produktiven Lebensräumen.
  • Die Bewirtschaftung ist allerdings mit einem erhöhten Arbeitsaufwand verbunden, schließlich muss die Wiese gemäht werden, die Früchte sind aufgrund der Größe der Bäume schwerer zu ernten, die Bäume immer wieder geschnitten und verjüngt werden, damit sie nicht frühzeitig vergreisen.
  • Auch eine regelmäßige Nutzung darf nicht vergessen werden, eine Ernte ist für das gute Funktionieren einer Streuobstwiese unumgänglich. Es darf nicht zu viel Fallobst am Boden liegen bleiben.
  • Das Wissen um die Kulturtechniken der Pflege, Bewirtschaftung, Ernte und Verarbeitung muss weiter gegeben werden, um nicht verloren zu gehen.
  • Welches Obst kann eine Streuobstwiese liefern? Äpfel, Birnen, Kirschen, Zwetschken, Walnüsse, Mispeln, … in unglaublich vielen verschiedenen Sorten.

Streuobstwiesen dürfen daher nicht nur nach ihrem wirtschaftlichen Ertrag gemessen werden, sondern wir müssen sie in ihrer Gesamtheit betrachten: So leisten sie einen bedeutenden Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt und auch zum Bewahren von alten, wertvollen Obstsorten.

Streuobstwiese mit blühenden Bäumen

Was kann man tun?

  • Zu Obst und Obstprodukten (Apfelsäfte) aus Streuobstwiesen und keinen Obstplantagen greifen! Auf Bauernmärkten oder im Bioladen bewusst danach fragen. Obst aus Streuobstwiesen kommt ohne lange Transportwege zu uns. Man findet sie aber nicht in den großen Supermärkten!
  • Bereit sein, für das Obst mehr zu zahlen.
  • Alte und heimische Sorten bevorzugen.
  • Mehr Apfelsaft trinken: Obst aus den Streuobstwiesen schafft es großteils nämlich nur zur Saftpresse, weil die Abnehmer fehlen.
  • Direkt bei den Landwirten kaufen.
  • Obst nicht nach Aussehen, sondern nach Qualitätskriterien kaufen.
  • Vielleicht wollt ihr Baumpaten werden oder euch um eine Streuobstwiese kümmern? Ältere Besitzer sind oft froh, weil sie selbst es nicht mehr schaffen.
  • Man kann Streuobstwiesen pachten oder kaufen! Auch der Naturschutzbund Steiermark kauft Streuobstwiesen und bewahrt diese Lebensräume, man kann bewusst diese Aktionen unterstützen.
  • Falls jemand in der Gemeinde vernachlässigte Streuobstwiesen kennt, dann bringt das zum Gespräch und fordert, dass sich jemand darum kümmert.
  • Das eigene Wissen über die Streuobstwiese weitergeben (das man zum Beispiel nun aus diesem Artikel hier gewonnen hat).
  • Wir können nämlich auch mit diesen Schritten dazu beitragen, dass dieser wertvolle Lebensraum für Menschen, Tiere und Pflanzen auch in Zukunft erhalten bleibt.

Eine interessante Info-Broschüre findet sich hier:

Quellen:

  • Instagram: @danielschlegel.umweltstiftung
  • www.bluehendesoesterreich.at/naturlexikon/streuobstwiese
  • www.deutschlands-natur.de/lebensraeume/anthropogen/streuobstwiesen/
  • www.bund-naturschutz.de/natur-und-landschaft/wiesen-und-weiden-in-bayern/lebensraum-wiese/lebensraum-streuobstwiese
  • https://www.sielmann-stiftung.de/natur-schuetzen/lebensraeume/streuobstwiesen
  • https://www.lebensraumnatur.at/die-streuobstwiese/
  • https://www.gartenjournal.net/streuobstwiese

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