CO2-Neutralität vs Klimaneutralität

Netto-Null-Emissionen – Klimaneutralität – CO2-Neutralität – Treibhausgasneutralität

Was bedeuten diese Begriffe? Gibt es Unterschiede? Wenn ja, wo liegen sie versteckt?


Europa soll bis zum Jahr 2050 klimaneutral sein. Österreich möchte dieses Ziel laut Regierungsprogramm bereits zehn Jahre früher, also 2040 erreichen. Dazu wurden verschiedene Maßnahmen und Ziele begründet, die in den unterschiedlichsten Umsetzungsstrategien fußen.

Seit den globalen sowie nationalen Bestrebungen sind die Begriffe „CO2-Neutralität“ und „Klimaneutralität“ in aller Munde. Nun stellt sich die Frage: Haben diese Ausdrücke die gleiche Bedeutung und führen sie zum gleichen Ziel? Die Antwort lautet: Nein. Nicht selten werden sie jedoch als gleichbedeutend beziehungsweise synonym verstanden. Dabei handelt es sich um unterschiedliche Vorgänge mit unterschiedlichen Resultaten und Zielen. Doch zuvor ein kurzer Blick zurück in die Geschichte und dorthin, wo die schädlichen Gase eigentlichen ihren Ursprung finden.

Wo entstand CO2 ursprünglich? Und wie kommt das Treibhausgas in die Atmosphäre?

Vor Jahrmillionen sterben pflanzliche sowie tierische Lebewesen und sinken auf den Grund von Meeren und Seen. Ab einer Tiefe von etwas 200 Metern gelangt kein Sauerstoff an das tote organische Material. Die Pflanzen und Tiere verwesen nicht. Mit der Zeit mischen sich Sedimente wie Sand und Ton in diese Planktonschicht und das sogenannte Erdölmuttergestein bildet sich. Unter dem Gewicht weiterer Sedimentablagerungen sinkt das Muttergestein in eine Tiefe von 1.500 bis 3.000 Metern. Die Erdschichten verformen sich. Druck und Hitze nehmen zu und die Schicht bricht auf. Je nach Druck- und Temperaturverhältnissen entstehen dabei luftdicht verschlossen Erdöl, Erdgas oder Kohle – die Speicherplätze unzähliger Tonnen an CO2 (siehe dazu unseren Beitrag CO2-Speicher). Bei den durch den Menschen innerhalb von wenigen Jahren verursachten Verbrennungsvorgängen setzen diese fossilen Ressourcen das gespeicherte CO2 frei und der CO2-Gehalt in der Atmosphäre steigt an. Der natürliche CO2-neutrale Kreislauf der Natur wird gestört und immer mehr CO2 gelangt in die Atmosphäre. Ohne eine rasche Reduktion des Treibhausgases schreitet die Erderwärmung ungebremst voran (siehe auch Treibhauseffekt – natürlich vs anthropogen).

CO2-Neutralität

Bei der CO2-Neutralität geht’s nun darum, das zusätzliche, überschüssige CO2 in der Atmosphäre zu vermeiden. Von einer CO2-neutralen Atmosphäre kann also dann gesprochen werden, wenn kein CO2 emittiert wird und die eventuell übriggebliebenen CO2-Emissionen vollständig kompensiert werden. Möglichkeiten zur CO2-Kompensierung wären Aufpreise bei Flugreisen, wodurch klimafreundliche Projekte unterstützt und beispielsweise Aufforstungen betrieben werden, oder die direkte Finanzierung von Aufforstungsprojekten durch Betriebe. Beim Erreichen einer globalen CO2-Neutralität würde – wenn auch deutlich verlangsamt – die Erwärmung des Klimas jedoch weiter fortschreiten, da erstens das CO2 bei einer finanziellen Kompensation trotzdem in der Atmosphäre bleibt und zweitens andere Treibhausgase wie Methan oder Lachgas weiter emittiert werden. Eine CO2-neutrale Atmosphäre kann daher nur als Übergangsziel betrachtet werden, da das Problem rein nach hinten verlagert wird und die Debatte um einen tatsächlichen Energiewechsel gehemmt und nicht gefördert wird.

Die Verwendung fossiler Energieträger lässt sich also nicht einfach ausgleichen. So ist es zwar ein lobenswerter Gedanke, eine Flugreise durch eine Spende an ein Klimaprojekt „CO2-neutral“ zu gestalten, jedoch bleibt das verbrannte Kerosin letzten Endes in der Atmosphäre und verschwindet trotz eines neu gepflanzten Baumes, den ich mit meiner Kompensationszahlung finanziert habe, nicht. Realistisch im Sinne einer langfristigen und tragfähigen Lösung ist der Plan einer CO2-Neutralität somit nicht.

Klimaneutralität

Im Pariser Klimaabkommen haben sich 195 Länder auf ein ambitioniertes Ziel geeinigt: Klimaneutralität bis 2050. Es ist der Versuch zu verhindern, dass die globale Durchschnittstemperatur um mehr als zwei Grad Celsius ansteigt. Dazu wurde der Terminus der Klimaneutralität ins Leben gerufen und seither als hochgestecktes Bestreben von Unternehmen, Städten, Regionen, Regierungen, etc. mit den unterschiedlichsten Strategien verfolgt.

Die Klimaneutralität steht als Synonym für Netto-Null-Emissionen (Net-Zero-Emissions) oder Treibhausgasneutralität und ist das umfassendste aller Klimaziele. Erreicht werden kann die Klimaneutralität nur dann, wenn alle klimaschädlichen Treibhausgase auf die kleinstmögliche Menge reduziert und, wie bereits zuvor erwähnt, übriggebliebene Emissionen kompensiert werden. Es gilt jedoch, dass ein Ausgleich erst dann in Frage kommt, wenn sich schadhafte Treibhausgase nicht mehr vermeiden oder reduzieren lassen.

Erst wenn die Klimabilanz der Erde netto – also nach den Abzügen durch natürliche und künstliche SenkenNull beträgt, wäre die Atmosphäre „klimaneutral“ und die globale Erderwärmung würde stabil sein.

Klima-Demo 24. Mai 2019

Viele Unternehmen werben bereits mit klimaneutralen Strategien, um das eigene Image etwas aufzubessern. Das größte Problem dabei ist jedoch, dass die meisten Unternehmen keine generellen Änderungen in Produktion und Vermarktung unternehmen, sondern den eigenen Emissionsausstoß kompensieren. Die Universität Graz hat dazu ein Instrument entwickelt, welches Betrieben beim tatsächlichen Willen, Emissionen zu reduzieren und klimafreundlicher zu wirtschaften, unter die Arme greift. Die Zauberformel dafür lautet „Carbon-Management“: Entscheidet sich ein Unternehmen nun dazu klimaneutral(er) zu produzieren, so kann es die Möglichkeit wahrnehmen, sich an das Forschungsteam des Wegener Centers Graz zu wenden, um bei der Berechnung eines Klima-Referenz-Budgets unterstützt zu werden. Dabei werden gemeinsam Klimakonzepte entwickelt, die Unternehmensziele mit Emissionszielen verbinden sollen. Die Unternehmen sollen damit beim Klimaschutz professionell begleitet werden. Die Universität Graz selbst hat sich das Ziel gesteckt bis 2040 klimaneutral zu sein, das bedeutet, 90% ihrer fossilen Emissionen abgebaut zu haben.

Fazit

Die Begriffe Klimaneutralität und CO2-Neutralität werden oft irrtümlicherweise als Synonyme verstanden, sie unterscheiden sich jedoch in ihrer Bedeutung. Klimaneutralität tritt erst dann ein, wenn alle klimaschädlichen Emissionen zur Gänze reduziert und überschüssige Gase kompensiert werden. Das Klima würde dann also durch keine menschgemachten Prozesse oder Tätigkeit beeinflusst werden. Der Begriff CO2-Neutralität besagt hingegen nur, dass kein CO2 emittiert wird oder die CO2-Emissionen vollständig kompensiert werden. Andere Treibhausgase wie Methan, Lachgas oder F-Gase werden hier nicht berücksichtigt und weiter emittiert.

Allgemein kann also gesagt werden, dass CO2-Neutralität rein eine Voraussetzung für Klimaneutralität ist, jedoch nicht als Synonym verstanden werden kann.

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Die größten Hebel, die man im persönlichen Bereich hat, klimaneutral zu leben, sind die Vermeidung (Reduktion) von Flugreisen und von Autofahrten, die Bevorzugung einer pflanzenbasierten Ernährung sowie der Wechsel zu einer nachhaltigen Bank und zu Ökostromanbietern.

Quellen:

  • https://klimaneutralität.boku.ac.at/wp-content/uploads/2020/08/Orientierungs-und-Diskussionspapier_AG-Klimaneutral-05082020_langversion-final-.pdf
  • https://www.construction21.org/articles/h/carbon-neutrality-or-climate-neutrality-what-is-the-difference.html
  • https://wegcwp.uni-graz.at/carbmanage/de/cm-de/
  • https://www.derstandard.at/story/2000126238607/klimaneutral-werden-ohne-greenwashing-so-koennte-es-gehen
  • https://www.energieagentur.nrw/blogs/erneuerbare/beitraege/was-bedeutet-eigentlich-klimaneutral/

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