Weihnachtssterne

Adventstern, Christstern, Poinsettie – Euphorbia pulcherrima

Ein Weihnachten ohne Weihnachtsstern hat es in meinem Eltern- und Großelternhaushalt soweit ich mich erinnern kann nicht gegeben. Überlebt hat er allerdings selten – so wurde er Jahr für Jahr neu gekauft, die Tradition wollte es so. Und da ich schon als junger Mensch etwas gegen Wegwerfprodukte hatte, konnte ich für Weihnachtssterne nie so richtig mein Herz erwärmen. So wurde er in unserem eigenen Haushalt immer vermieden und auch verschenken wollte ich ihn nie. Aus gutem Grund, wie ich schon vor einiger Zeit erfuhr, nämlich weil er ja auch giftig und als extra hochgezüchtete Pflanze bei weitem nicht nachhaltig sei. Heuer will ich dies einmal genauer recherchieren, was es mit dieser im Winter blühenden Pflanze wirklich auf sich hat.

Der Weihnachtsstern – ein billiges Massenprodukt auf Kosten von Menschen in Afrika

Nicht nur in europäischen Ländern wie Österreich, Deutschland, Frankreich oder Schweden ist der Weihnachtsstern beliebt, sondern auch in den USA zählt er zur Weihnachtstradition. Nach Orchideen sind Weihnachtssterne daher die zweithäufig gekauften Zimmerpflanzen. Es gibt sie nicht nur in Gärtnereien und Blumenhandlungen, sondern auch in Bau- und Supermärkten. Und vor allem bei letzteren um sehr wenig Geld.

Anbau, Vorzucht & Aufzucht

Weihnachtssterne stehen nur wenige Wochen zum Verkauf und meistens auch nur kurz in unseren Haushalten, einen Bruchteil der Zeit, die sie zuvor in Gewächshäusern, anfangs meistens in (Ost)-Afrika verbringen müssen und dort vorgezogen werden. Große Aufzuchtfarmen für kleine Weihnachtsstern-Stecklinge gibt es zum Beispiel in Uganda, Kenia oder Äthiopien. Das tropische Klima dort ist optimal, die Produktionskosten in Afrika gering. Anbau und Aufzucht, vor allem die Pflege der Mutterpflanzen, sind sehr arbeitsintensiv, tausende Arbeitskräfte werden benötigt.

Die Stecklinge werden zwischen Mai und Juni in großen Mengen per Luftfracht nach Europa eingeflogen. In Deutschland, Schweden oder in den Niederlanden aber auch in Österreich werden die Stecklinge weiter aufgezogen, zuerst in Jungpflanzenbetrieben, dann in Gärtnereien, bis sie groß genug für den Handel sind. Und können trotz ihrer „Babywochen“ in Afrika bei uns als „heimisch“ bezeichnet werden.

Während der letzten fünf bis sechs Wochen bilden sich die roten, weißen oder auch rosaroten Blütenblätter aus, allerdings nur, wenn man sie mit Folie abdunkelt und dem Licht entzieht. Bis die Pflanzen im Laden verkauft werden können, dauert es fast 30 Wochen.

Transport

Die Pflanzen, die in Europa verkauft werden, werden vor allem in afrikanischen Ländern vermehrt und die Stecklinge dort vorgezogen. Eine Haltung der Mutterpflanzen und Aufzucht in Europa wäre hier zu energieaufwendig und – bei den Preiswünschen der Konsument*innen und den gewünschten Gewinnspannen – zu kostspielig. Vergleicht man die Klimabelastung durch das benötigte Kerosin mit dem Energiebedarf, um Treibhäuser in Europa zu beheizen, ist die Aufzucht in Afrika umweltfreundlicher (und um vieles billiger) – so rechtfertigen sich zumindest die europäischen Händler.

Pestizide? Arbeitsbedingungen? Löhne?

In den afrikanischen Plantagen können Pestizide eingesetzt werden, die in Europa längst verboten sind. Dortige Böden und Gewässer sind mit Chemikalien verseucht, der Fischfang beeinträchtigt. Niedrige Löhne führen dazu, dass die Vorzucht in Afrika für europäische Unternehmen sehr günstig und damit attraktiv ist. Schlechte Arbeitsbedingungen und kein Schutz der Arbeitskräfte, vor allem Frauen aber auch Kinder, vor den Pflanzenschutzmitteln sind gang und gäbe.

Die Lösung: Überhaupt Verzicht oder zumindest Fair-Trade!

Doch es gibt auch schon einige Fairtrade-Jungpflanzenfarmen, zum Beispiel in Äthiopien. Auf das Fairtrade-Siegel zu achten ist daher eine gute Alternative, wenn man es partout nicht schafft, auf den Weihnachtsstern zu verzichten. Die Menschen in den Anbaugebieten profitieren nicht nur durch den höheren Preis, sondern auch aufgrund der festgelegten besseren Arbeitsbedingungen und Umweltstandards.

Giftig?

Nicht nur dass die Pflanze mit Chemikalien aufgewachsen ist, enthält der Weihnachtsstern zudem giftigen Milchsaft. In Haushalten mit Kindern und Haustieren ist daher besonders aufzupassen. Auch der Kontakt des Pflanzensaftes mit bloßer Haut kann schon Reizungen und Entzündungen auslösen. Viele Zuchtformen gelten aber möglicherweise bereits als ungefährlich. Vorsicht ist dennoch immer angebracht.

Haltbarkeit?

Nach den Feiertagen endet der Weihnachtsstern meist im Müll. Weihnachtssterne sind allerdings nicht grundsätzlich Wegwerfware, sondern eigentlich mehrjährig. Mit der richtigen Pflege kann er auch „übersommert“ werden. Wie kann dies gelingen?

  • Heller Standort, aber nicht vollsonnig.
  • Kräftiger Rückschnitt im Frühjahr nach der Blüte zwischen März und April.
  • Ebenfalls im Frühjahr sollte die Pflanze umgetopft werden, allerdings keinen größeren Topf nehmen. Kakteenerde wird empfohlen.
  • Den Sommer kann die Pflanze auch im Freien verbringen.
  • Die Wurzeln sind staunässeempfindlich, sehr sparsam gießen, wenn möglich mit Tauchbad und Luftfeuchtigkeit alle sieben bis zehn Tage. Die Erde darf dazwischen ruhig ein wenig austrocknen.
  • Ab August nicht mehr düngen und sehr wenig wässern.
  • Mit lauwarmen Wasser gießen.
  • Weihnachtssterne mögen auch keine kalten Füße, die Töpfe sollten nicht auskühlen.
  • Keine Zugluft, führt sonst zu Blattabwurf.
  • Temperaturen von 18 bis maximal 20 Grad sind optimal. Kälte und Hitze führen zu Blattverlust.
  • Ab August tagsüber heller Platz, Beleuchtungszeiten aber reduzieren. Ein Abdecken der Pflanze (zum Beispiel mit einem Karton) führt dazu, dass sich die Hochblätter verfärben.

Geschichte:

Der Weihnachtsstern stammt ursprünglich aus Mittel- und Südamerika und war schon bei den Azteken (14. bis 16. Jahrhundert) beliebt. Die Wildform der Pflanze diente den Azteken nicht nur als Schmuck, sondern auch als Heilpflanze und Färbemittel. Viele Legenden ranken sich um den „Stern der Azteken“, wie zum Beispiel, dass sie die Lieblingsblume des Azteken-Herrschers Montezuma gewesen sei. Er hatte geglaubt, dass die oberen Blätter der Pflanze von Blutstropfen einer aztekischen Göttin benetzt wurden, die an gebrochenem Herzen starb, und von daher die rote Farbe der oberen Blätter stammte. Nach Europa wurde der Weihnachtsstern Anfang des 18. Jahrhunderts vom Naturforscher Alexander von Humboldt gebracht.

Die Wildform des Weihnachtssterns wird bis zu fünf Metern hoch. © pixabay

Quellen:

  • https://www.rnd.de/wirtschaft/weihnachtssterne-kommen-zum-grossen-teil-aus-afrika-YF7YYL6XIJEONEP4PHIVOSFT5I.html
  • https://www.bazonline.ch/wirtschaft/migrosweihnachtssterne-aus-der-region-kommen-aus-afrika/story/12398417
  • https://www.neues-deutschland.de/artikel/63500.roter-blaetterschmuck-der-viel-bitteres-verbirgt.html
  • https://www.biorama.eu/fairtrade-weihnachtsstern/
  • https://www.proudmag.com/der-weihnachtsstern-und-sein-mexikanisches-erbe/
  • https://www.mein-schoener-garten.de/pflanzen/wolfsmilch/weihnachtsstern-poinsettie
  • https://www.instagram.com/bergwurz/

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