Gibt es nachhaltige Kerzen?

Früher einzige Lichtquelle bei Dunkelheit stehen Kerzen heutzutage vor allem für Gemütlichkeit, Besinnlichkeit und Romantik. Vor allem im Herbst und Winter gehört es für viele zu einem gemütlichen Abend dazu. Aber sind Kerzen nachhaltig? Oder sind sie gesund? Die meisten handelsüblichen Kerzen bestehen aus Paraffin oder Stearin, letzteres meistens mit Palmöl. Menschen, die nachhaltig leben möchten, haben es daher schwer und entscheiden sich oft gegen jegliches Kerzenlicht. Gibt es schon Alternativen? Oder worauf achtet ihr so?

Paraffin-Kerzen

Die meisten Kerzen bestehen heutzutage noch immer aus Paraffin, das aus Erdöl gewonnen wird, einem fossilen Brennstoff. Dass wir das Erdöl in der Erde lassen sollten und nicht weiter die Klimaerwärmung befeuern sollten, dürfte mittlerweile vielen klar sein. Egal ob beim Treibstoff im Auto, bei unserer Heizung oder beim weihnachtlichen Kerzerl. Bei der Verbrennung der Paraffinkerzen verbrennen wir de facto Erdöl und es entstehen auch umwelt-und gesundheitsschädliche Substanzen, wie zB Alkane, Alkene, Ketone oder Benzol. Wer in geschlossenen Räumen Paraffinkerzen anzündet, sollte daher öfters lüften, da man sich sonst einer Reihe von schädlichen Substanzen aussetzt. Wie so oft gilt auch hier: Die Dosis macht das Gift. Auf das tägliche Paraffin-Kerzerl am Abend sollte man daher eher verzichten.

Stearin-Kerzen

Kerzen aus Stearin werden als Alternativen zu den herkömmlichen Paraffinkerzen angeboten und oft auch als Bio-Kerzen bezeichnet. Gewonnen werden sie aus nachwachsenden Rohstoffen, nämlich pflanzlichen (zB Palmöl oder Kokosöl) oder tierischen Fetten (zB Talg) und Ölen. Vom Gewicht her sind sie spürbar schwerer. Da Stearin wesentlich teurer ist als vergleichbares Paraffin, bestehen viele Kerzen aus einem Gemisch aus Paraffin und Stearin, meist im Verhältnis 4:1. Achtung: Auch wenn bis zu 10% Paraffin enthalten ist, darf die Kerze als Stearin-Kerze verkauft werden.

a) Palmöl

Stearinkerzen bestehen häufig aus Palmöl. Der Anbau des günstigen und in vielen Produkten verwendeten Palmöls führt allerdings zu vielen negativen Folgen. Wir berichteten hier darüber: Palmöl
Wenn schon Kerzen auf Palmölbasis gekauft werden „müssen“, sollte auf nachhaltige Anbaumethoden geachtet werden. Die Kerzenhersteller sollten genau darüber informieren, woher das Palmöl für ihre Kerzen stammt.

b) Alternative: Raps-, Sonnenblumen- oder Sojaöl

Im besten Fall aus fairer Bio-Produktion aus regionalen Gebieten (Soja aus der EU). Nachhaltig sind solche Kerzen zudem aber nur, wenn es sich um gentechnikfreie Pflanzen handelt. Sojawachskerzen brennen übrigens langsamer, sind dadurch also sparsamer. Schaut doch mal in unsere zahlreichen Bioläden, lest euch die Inhaltsstoffe der dort angebotenen Kerzen durch, entscheidet euch für die besten Produkte und lasst die Billig-Kerzen mit den künstlichen Duftstoffen dieses Mal beim Schweden unangetastet.

c) Alternative: Biomasse-Kerzen

Biomasse für Kerzen können Holz, Gartenabfälle oder (pflanzliche und tierische) Nebenprodukte aus der Nahrungsproduktion sein. Der Vorteil: Diese Kerzen sind sehr ressourcenschonend, geruchsfrei und relativ günstig. Der Nachteil: Sie brennen etwas unruhiger als konventionelle Kerzen.

d) Alternative: Bienenwachs

Wunderbar duftendes und beliebtes Naturprodukt, aber nicht vegan und doch um einiges teurer als viele andere Kerzen. Wir sollten darauf achten, von heimischen Bio-Imkern zu kaufen, denn es gibt auch schon viele importierte Billig-Bienenwachskerzen aus China, Südamerika oder Südafrika mit einem langen und klimaschädlichen Transportweg. Sparsam und wertschätzend verwenden, da viel „Bienenarbeit“ dahinter steckt, die Bienen brauchen viel Zeit und Energie, um das Wachs zu produzieren. In Graz sind Bienenwachskerzen in vielen Läden erhältlich. Wir haben unsere Adventkranzkerzen heuer wieder vom Grazer Honigparadies in der Hamerlinggasse 1.

Teelichter

Die bekannten kleinen Teelichter sind nicht nur aufgrund des Wachsrohstoffes ein Problem, sondern vor allem auch aufgrund ihrer Aluminiumhüllen. Einmal verwendet und sie landen im Müll. Dazu ist der Rohstoff Aluminium aber zu wertvoll. Teelichthüllen gibt es auch wieder befüllbar aus Glas oder Edelstahl, die hüllenlosen Nachfüllungen in Bioläden auch in „nachhaltig“.

Friedhofs-Öllichter

Kerzen aus Pflanzenölen haben einen geringeren Schmelzpunkt als Paraffin-Kerzen. Das sorgt dafür, dass diese auch im Winter ohne Randbildung vollständig ausbrennen. Ansonsten wäre die Wärme des Dochtes zu gering, um für die vollständige Verbrennung zu sorgen und ein Rand bildet sich. Im Sommer hingegen kann es passieren, dass die Kerze bei direkter Sonneneinstrahlung schmilzt.

Synthetische Duftstoffe von Kerzen

Duftkerzen können Menschen mit empfindlichen Nasen mitunter Kopfschmerzen verursachen. Ob sie auch sonst eine Gefahr für die Gesundheit sein können, ist nicht gesichert nachgewiesen und hängt sicher vom Hersteller ab. Je natürlicher, umso besser. Auf Duftkerzen mit Umweltzeichen (zB Blauer Engel, RAL) achten. Oder auf duftende Kerzen einfach verzichten.

Recycling-Kerzen – aus alt mach neu

Alte Kerzen, die man nicht weiter abbrennen lässt, kann man erneut schmelzen und dann in Dosen, Gläsern oder anderen Formen (zB funktionieren auch WC-Papierrollen) neue Kerzen gießen. Fragt mal in eurem Umkreis, ob Verwandte, Freund*innen und Kolleg*innen nicht auch Kerzenreste zuhause haben. Und falls ihr keine Verwendung dafür habt, wir haben es: Im Nachhaltigkeitsladen in der Leonhardstraße 38 werden Kerzenreste gesammelt und an verschiedene Stellen weiter gegeben. Eine junge Frau, die immer wieder gerne unsere Wachsreste nimmt, ist Catherine de Buigne, die wir gleich darum gebeten haben, ihre Erfahrungen mit uns zu teilen (vielen Dank!):

DIY-Tipp: Kerzen aus Kerzenresten herstellen: Mit Tipps von Catherine de Buigne

Catherines Facebook-Gruppe: HwL – Handmade with Love

Jede/r Kerzenliebhaber/in kennt es, dass viele Kerzenreste anfallen, die nicht mehr abbrennen und man nicht weiß, was man damit tun soll. Wegschmeißen? Sammeln? Oder doch Recyceln? So begann Catherine vor einiger Zeit, ihre Kerzenreste (und die von Familie, Freunden und Bekannten) zu neuen Kerzen zu formen. Ihr Motto dabei: Learning by doing.

  • Das Kerzenwachs bekommst du sicher schnell zusammen, wenn du in deinem Umfeld fragst. Sonst ist der Nachhaltigkeitsladen in Graz auch eine gute Anlaufstelle, dort gibt es eine Sammelstelle dafür und alle paar Wochen kommt ein gut gefüllter Sack zusammen.
  • Als erstes sortiert man die Materialien nach Farben und bei Bedarf sollten sie auch geputzt werden.
  • Catherine sucht sich meistens 2 bis 3 Farben aus, die sie dann in separaten Töpfen zu schmelzen beginnt, bei niedriger Temperatur (bei ihrem Herd Stufe 3). Tipp: Die noch festen Wachsteile im Topf nicht nach unten drücken, sonst spritzt es.
  • Langsames Schmelzen im Wasserbad ist die sicherste Variante (Wachs in ein Glas oder in eine Dose füllen, dieses in einen Topf mit heißem Wasser bei wenig Hitze stellen, das Wasser darf nicht zu hoch gefüllt sein). Generell bitte aufpassen mit der heißen Masse, vor allem, wenn Kinder dabei sein sollten!
  • Den alten Docht kann man entweder vor dem Schmelzen entfernen oder erst aus der geschmolzenen Masse rausfischen.
  • Während das Wachs schmilzt, spannt man den neuen Docht in die Kerzenformen (Docht erhält man zB beim Kaspar Harnisch in Graz). Am Ende des Dochtes, am Boden der Kerzenform macht Catherine einen Knoten und gibt Pattafix (oder andere Knetmasse) zum Abdichten darauf, damit das flüssige Wachs nicht herausläuft. An der oberen Öffnung sollte der Docht an Zahnstochern oder Spießen in der Mitte des Gefäßes befestigt werden.
  • Wenn das Wachs geschmolzen ist, wird es in die gerichteten Formen oder Gläser eingefüllt.
  • Will man die Kerzen mehrschichtig machen, dann füllt man die erste Schicht Wachs ein und lässt sie abkühlen, bevor die nächste Schicht drauf kommt. Das wiederholt sich solange, bis die Form fast voll ist.
  • Nun lässt man die Kerze ca. 1 Stunde auskühlen. Oft entsteht dann noch ein Loch, das man noch mit Wachs auffüllt (daher am besten für den Schluss noch einen kleinen Wachsrest aufheben).
  • Als Nächstes wird die Dochthalterung entfernt und die Kerze/n soll weitere 6 Stunden ganz abkühlen. Danach löst man den Knoten vom Docht und löst die Kerzen vorsichtig aus den Formen.

Fazit

  • Kerzen so wenig, so sparsam und so bewusst verwenden, wie möglich (auch nicht durchgängig brennen lassen).
  • Auf ökologischere Exemplare umsteigen, auch, wenn diese teurer sind.
  • Gütesiegel für Kerzen beachten: RAL und Bio
  • DIY-Ölkerzen herstellen
  • Recycling-Kerzen aus Kerzenresten herstellen

Interessante Links zu Kerzen

Quellen:

  • https://praxistipps.focus.de/nachhaltige-kerzen-diese-moeglichkeiten-gibt-es_126729
  • https://utopia.de/ratgeber/einkaufsratgeber-kerzen/
  • https://www.br.de/radio/bayern1/inhalt/experten-tipps/umweltkommissar/kerze-wachs-palmoel-stearin-russ-umweltkommissar-100.html (!!!)
  • https://www.waschbaer.de/magazin/nachhaltige-kerzen-im-ueberblick/
  • http://tagessuppe.at/nachhaltige-kerzen/
  • https://www.kerzenprofi.de/grabkerzen/grabkerzen-100-pflanzenoel/aeterna-oel-licht-aus-100-reinem-pflanzenoel-7-tage/
  • https://wastelandrebel.com/de/kerzen-schaden-der-umwelt/
  • https://de.wikipedia.org/wiki/Stearin

Weitere interessante Links zu Weihnachten & zur Adventszeit

Liebe Community!
Wenn euch gefällt, was wir auf dieser Plattform tun, nämlich bereits seit 2017 über nachhaltige Projekte, Klima- und Umweltschutz zu informieren, dann unterstützt uns doch bitte auch finanziell, um unsere Webseite in dieser Qualität und Fülle weiterführen zu können – uns hilft jeder Beitrag!

Verein „Nachhaltig in Graz“
BIC: STSPAT2GXXX
IBAN: AT20 2081 5000 4200 1552
Verwendungszweck: Spende/Sponsoring
 (Mehr zum Sponsoring hier)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.