Erster Welttag gegen Lebensmittelverschwendung

Essen im Müll belastet das Klima und den Planeten

Die Vereinten Nationen haben heuer erstmals den 29. September zum Internationalen Tag gegen Lebensmittelverschwendung erklärt, um darauf aufmerksam zu machen, dass fast ein Drittel aller Lebensmittel weltweit im Müll landen. Die daraus resultierenden Kosten werden EU-weit auf mehr als 140 Milliarden Euro pro Jahr geschätzt. Wir hören zwar immer wieder vom Problem der Lebensmittelverschwendung, doch die tatsächlichen Ausmaße und die Auswirkungen auf unser Klima kennen vermutlich die Wenigsten und werden oftmals unterschätzt.

Robin Food

In der Steiermark landen jedes Jahr rund 19.000 Tonnen an vermeidbaren Lebensmittelabfällen im steirischen Restmüll, die mit einem Wert von rund 200 Millionen Euro beziffert werden. Der Ernährungssektor macht einen großen Teil unseres ökologischen Fußabdruckes aus und könnte durch Lösungen in dieser Frage deutlich reduziert werden.

Die größten Einsparpotenziale bei vermeidbaren Lebensmittelabfällen, abgesehen von privaten Haushalten, liegen im Gesundheitswesen, das hat ein Monitoring der Initiative „United Against Waste“ im Vorjahr gezeigt. „In Krankenhäusern landet im Österreich-Durchschnitt 31 Prozent des gekochten Essens in der Abfallentsorgung, bei Pflegeheimen sind es immerhin noch 26 Prozent, bei Betriebsrestaurants sind es an die 13 Prozent“, so Franz Tragner von „United Against Waste“.

Um den Abfall zu reduzieren, arbeitet die Initiative, das Land und die Großküchen zusammen an verschiedenen Lösungsansätzen. Etwa, die Patienten und Bewohner genau zu fragen, wie viel sie essen wollen oder man lässt sie zwischen verschiedenen Beilagen, Vor- und Nachspeisen wählen. Eine andere Möglichkeit ist es, Portionen je nach Größe des Appetits der Bewohner auf die Teller zu schöpfen.

Bis 4. Oktober findet daher eine Aktionswoche unter dem Motto „Nix übrig für Verschwendung“ statt. Dabei werden in 16 steirischen Gesundheitseinrichtungen und 10 Betriebskantinen Mitarbeiter, Patienten und Bewohner informiert und auf das Problem aufmerksam gemacht.

Österreich hat sich im Rahmen der UN-Nachhaltigkeitsziele auch zur Halbierung der vermeidbaren Lebensmittelabfälle in Haushalten und im Handel bis 2030 verpflichtet. Der heimische Handel unterstützt daher schon seit Jahren freiwillige Initiativen wie „Lebensmittel sind kostbar“, um die Vermeidung von Lebensmittelverschwendung und die Weitergabe an Sozialorganisationen aktiv zu fördern. Supermärkte geben nicht mehr verkäufliche, aber noch genießbare Lebensmittel an Tafeln und andere Sozialeinrichtungen weiter. „Darüber hinaus werden 10.000 Tonnen an nicht mehr verkäuflichen Lebensmitteln zur Futtermittelherstellung verwertet. Wir sind im internationalen Vergleich ein absoluter Vorreiter“, so Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will. In Österreich agiert der Handel bei der Weitergabe von Lebensmitteln allerdings in einem Graubereich. Dieser rechtliche Graubereich muss künftig klarer geregelt werden. Darüber hinaus sollte die heimische Tafel-Infrastruktur durch öffentliche Mittel stärker unterstützt werden.

Vinzimarkt: gerettete Lebensmittel für Menschen mit geringem Einkommen

Aber einzelne Initiativen und Kampagnen können nur einen gewissen Beitrag leisten. Um wirklich langfristig effektiv gegen die Verschwendung von Lebensmitteln zu handeln, müssen wir einen Rahmen erstellen, der von den Städten überall genutzt werden kann. Dieser Rahmen sollte sich laut „too good to go“ auf vier Kernprinzipien stützen:

  • die Trennung von organischem Abfall von allen anderen Abfallarten
  • die Messung und Rückverfolgung dessen, was und von wem verschwendet wird
  • die Umverteilung überschüssiger Nahrungsmittel mit Hilfe einer der vielen frei verfügbaren kostengünstigen Lösungen
  • die Verarbeitung aller Nahrungsmittel, die nicht gegessen werden können, in Energie, Treibstoff oder Tierfutter
Umverteilung, z. B. via Lebensmittel-Verteiler in Eggersdorf bei Graz

Entscheidend ist überdies, die Lebensmittelverschwendung dort zu bekämpfen, wo sie tatsächlich passiert. Eine deutliche Reduktion wäre vor allem in den privaten Haushalten möglich. Laut Greenpeace stammen 42% der heimischen Lebensmittelabfälle im Rest- und Bio-Müll aus Haushalten. Daher sollte schon in der Schule begonnen werden, verstärkt für dieses Thema zu sensibilisieren.

Auch Robin Food rettet Lebensmittel vor dem Müll

Was kann jeder von uns tun? Vieles! Auch bei diesem Thema gilt, dass ein bewusster Einkauf und kleine Änderungen in unserem Lebensstil viel beitragen können. Außerdem ist gerade Lebensmittel zu retten oft mit Spaß (z. B. foodsharing) oder Abenteuer (Dumpstern) verbunden. Nicht zuletzt schonen die meisten Initiativen nicht nur die Umwelt, sondern auch das Geldbörserl.

Abschließend hier unsere Liste von Initiativen gegen Lebensmittelverschwendung, wo wir uns alle einbringen können:

Und auch in unserer folgenden Liste findet ihr sicher noch etwas, um euch zu engagieren und nicht nur Lebensmittel in der Tonne, sondern Müll im allgemeinen zu reduzieren:
Initiativen, Sharing & Sonstiges in Graz

Quellen: apa – Handelsverband; apa – too good to go; kleine zeitung; United Against Waste

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